So deckten wir den illegalen Handel mit Hatha Jodi auf

Hatha Jodi wird als seltene Wurzel verkauft, ist aber tatsächlich der Hemipenis (doppelte Penis) eines Warans. Dieser wird den Waranen abgeschnitten und getrocknet, wodurch er das Aussehen verschränkter Hände erhält.

Der folgende Blog ist ein Erfahrungsbericht darüber, wie wir in Zusammenarbeit mit dem Wildlife Trust of India den Handel mit getrockneten Waranpenes aufdeckten, die von okkulten Priestern in Indien weltweit als Glücksbringer vertrieben werden.

Mein Informant, ein erfahrener verdeckter Ermittler, stieß mich mit einem seltsamen gabelförmigen Gegenstand an.

"Weißt Du, was das ist?" Ich vermutete, es handele sich um ein Tierprodukt, aber nach vielen Fehlversuchen, und nachdem ich an dem Gegenstand gerochen hatte, klärte mich mein Informant auf. "Es ist der getrocknete Penis eines Warans", erzählte er mir. Mein Kollege - der über umfangreiche Erfahrung in der Identifikation von Wildtierprodukten verfügt - und ich waren entsetzt. “Suchbegriff Hatha Jodi”, sagte der Informant. Ich hörte den Namen zum ersten Mal.

Die Suchmaschine findet zahlreiche Verweise auf Hatha Jodi, das als seltene Pflanzenwurzel und Glücksbringer angepriesen wird. Die Liste der angeblichen „Glücksfälle“ reicht von gewonnenen Gerichtsverfahren bis hin zu gerettete Ehen, und selbst die Attraktivität des Trägers könne angeblich gesteigert werden.

Aber Hatha Jodi ist keineswegs eine Wurzel, sondern der getrocknete Hemipenis eines Warans. Jäger spüren die Warane im Dschungel auf, wo sie die Tiere in ihrem Bau fangen oder so herausjagen, dass sie mit einem Netz, Speer oder einer anderen Waffe oder Falle gefangen werden können.

Die Jäger töten die Warane meist nicht gleich, sondern stellen die Tiere ruhig, indem sie ihnen ihre Krallen ausreißen, ihre Beine zusammenbinden und ihnen ihren langen Schwanz um den Hals schlingen. Dann werden sie in einem Jutesack weggebracht. Am Ziel angekommen, werden die männlichen Eidechsen anhand der unterschiedlichen Größe ihrer Hemipenes gekennzeichnet.

Der Bereich um den Penis der noch lebenden Eidechse wird verbrannt, damit er sich aus dem Körper herausstülpt. Dann wird er mit einem scharfen Messer herausgeschnitten und in der Sonne getrocknet. Dadurch verwandelt er sich in ein Objekt, das verschränkten Händen ähnelt - weshalb er Hatha Jodi ("verschränkte Hände") genannt wird.

Das Tier stirbt einen entsetzlichen Tod. Allein der Gedanke, ein Tier lebend zu verbrennen und seine Organe herauszuschneiden, ist unerträglich. Hatha Jodi ist das Produkt unvorstellbarer Qualen und Schmerzen. Wir müssen deshalb alles daran setzen, diesem grausamen Treiben ein Ende zu setzen.

Nach den ersten Funden erstellten Teams des IFAW und des Wildlife Trust of India (WTI) zusammen mit dem Büro für Kriminalitätsbekämpfung im Wildtierhandel (WCCB) eine Liste mit allen im Internet vertretenen Anbietern von Hatha Jodi und identifizierten so die Großhändler. Die meisten Verkäufer vermarkten den Penis als Teil einer seltenen Pflanze und erfinden Geschichten über Ursprung und angebliche Heilkräfte von Hatha Jodi. Aber auch viele andere verbotene /verdächtige Produkte findet man dort. Es ist ein Markt, der auf Okkultismus, Tierquälerei und Betrug basiert.

Um auch den Handel außerhalb des Internets zu untersuchen, gaben wir uns als Interessenten von Hatha Jodi aus. Ich rief einige Anbieter an, aber die Antwort war immer dieselbe: Wenn Sie es kaufen wollen, bestellen Sie online. Wenn Sie nicht zufrieden sind, erstatten wir das Geld oder schicken Ihnen ein Ersatzprodukt.

Niemand war bereit, uns zu treffen. Doch wir hielten es für wichtig, noch einige Informationen im persönlichen Gespräch zu überprüfen.

Zur selben Zeit schloss sich eine Kollegin den Ermittlungen an. Sie erledigte die gesamte Online-Recherche für uns und kennt sich mit Hatha Jodi und dessen Geschichte sehr gut aus

Sie wurde unser Lockvogel namens Preeti. Ihre Anrufe bewirkten Wunder: Die Verkäufer waren bereit, sie persönlich zu treffen und erlaubten ihr, die Ware selbst zu prüfen. Preeti gab sich als aufstrebende Astrologin aus, die Hatha Jodi ins Vereinigte Königreich importieren wolle.

Eines ihrer Treffen fand in einer kleinen Stadt in Rajasthan statt, wo ein Anbieter über seine Internetseite verschiedene Objekte für okkulte Praktiken verkaufte. Er stimmte einem Treffen mit uns zu.

Das Treffen fand im Laden des Verkäufers statt. Preeti war sehr überzeugend. Ich gab mich als ihr Fahrer aus und beschwerte mich ständig über die Hitze, die lange Fahrt und mehr. Der Verkäufer war ein junger Mann Ende 20, dessen Hände mit Tätowierungen übersät waren. Er arbeitete in einem kleinen Raum mitten auf einem überfüllten Markt.

