Hilfsprojekt für verwaiste Elefanten – Sambia
Verwaiste Elefanten brauchen ein neues Zuhause und eine neue Herde
Von der Rettung zur Genesung
Chikumbi und Ndewa wurden beide als Waisen gerettet und anschließend im Elefantenwaisenhaus(engl. Lusaka Elephant Nursery) aufgezogen, das von Game Rangers International (GRI) mit Unterstützung des IFAW in Sambia betrieben wird. Ungefähr drei Jahre lang half ihnen das erfahrene Team vor Ort, ihre körperlichen und emotionalen Traumata zu überwinden. Diese Vorbereitung war unerlässlich für den nächsten Abschnitt ihrer Reise: das Zusammenleben mit anderen Elefanten und das Erlernen von Selbstständigkeit, um eines Tages in die Wildnis zurückkehren zu können.
„Das Hilfsprojekt für verwaiste Elefanten wurde 2008 ins Leben gerufen“, sagt Rachael Murton, Wildlife Rescue Director bei GRI, „als Reaktion auf die Rettung mehrerer Elefanten, die durch Wilderei zu Waisen geworden waren. Seitdem konnten wir dank unserer großartigen Spenderinnen und Spender sowie unserer Partner auf zwei Standorte expandieren: das Elefantenwaisenhaus im Lusaka-Nationalpark, das hilfsbedürftige Waisen rettet und sich während der ersten Zeit ihrer Rehabilitation um sie kümmert und die Auswilderungsstation im Kafue-Nationalpark, wo die Elefanten, sobald sie alt und stark genug sind, schrittweise wieder in die Wildnis entlassen werden.“
Das Hilfsprojekt für Elefanten (engl. Elephant Orphanage Project, EOP) kümmert sich um Elefantenkälber, die z.B. aufgrund von Wilderei, Mensch-Wildtier-Konflikten oder Dürren zu Waisen geworden sind. Unter der Obhut von Fachkräften werden die Kälber gefüttert, versorgt und können in der Gesellschaft anderer junger Elefanten zu Kräften kommen. Letzteres ist wichtig für ihre soziale Entwicklung und ihr langfristiges Überleben. Im Laufe der Jahre hat das Projekt Dutzende von Kälbern versorgt. Heute beherbergt das Elefantenwaisenhaus im sambischen Lusaka vier Waisen, die sich noch am Beginn ihrer Rehabilitation befinden, während zwölf weitere in der Auswilderungsstation im Kafue-Nationalpark auf ihre Rückkehr in die Wildnis vorbereitet werden.
Ein heikler Transport
„Die Elefanten in ein Transportfahrzeug zu bringen, ist jedes Jahr herausfordernd“, erklärt Rachael. „Wir haben keinen passenden Lkw, der für Elefanten ausgelegt ist, die das Elefantenwaisenhaus verlassen. Daher müssen wir einen Lkw mieten. Die Elefanten kennen ihn nicht und wollen ihm daher nicht zu nahekommen.“

Aufgrund der Tatsache, dass der geliehene Lkw nicht speziell für diesen Zweck gebaut wurde, ist für ein sicheres Verladen eine vollständige Betäubung erforderlich. Diese Maßnahme möchte Rachael in Zukunft vermeiden: „Unser Traum ist es, ein eigenes Fahrzeug zu haben, das permanent im Elefantenwaisenhaus stationiert ist, damit wir die Elefanten mit der Zeit trainieren können, freiwillig einzusteigen. Der derzeitige Prozess ist körperlich anstrengend und logistisch komplex.“ Mit Blick auf Chikumbi und Ndewa stellte Rachael jedoch klar: „Sobald die beiden Elefanten sicher im Inneren waren, erholten sie sich und waren bereit für die Reise. Während der gesamten Fahrt wurden sie alle zwei Stunden kontrolliert.“
Obwohl Chikumbi und Ndewa zu gestresst waren, um zu trinken, nahmen die beiden jungen Elefanten während der Reise Nahrung zu sich. Sie fraßen alle paar Stunden Blätter und wurden von ihrem Pfleger-Team mit Wasser gekühlt.
Die beiden Elefanten erwiesen sich dabei als unzertrennlich. „Sie durchbrachen die Trennwand im Lkw, nur um zusammen zu sein“, lachte Rachael. „Normalerweise trennen wir sie, um die Last auszugleichen, doch die beiden waren entschlossen, Seite an Seite zu stehen.“
Ein herzlicher Empfang in Kafue
In der Auswilderungsstation im Kafue-Nationalpark wurden die Elefanten über eine sandige Rampe abgeladen und in das „Boma“ geführt, ein sicheres Freiluftgehege, das ihnen Raum zum Ausruhen und Akklimatisieren bietet, bevor sich die beiden Elefanten der Waisenherde anschließen.
