Überschwemmungen in Malawi: Tausende Tiere wurden von den Fluten davongerissen

Die Rinder befinden sich in einer Einzäunung, die auf Höhe der Hochwassermarke liegt.Vergangenen Monat überschwemmten durch Regen verursachte Sturmfluten Malawi. Solange die Menschen hier zurückdenken können, hat es nie zuvor schlimmere Überschwemmungen gegeben. “Diese Flut hat historische Ausmaße”, so Dr. Danny Chinombo, der als Tierarzt für den IFAW arbeitet.

Was mir hier in diesen Tagen am meisten auffällt, sind die Würde und Freundlichkeit der Malawier. In den Flüchtlingslagern, die wir besucht haben, herrschen trotz aller Bemühungen durch die Hilfsorganisationen schlimme Zustände. Und dennoch lächeln die Menschen, setzen sich zu mir und erzählen mir ihre persönlichen Geschichten.

Man könnte annehmen, dass das Leben der Menschen sechs Wochen nach den sintflutartigen Regenfällen, die die Flüsse Shire und Rua in tosende Fluten verwandelt und das Land ringsherum überschwemmt haben, langsam wieder zur Normalität zurückkehrt. Doch das ist leider nicht der Fall.

Im Süden hat die Katastrophe am schlimmsten gewütet: Im Nsanje-Distrikt, 15 Kilometer vom eigentlichen Flussbett des Shire Flusses entfernt, steht das Land nahe der zerstörten Dörfer noch immer unter Wasser. Menschen und Tiere sind von der Außenwelt abgeschnitten. Sie sitzen auf kleinen Inseln, die sich durch die Fluten gebildet haben. Nahrung und Trinkwasser erhalten sie per Hubschrauber von einer Hilfsorganisation.

Wir treffen Jonas Nyamizinga, einen schlaksigen jungen Mann. Die Kleidung, die er trägt, hat er geschenkt bekommen. In der westlichen Welt würde man ihn als Held feiern. Hier ist er nur ein Bewohner des UNICEF-Camps in Bangula, der tat, was er tun musste, um seine zwei Frauen, seine elf Kinder und 80 weitere Menschen zu retten.

Vor der Katastrophe war Jonas ein recht wohlhabender Mann. Jetzt hat er nichts mehr: alle Rinder und Ziegen sowie die 28 Hühner und 14 Enten wurden vom Wasser davongespült.

“Es war der 12. Januar, als mitten in der Nacht das Wasser kam. Es gab keine Vorwarnung und so wussten wir nicht, dass wir besser hätten flüchten sollen.”, erzählt Jonas.

Jonas Dorf befand sich auf etwas erhöhtem Gelände in den Elefantensümpfen des Shire-Tals. Jonas half seinen Frauen und Kindern hinauf aufs Dach des Hauses und in die Bäume.

Dann begann er mit seiner Rettungsaktion: In einem Einbaum paddelte er immer wieder aufs Neue die zweistündige Route, um nach und nach seine Familie in Sicherheit zu bringen. Nachdem sein Einbaum irgendwann verloren gegangen war, lieh er sich ein Boot von einem seiner Brüder. Jonas paddelte die ganze Nacht hindurch und den Großteil des nächsten Tages, um seine Mitmenschen zu retten.

Makanga. auf der Ostseite des Shire Flusses, ist eine der am schwersten betroffenen Gegenden. Hier hat unser IFAW Team seinen ersten Einsatz geplant: Es geht darum, Rinder zu impfen, die wegen Unterernährung und aufgrund der sumpfigen Umgebung von Krankheiten und Seuchen bedroht sind.

Morgens um drei Uhr brechen wir auf. Wir benötigen vier Stunden für die 60 Kilometer lange Route nach Makanga. Dort warten jede Menge Rinder darauf, von uns tierärztlich versorgt zu werden. Im Konvoi durchqueren wir mehr als fünfzehn Flüsse, deren Brücken weggespült wurden. Wegen der Felsbrocken, die aus den Bergen herabgespült wurden, sehen die Flüsse aus, als wären sie mit blasiger Haut überzogen. Alles läuft gut. Wir haben noch nicht einmal einen platten Reifen.