"Hier im Laden kann ich nicht so viele zeigen. Ich zeige sie Ihnen im Auto", sagte er. Darauf reagierte Preeti verärgert. Sie war nicht bereit, anderswo hinzugehen, um die „Wurzeln" zu begutachten.

 "Einer meiner wichtigsten Großhändler aus Madhya Pradesh vor ein paar Tagen wegen des Verkaufs von Hatha Jodi festgenommen wurde. Er ist noch immer in Haft.", erklärte der Händler. "Wissen Sie, dieses Produkt ist in einigen Ländern verboten. Und so gab es in letzter Zeit einige Probleme mit Vollzugsbeamten."

Wir wussten natürlich über diesen Zwischenfall und die Begleitumstände sehr genau Bescheid.

“Ich bin nicht hier, um Zeit zu verschwenden", sagte Preeti ungeduldig.

Widerwillig gab der Händler einem jungen Mann vor der Tür ein Zeichen, woraufhin dieser schnell verschwand. Wenige Minuten später kam er zurück und brachte eine kleine Schachtel. Der Besitzer forderte ihn auf, die Umgebung im Auge zu behalten. Ich spürte die plötzliche Alarmbereitschaft im Verhalten des Besitzers.

In der Schachtel waren etwa 25 bis 30 Waranpenes. Er legte sie auf den Tisch und begann, die Qualität seiner Ware anzupreisen. "Schauen Sie, meine Dame, diese Wurzel ist gerade, in Höhe des Kopfes schön geformt und ziemlich groß. Meine Ware ist von bester Qualität." Der Besitzer zeigte uns auch einige Fälschungen und warnte uns vor Hatha Jodis aus Plastik.

Dann gab er uns Hinweise, wie wir die Objekte am besten verkaufen und Probleme mit dem Zoll vermeiden können. "Senden Sie die Ware per Post. Deklarieren Sie die Sendung als Geschenkartikel, tauchen Sie die Wurzeln in zinnoberrote Farbe, in die Sie Mottenkugeln geben", riet er selbstsicher. "So wird sie während des Transports niemand berühren. Angehörige westlicher Kulturen sind oft sehr misstrauisch gegenüber Objekten, die sie mit tantrischer Praxis und Okkultismus verbinden und werden den Inhalt nicht näher untersuchen. Wenn sie jemand persönlich transportiert, verteilen Sie sie einfach auf mehrere Taschen. Ich versende die Objekte seit langer Zeit an meine Kunden weltweit. Bisher wurden sie noch nie entdeckt."

Wir vereinbarten ein Lieferdatum und verließen den Laden mit dem Versprechen, die Ware bald von unserem Boten abholen zu lassen. Eine Stunde später saßen wir im Büro des leitenden Ermittlungsbeamten und informierten ihn darüber, was sich kurz zuvor zugetragen hatte.

Warane sind durch die indische Gesetzgebung und das Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES geschützt. Der Handel mit dem Tier oder Produkten von ihm ist verboten.

Ein anderer von uns festgenommener Händler war ehemals Zollbeamter und gab sich als Astrologe aus. Er machte Vorhersagen über die Preetis Zukunft und gab Ratschläge, welche Rituale sie durchführen solle, um das Glück anzuziehen. Er verfügte über eine bekannte Internetseite, hatte etwa acht Mitarbeiter am Telefon und Verkäufer - unter ihnen Absolventen der Ingenieurwissenschaften, die verschiedene tantrische Objekte online verkauften, darunter Hatha Jodi.

Innerhalb von 24 Stunden nach dem Besuch unseres Lockvogels wurde der Händler von Beamten der zuständigen indischen Behörden festgenommen, da er online verschiedene verbotene Produkte wilder Tiere verkauft hatte. Außerdem wurden in seinem Büro Unterlagen mit Hinweisen auf schweren Steuerbetrug und Identitätsdiebstahl entdeckt.

Unsere Ermittlungen führten im ganzen Land zu vielen Beschlagnahmungen. Der Umweltminister gab eine Erklärung ab, dass illegaler Wildtierhandel sehr ernst genommen wird. Er bat die Beamten des WCCB um Einzelheiten bezüglich des Handels mit Hatha Jodi. Dank der Ermittlungen konnten wir eine Liste zahlreicher Objekte erstellen, die Derivate verschiedener in Indien und in anderen Ländern verbotener Tierprodukte sein könnten.

Warane sind durch die indische Gesetzgebung und das Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES geschützt. Der Handel mit dem Tier oder Produkten von ihm ist verboten.

Gemeinsam mit dem Wildlife Trust of India haben wir eine Online-Kampagne gestartet, in der wir dazu aufrufen, bei okkulten Praktiken keine Tierprodukte mehr zu nutzen. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit dem Büro des WCCB in Delhi. Dabei werden auch die Behörden über Anbieter verdächtiger Produkte informiert.

Unser Ziel ist es, Produkte aus illegalem Wildtierhandel aus dem Internet zu entfernen. Wir freuen uns, dass einige frühere Anbieter von Hatha Jodi dieses mittlerweile aus ihrem Sortiment genommen haben. Und wir werden alles daran setzen, dass Hatha Jodi bald ganz aus dem Internet verschwindet.

Jose Louies

Erfahren Sie mehr über die Arbeit des IFAW zur Bekämpfung des illegalen Wildtierhandels.

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Experten

Azzedine Downes, Präsident und CEO
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Beth Allgood, IFAW Länderdirektorin USA
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Cynthia Milburn, Senior-Beraterin Strategieentwicklung
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Dr. Joseph Okori, Regionaldirektor Südliches Afrika und Programmdirektor Natursc
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Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
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Kelvin Alie, IFAW Vizepräsident Natur- und Tierschutz
Vizepräsident
Patrick Ramage, Programmdirektor Meeresschutz
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Rikkert Reijnen, Programmdirektor Wildtierkriminalität
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