INTERPOL und IFAW veranstalten Workshop zur Wildtierkriminalität im Internet

Wildtierkriminalität, die über das Internet abgewickelt wird, stellt eine ernste Gefahr für das Überleben geschützter und bedrohter Arten dar. Denn das Internet ist ein riesiger virtueller Marktplatz, der Wildtierhändlern neue Möglichkeiten bietet, lebende Tiere und Körperteile solcher Tiere zum Verkauf anzubieten. Um hiergegen vorzugehen, richten IFAW und INTERPOL am 5. und 6. Juni im INTERPOL-Sekretariat im französischen Lyon einen wegweisenden globalen Workshop aus, bei dem es um illegalen Wildtierhandel im Internet geht. Dort kommen verschiedene Akteure zusammen, die im Kampf gegen den Handel mit Wildtieren aktiv sind.

Der jüngste Bericht des IFAW, Disrupt: Wildlife Cybercrime verdeutlicht, dass die Zusammenarbeit aller am Internethandel beteiligten Firmen und Institutionen dringend intensiviert werden muss. Bei unseren Recherchen haben wir in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Russland Online-Verkaufsangebote für Tausende lebender geschützter und bedrohter Tiere und Produkte aus diesen Tieren entdeckt. Über einen Zeitraum von sechs Wochen im Jahr 2017 ermittelte das IFAW-Team 5.381 Anzeigen auf über 106 Online-Marktplätzen und vier Social-Media-Plattformen und erfasste 11.772 bedrohte und gefährdete Exemplare im Wert von 3.942.329 Millionen US-Dollar.

Wie der Bericht zeigt, erweist sich unsere kontinuierliche Zusammenarbeit mit Online-Unternehmen als wirkungsvoll. So konnte etwa der Wildtierhandel auf bestimmten Online-Marktplätzen und Social-Media-Plattformen erheblich reduziert werden. Außerdem haben wir den Strafvollzug unterstützt, indem wir 190 Informationsprotokolle zu 327 Anzeigen und Posts an nationale Strafverfolgungsbehörden zur weiteren Ermittlung weitergegeben haben. Daneben ergaben unsere Recherchen, dass der Online-Handel mit Elfenbein und mutmaßlichem Elfenbein nach wie vor ein Problem darstellt und dass es sich bei 80 Prozent der gefundenen Exemplare um lebende Tiere handelte. Mit Abstand am häufigsten fanden die Rechercheure Reptilien. Fast ein Viertel der übrigen Exemplare waren Vögel. Unter ihnen fanden sich auch geschützte afrikanische Graupapageien. Auch Verkaufsangebote für Exemplare von Säugetieren wie Katzen, Primaten, Bären und Nashörnern wurden entdeckt.

Online-Marktplätze und Social-Media-Plattformen müssen Abschreckung für kriminelle Handlungen bieten, so auch für den Handel mit Wildtieren. IFAW und INTERPOL bringen im Rahmen ihres Workshops führende Experten für Wildtier-Cyberkriminalität zusammen, darunter Strafverfolgung, Online-Unternehmen, politische Entscheidungsträger, NGOs, Wissenschaftler und Vertreter des Washingtoner Artenschutzabkommens (CITES). Sie sollen bewährte Verfahren zur Bekämpfung von durch das Internet ermöglichter Wildtierkriminalität ermitteln und austauschen.

„Zum Engagement von INTERPOL für die Bekämpfung von Wildtierkriminalität gehört es auch, sich mit den sich immer weiter entwickelnden Vorgehensweisen transnationaler krimineller Organisationen zu befassen. Kriminelle Händler nutzen aus, dass die Lieferkette unzureichend überwacht wird, um Körperteile von Wildtieren beim Transport und Versand zu verstecken und profitieren in zunehmendem Maße von der Nutzung des Internets (sowohl des „normalen“ sichtbaren Webs als auch des Darknets, einem geschlossenen Bereich des Internets), um der Kontrolle durch die Strafverfolgungsbehörden zu entgehen. Wir beobachten, dass derzeit zwei zunehmende Gefahren zusammenkommen: der Handel mit Wildtieren und die durch das Internet ermöglichte Kriminalität“, erklärt Tim Morris, Direktor des Polizeidienstes bei INTERPOL.

Umweltkriminalität zählt zu den fünf größten Verbrechensbereichen weltweit. Transnationale organisierte kriminelle Gruppierungen steigen überall auf der Welt in den Handel mit Wildtieren ein. Dadurch gefährden sie bedrohte und geschützte Arten, schaden schutzbedürftigen Gemeinschaften, beeinträchtigen Volkswirtschaften und gefährden Sicherheit und Rechtsstaatlichkeit.

„Wir müssen die Bemühungen von Privatwirtschaft und öffentlichem Sektor verstärkt abstimmen, um Netzwerke der Wildtier-Cyberkriminalität zu durchkreuzen und zu zerschlagen“, so Tania McCrea-Steele, Leiterin der Kampagne gegen illegalen Online-Wildtierhandel. „Dieser Workshop ist die ideale Gelegenheit, sich über bewährte Maßnahmen auszutauschen und ein effektives Netzwerk aufzubauen.“

Dörte von der Reith

Sie können den Report Disrupt: Wildlife Cybercrime hier herunterladen.

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Experten

Azzedine Downes, Präsident und CEO
Präsident und CEO
Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Dr. Elsayed Ahmed Mohamed, Regionaldirektor Mittlerer Osten
Regionaldirektor Mittlerer Osten
Dr. Maria (Masha) N. Vorontsova, Regionaldirektorin Russland und GUS
Regionaldirektorin Russland und GUS
Faye Cuevas, Esq., Vizepräsidentin
Vizepräsidentin
Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
Regionaldirektorin Asien
Kelvin Alie, IFAW Vizepräsident Natur- und Tierschutz
Vizepräsident
Rikkert Reijnen, Programmdirektor Wildtierkriminalität
Programmdirektor Wildtierkriminalität
Robert Kless, Leiter IFAW Deutschland
Leiter IFAW Deutschland
Staci McLennan, Regionaldirektorin Europäische Union
Staci McLennan, Regionaldirektorin Europäische Union
Tania McCrea-Steele, Leiterin der Kampagne gegen illegalen Online-Wildtierhandel
Leiterin der Kampagne gegen illegalen Online-Wildtierhandel, IFAW Großbritannien
Vivek Menon, IFAW Senior-Berater Strategische Partnerschaften
Senior-Berater für Strategische Partnerschaften und Philanthropie