„Sobald sie festen Boden unter den Füßen hatten, konnte man sehen, wie sie sich entspannten“, sagte Rachael. „Sie tranken ihre Milch, gingen in ihre neuen Ställe und fühlten sich in der Gegenwart der ihnen bekannten Menschen wohl. Seit ihrer Rettung sind die Pfleger an ihrer Seite. Diese Beziehung ist ein wichtiger Teil ihrer Rehabilitation und jetzt in dieser Übergangsphase, in der alles neu für sie ist, von großer Bedeutung.“
Sobald die Elefantenkälber vom Elefantenwaisenhaus in Lusaka in die Auswilderungsstation im Kafue-Nationalpark umziehen, beginnt ein „sanfter Freilassungsprozess“. Hier beginnen die Elefanten, sich in die Waisenherde zu integrieren, während sie weiterhin von den Pflegern versorgt werden. Mit der Zeit verringern die jungen Elefanten allmählich ihre Abhängigkeit von Menschen und interagieren zunehmend mit in der Wildnis lebenden Elefanten.
Im Laufe der Jahre hat GRI 19 Elefanten wieder in die Wildnis entlassen, von denen aktuell zehn aktiv überwacht werden. Einige Tiere haben sich erfolgreich wildlebenden Herden oder anderen Junggesellen angeschlossen, was für jugendliche Elefantenbullen üblich ist. Eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte ist Chamilandu, einst die Matriarchin der Waisenherde, die 2019 bereits ihr erstes eigenes Kalb zur Welt brachte. Damals lebte sie bereits wieder frei in der Wildnis, kehrte aber zur Geburt ins Boma zurück. Im Jahr 2025 war Chamilandu dann sogar die erste rehabilitierte und wieder ausgewilderte Elefantin in Sambia, die ein Kalb völlig selbständig in der Wildnis zur Welt brachte. Dies ist ein echter Beweis für den Erfolg des Elefantenwaisenhausprojekts von GRI. Sie lebt nun mit ihren beiden Kälbern in der Wildnis Afrikas, begleitet von anderen ehemaligen Waisen der Station.
Diese Bemühungen sind Teil der „Room to Roam”-Initiative des IFAW, welche darauf abzielt, Migrationskorridore zu sichern und Mensch-Wildtier-Konflikte zu reduzieren, indem Elefanten die Freiheit gegeben wird, sich sicher zwischen Ökosystemen zu bewegen, von Malawi und Sambia bis Simbabwe und darüber hinaus.
Von der Rettung zur Resilienz
Jeder Elefant hat eine bemerkenswerte Geschichte. Chikumbi war gerade einmal vier Monate alt, als sie von Menschen eines naheliegenden Dorfes in der Nähe des Sambesi-Flusses gefunden wurde. Zu diesem Zeitpunkt war Chikumbi schwach, unterernährt und allein.
„Sie schien ein körperlich fähiges junges Kalb zu sein, zeigte jedoch Anzeichen von posttraumatischem Stress“, erinnert sich Rachael. „Zu sehen, wie sie sich zu einer gesunden, selbstbewussten jungen Elefantin entwickelt hat, die sich voll und ganz in ihre neue Familie integriert hat, ist unglaublich erfüllend.“

Ndewa, die bei ihrer Rettung etwas älter war, befand sich in einem noch kritischeren Zustand.
„Sie war der am meisten abgemagerte Elefant, den wir je gerettet haben und der es tatsächlich geschafft hat“, sagte Rachael. Monatelange Rund-um-die-Uhr-Betreuung und spezielle Ernährung stellten ihre Gesundheit und Lebensfreude wieder her. Überraschenderweise hat sich die einst so nervöse Ndewa mittlerweile sogar als die Mutigere der beiden herauskristallisiert.
„Sie hat in der Auswilderungsstation die Führung übernommen, während Chikumbi nun bei ihr nach Sicherheit sucht. Sie haben ihre Rollen komplett getauscht.“
Beide Elefanten integrieren sich gut in die Herde mit anderen Elefantenwaisen. Sie sind respektvoll gegenüber älteren Herdenmitgliedern und erkunden gleichzeitig mit wachsender Neugier ihre Umgebung.
Das Wohlbehalten der Elefanten stets im Auge
Während der gesamten Umsiedlung wird das Wohlbehalten der Tiere im Auge behalten.
„Wir haben den Lkw regelmäßig angehalten, um nach ihnen zu sehen, sie bei Bedarf zu kühlen, ihnen Futter anzubieten und sogar Elefantendung in den Lkw zu legen, um sie mit vertrauten Gerüchen zu umgeben“, sagte Rachael. „Es ist wichtig, Stress auf jede erdenkliche Weise zu reduzieren. Das Wohlergehen steht im Mittelpunkt unseres Handelns und des Handelns des IFAW. Wir setzen uns dafür ein, dass die Elefanten auf jedem Schritt ihrer Reise die bestmögliche Betreuung erhalten.“
Diese Umsiedlung stellt für die beiden Elefanten jedoch nicht das Ende ihrer Reise dar. Chikumbi und Ndewa werden nun mehrere Jahre in der Auswilderungsstation im Kafue-Nationalpark verbringen und nach und nach die Fähigkeiten, Beziehungen und das Selbstvertrauen aufbauen, die sie brauchen, um selbstständig und unabhängig von Menschen leben zu können. Eines Tages, wenn sie alt genug sind, werden sie dann in die Wildnis zurückkehren. Dann sind Chikumbi und Ndewa nicht nur Überlebende, sondern Symbole des Erfolgs für ihre Art, für den Artenschutz und für IFAWs „Room to Roam“-Initiative.
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