Kathleen Collins
Hoffnung für Nordatlantische Glattwale
Hoffnung für Nordatlantische Glattwale
Nordatlantische Glattwale haben ihre Kalbungssaison von November bis April. Es verbleiben noch ein paar Wochen. Doch wir haben bereits einen Meilenstein erreicht, von dem ich nicht dachte, ihn so bald erleben zu dürfen: 22 dokumentierte Kälber des Nordatlantischen Glattwals vor der Südostküste der USA. Es ist die höchste Zahl seit 15 Jahren und gibt uns die seltene Gelegenheit, eine Art zu feiern, die häufiger mit Tragik als mit Erfolgen in Verbindung gebracht wird.
Von geschätzten 380 verbleibenden Nordatlantischen Glattwalen sind nur etwa 70 fortpflanzungsfähige Weibchen. Die Geburt von 22 Kälbern ist daher bedeutend. Fachkräfte sagen, dass etwa 20 Kälber pro Saison ausreichen, um den Bestand auf seinem aktuellen Niveau zu halten. Wir sind zwar noch nicht am Ziel, aber wir bewegen uns in die richtige Richtung.
Für einen Moment Hoffnung: Schauen Sie sich hier im Video an, wie eine Mutter und ihr Kalb durchs Meer schwimmen:
Momente zum Feiern
Diese Kälber sind mehr als nur Zahlen. Sie stehen für das Vermächtnis jahrzehntelanger Artenschutzarbeit. In dieser Saison wurde ein 10-jähriger Glattwal (ID Nr. 4610) zu einer der jüngsten bekannten Mütter. Es ist ein hoffnungsvolles Zeichen dafür, dass Wale bei weniger Bedrohungen zu natürlichen Fortpflanzungsrhythmen zurückkehren können. Erfahrene Mütter wie Magic (Nr. 1243) und Slalom (Nr. 1245) sind starke Beispiele dafür, was langfristiges Überleben einzelner Tiere für die Art bedeuten kann.
Wir sehen auch, wie Menschen Teil der Geschichte zum Erhalt dieser Art sind. Freizeitbootfahrer meldeten eine Sichtung von Giza (Nr. 3020) und ihrem Kalb vor der Küste South Carolinas und gaben ein Hinweis darauf, wie hilfreich und wichtig öffentliche Beobachtung und „Citizen Science“ sind.
Eine wandernde Art
Nahe der US-Bundesstaaten Florida bis North Carolina nutzen Mütter und Kälber küstennahe Gewässer in allen Kalbungsgebieten der Glattwale. Ihre weite Verbreitung zeigt, wie viel des Ozeans geschützt werden muss, um ihnen ein sicheres Leben zu ermöglichen. Saisonale Geschwindigkeitsbegrenzungen entlang der südöstlichen US-Küste verpflichten große Schiffe zum Abbremsen, und kleinere Boote werden eindringlich gebeten, dasselbe zu tun. Bei mindestens 22 Mutter-Kalb-Paaren, die oft knapp unter der Oberfläche schwimmen, können langsamere Geschwindigkeiten und erhöhte Aufmerksamkeit von Seeleuten entscheidend sein.
Zeichen der Erholung
Nach Jahren besorgniserregender Entwicklungen ist es ermutigend zu sehen, dass mehr Mütter in kürzeren Abständen kalben. Bisher lagen die Intervalle zwischen Geburten je Muttertier bei bis zu zehn Jahren. Grund dafür: die Belastungen durch Fanggeräte, Kollisionen mit Schiffen, sich verschiebende Nahrungsangebote und Lärmbelastung. In dieser Saison bekommen einige Mütter jedoch schon nach weniger als fünf Jahren ein neues Kalb. Das ist eine vielversprechende Entwicklung, die wir weiterhin genau beobachten werden, um die Ursachen besser zu verstehen.

Jetzt sind wir am Zug
Wir wissen, was diese Art daran hindert sich zu erholen. Die größten Bedrohungen wie Kollisionen mit Schiffen und Verheddern in Fanggeräten sind gut dokumentiert und vermeidbar. Seit 2017 befinden sich Glattwale laut NOAA in einem sogenannten „Unusual Mortality Event“ (dt: außergewöhnliche Sterblichkeit). Über 20 % der bekannten Population wurden in dieser Zeit getötet oder schwer verletzt.
Wir sollten uns nicht von den vielen Herausforderungen erdrücken lassen. Feiern wir heute zusammen lieber die guten Nachrichten und arbeiten dann weiter. Die Wale überleben trotz widriger Umstände. Diese Saison zeigt deutlich: Wenn wir ihnen die Chance geben, kann sich die Art erholen.
Der Marine Mammal Protection Act (MMPA) ist seit 1972 ein grundlegendes Umweltgesetz. Er schützt alle Meeressäuger in US-Gewässern und es ist keine Übertreibung zu sagen, dass er bereits mehrfach dazu beigetragen hat, Arten vor dem Aussterben zu bewahren und ihre Bestände zu erholen, darunter auch die Nordatlantischen Glattwale.
Doch derzeit erwägen US-Gesetzgeber eine Überarbeitung des Gesetzes zum Schutz der Meeressäuger. Sie würde fünf Jahrzehnte Fortschritt rückgängig machen. Sollte sie verabschiedet werden, würde es schwieriger werden, Wale vor Bedrohungen wie Verheddern in Fanggeräten und Schiffskollisionen zu schützen. Die Beweislast würde auf Wissenschaft und Artenschutz verlagert und das Gleichgewicht würde sich von Vorsorge hin zu Industrieinteressen verschieben.
Ein geschwächter MMPA würde die Rettung der Wale genau in dem Moment erschweren, in dem sie zeigen, dass sie bereit für eine Erholung sind. Das dürfen wir nicht zulassen.
Den Schwung beibehalten
Trotz all dem bleibe ich hoffnungsvoll. Die Zahl der Kälber in dieser Saison zeigt, was möglich ist, wenn wir mit Entschlossenheit handeln, der Wissenschaft folgen und zusammenarbeiten. Artenschutz wird nicht nur durch Politik und Wissenschaft angetrieben, sondern durch Menschen.
Es ist der Seemann, der langsamer fährt, wenn Wale in der Nähe sind. Der Hummerfischer, der neue Fanggeräte testet. Die Strandbesucherin, die eine Sichtung meldet. Die politische Entscheidungsträgerin, die wissenschaftsbasierte Schutzmaßnahmen unterstützt. Die Unterstützerin, die unterschreibt, sich engagiert und weiter Hoffnung hat, selbst wenn es düster wirkt.
Diese 22 Kälber sind mehr als eine Zahl. Sie sind ein Signal dafür, dass Erholung noch möglich ist und dass diese Art mit genügend Engagement eine echte Chance hat.
Lassen Sie uns sicherstellen, dass wir bis zum nächsten Jahr noch mehr getan haben, um diese Chance Wirklichkeit werden zu lassen.
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