Schließlich erreichen wir das Dorf Makanga. Wir machen uns auf den Weg zu den Rindern. Sie befinden sich in einer Einzäunung, die auf Höhe der Hochwassermarke liegt. Es ist großartig, wie gut alles vorbereitet ist. Dies ist den Helfern zu verdanken, die in den vorangegangenen Tagen auf Fahrrädern und Motorrädern unterwegs waren, um den Viehhirten Bescheid zu geben, dass der IFAW zum Impfen ihrer Tiere kommt.

Der IFAW impft und behandelt die Rinder nach den Sturmfluten in Malawi.Rinder und kleinere Nutztiere sind das Kapital der Kleinbauern im Süden Malawis. Mithilfe ihrer Tiere können sie sich eine Schulbildung für ihre Kinder sowie Nahrung und Kleidung leisten. Deshalb sind viele Bauern, die ihre Tiere verloren haben, verzweifelt. Mindestens 91.000 Tiere wurden von den Fluten fortgerissen. Doch die tatsächliche Zahl könnte sogar weitaus höher liegen. Einige Regierungsvertreter sprechen von bis zu einer Million Tieren.

Am ersten Tag treffen wir auf mehr als 2.500 Rinder. Es ist beeindruckend. Auf den ersten Blick sehen die Tiere wie eine einzige große Rinderherde aus. Tatsächlich sind es aber Dutzende Herden. Jede Herde bleibt dicht zusammen und wird von ihrem Hirtenjungen bewacht. Gleichzeitig drängen die Herden sich eng aneinander, bis Untersuchung und Impfung überstanden sind. Es sind schöne Tiere mit beeindruckender Präsenz: Brahman-Rinder gemischt mit den typischen malawischen Zeburindern.

Als erstes erklären Dr. Danny Chinombo und Dr. Julius Chulu vom Ministerium für Landwirtschaft den Dorfvorstehern den Zweck unseres Besuches. Danach können wir mit unserer Arbeit beginnen. Die Rinder protestieren mit lautem Muhen und der ein oder andere Hirtenjunge bekommt beim Versuch, seine Rinder ins Gatter zu treiben, eine ordentliche Abreibung. Doch letztendlich geht alles gut.

Am frühen Nachmittag sind die Temperaturen auf 37 Grad gestiegen. Die Rinder schwitzen und haben Durst. Die Luftfeuchtigkeit macht alles noch schlimmer. Es wird Zeit, diesen Arbeitstag zu beenden.

Wir holpern über die Piste zurück. Um diese Tageszeit stehen überall in den Flüssen Frauen, die ihre Wäsche waschen. Andere holen Wasser. Dazwischen toben spielende Kinder übermütig im erfrischenden Nass. Wenn man irgendetwas Positives in dieser Katastrophe sehen will, so ist es die Tatsache, dass Frauen jetzt nicht weit laufen müssen, um Wäsche oder ihre kleinen Kinder zu waschen.

Morgen werden wir in das Gebiet fahren, das am zweitschwersten von den Überschwemmungen betroffen ist. Wir werden auch dort Rinder impfen. Außerdem werden wir eine großangelegte Tollwut-Impfaktion für die dortigen Hunde starten.

Keine der Hilfsmaßnahmen in Malawi wäre ohne die Unterstützung mitfühlender Menschen auf der ganzen Welt möglich – weder die Arbeit der vielen humanitären Organisationen, noch die Arbeit der tiermedizinischen Teams, die vom IFAW gebildet wurden, um den Menschen und ihren Tieren zu helfen.

Jonas, der all seine Tiere verloren hat, Robert, der seine 72 Jahre alte Mutter durch brusttiefes Wasser trug und in der örtlichen Schule in Sicherheit brachte, Esnah, die erst vor wenigen Tagen ihren Sohn Joseph zur Welt brachte und Tausende anderer Menschen – sie alle danken von Herzen für die Unterstützung unserer Spender.

Christina Pretorius

Bitte helfen auch Sie, notleidende Tiere auf der ganzen Welt zu retten und zu versorgen.

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Kampagnenberater
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Brian Sharp, Leiter Rettungseinsätze, Einsatzkoordinator für Strandungen
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