IFAW und Hummerfischer testen neue walfreundliche Fischerei-Ausrüstung

Im Juli stach ein Expertenteam in der Cape Cod Bay an der Ostküste der USA in See. Mit dabei waren Vertreter des Hummerfischerverbands von Massachusetts (MLA, Massachusetts Lobstermen’s Association) und der Firma Desert Star Systems, die auf Fischereiausrüstung spezialisiert sind, sowie Experten des IFAW. Das sind die ersten Schritte, um die vom Aussterben bedrohten Atlantischen Nordkaper zu retten. Es wird ein langwieriger Weg, aber er ist vielversprechend.

Seit Jahrhunderten lebt diese Walart in den Gewässern Neuenglands und Kanadas bis hin zu den Küstengebieten von Georgia und Florida. In diesen Gebieten gibt es inzwischen starken Schiffsverkehr, und es wird viel kommerzieller Fischfang betrieben. Früher gab es dort mehrere Hunderttausend dieser Wale, doch der Bestand ist auf geschätzt 435 Tiere geschrumpft. Ursachen für den Rückgang sind unbeabsichtigte Kollisionen mit Schiffen sowie Leinen für Hummer- und Fischreusen aber auch Fischernetze, in denen die Tiere sich verfangen. Im letzten Jahr wurden 17 verendete Wale erfasst und in der jüngsten Kalbungssaison keine neugeborenen Kälber gesichtet. Das ist dramatisch, die Zukunft dieses markanten Meeressäugers steht auf der Kippe. Ohne schnelles und umfassendes Handeln wird sich die Population nicht erholen.

Studien haben ergeben, dass rund 83 Prozent der Atlantischen Nordkaper-Wale sich mindestens einmal in ihrem Leben in Fischereileinen verfangen haben. 85 Prozent der seit 2010 festgestellten Todesfälle gehen direkt auf solche Verstrickungen zurück. Hier muss dringend eine langfristige Lösung gefunden werden. Dies gab auch den Anstoß für die Zusammenarbeit zwischen IFAW, MLA und Unternehmen wie Desert Star. Ziel ist es, Entwicklung und Anwendung walfreundlicher Ausrüstung zu beschleunigen.

Mittels großflächiger Nutzung walfreundlicher Ausrüstung lässt sich die Anzahl senkrecht verlaufender Leinen vom Meeresboden zu Bojen an der Wasseroberfläche senken. Gerade in solchen Leinen verfangen sich die Wale. Würden die Fischer die Leinen nicht mehr benötigen, um an die Reusen zu gelangen, könnten sowohl Wale als auch alle anderen Meeressäuger diese Gebiete gefahrlos passieren und zu wichtigen Futtergebieten gelangen. Möglicherweise würde es auch zu weniger Schließungen von Fischereigebieten zum Schutz der Wale kommen. Die Lebensgrundlage einheimischer Hummerfischer zu bewahren und gleichzeitig auch die Zukunft der Wale zu sichern, stellt eine sowohl sozial wie auch ökologisch nachhaltige Lösung dar.

Unser Meeresteam geht dabei drängenden, komplexen Probleme nach, bei denen positive Veränderungen oft nur schwer zu erreichen sind. Hier sind gemeinschaftliches Vorgehen, unkonventionelles Denken und mutiges Handeln gefragt. Genau dies leistet die Erprobung neuer walfreundlicher Ausrüstung im Rahmen dieser innovativen Partnerschaft: Sie bietet die Chance für einen grundlegenden Richtungswechsel für die immer seltener werdenden majestätischen Tiere. Machen wir uns also an die Arbeit!

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Experten

Dr. Maria (Masha) N. Vorontsova, Regionaldirektorin Russland und GUS
Regionaldirektorin Russland und GUS
Patrick Ramage, Programmdirektor Meeresschutz
Programmdirektor Meeresschutz