Was Elefanten wissen: die Tragik ihrer Empfindsamkeit

Prächtige Elefantenbullen wie Craig lösen Ehrfurcht aus. Doch was geht in diesen mächtigen Köpfen wirklich vor?

Die meisten Menschen, die wilden Elefanten begegnet sind, sprechen mit Ehrfurcht über sie. Viele Menschen sind von ihrer Körpergröße beeindruckt. Andere sind überrascht, wie leise diese großen Tiere sein können. Das Geräusch beim Grasrupfen oder das Gurgeln in ihren Riesenbäuchen ist im Dunkeln das einzige Anzeichen für ihre Nähe. Selbst ihre Schritte werden vom Fett-Bindegewebe unter ihren Fußknochen gedämpft.

Manche Menschen haben das Glück, ihnen intensiver zu begegnen und dabei Außergewöhnliches zu erleben: Wenn ein junges Kalb sich – von seiner Neugier getrieben – mit großen Augen spitzbübisch nähert, bis ein Aufpasser der Familie es zurückholt. Oder wenn erwachsene Elefantenkühe schlaftrunken im Kreis um ihre Babys herumstehen und sie bewachen, während die Kleinen – alle Viere von sich gestreckt – schlummern.

Elefantenfamilien haben sehr innige Beziehungen untereinander. Ich bin ziemlich sicher, dass die chemische Reaktion, die in meinem Gehirn geschieht, wenn ich von einer Freundin oder einem Freund umarmt werde, sehr dem ähnelt, was bei Elefanten passiert, wenn sie sich begrüßen.

Was in mir vorgeht, wenn ich lächelnd und mit immer schnelleren Schritten am Flughafen auf meine Eltern zueile, empfinden auch Elefanten, wenn sie mit flatternden Ohren und schwitzenden Schläfendrüsen aufeinander zulaufen, um sich zu begrüßen. Es sind Bindungen, die über Jahre gewachsen sind, und das Bewusstsein, wertgeschätzt zu werden.

Doch chemische Reaktionen im Gehirn und daraus resultierende Zuneigungsbekundungen sind meines Erachtens lange nicht alles, was das besondere Wesen der Elefanten ausmacht.

Ich glaube, dass sie uns auch deshalb so faszinieren, weil sie uns immer wieder Einblicke in ihr Inneres und in ihr Verständnis von der Welt um sie herum geben.

Diese Einblicke in ihre Gefühlswelt haben wir aus unzähligen Geschichten: wenn sie versuchen, ihre kranken Artgenossen aufzurichten, menschliche Leichen und Elefantenkadaver mit Zweigen und Erde bedecken, Wache halten und Raubtiere abwehren. Man weiß es auch, weil Studien belegen, dass Elefanten sogar lernen, die menschliche Sprache soweit zu deuten, dass sie einschätzen können, inwieweit Gefahr von einer Gruppe von Menschen ausgeht.

Unsere gesamte Forschung im Amboseli-Nationalpark belegt, dass Elefantengesellschaften auf individuellen Beziehungen aufgebaut sind. Die Tiere erkennen sich gegenseitig und schätzen einander als Individuen. Und sie bauen lebenslang Freundschaften und soziale Beziehungen auf.

Ich habe viele solche Geschichten über das Wesen der Elefanten gehört und auch viele selbst erlebt. Sie berühren und inspirieren mich. Und manchmal machen die Geschichten mich auch einfach nur sprachlos.

Mark Deeble und seine Frau Vicky Stone sind Filmemacher und arbeiten derzeit im Tsavo-Nationalpark in Kenia an einem Dokumentarfilm über Elefanten. Nach Tee und Kuchen begannen wir, in unseren Abenteuern und Erlebnissen in der Wildnis zu schwelgen. Die Themen reichten von Wanderameisen bis zu Elefanten. Nach unserer Begegnung las ich regelmäßig Marks interessante Blogs.

Vor ein paar Monaten jedoch warf mich einer seiner Beiträge völlig aus der Bahn. Satao, ein Elefantenbulle, der vor knapp einem Monat im Tsavo-Nationalpark von Wilderern getötet wurde, ist der wohl berühmteste getötete Elefant der letzten zwei Jahre. Tragischerweise ist er nur einer von mindestens 50.000 Elefanten, die in diesem Zeitraum wegen ihres Elfenbeins getötet wurden.

Sataos Tod erregte internationale Medienaufmerksamkeit und löste weltweit Empörung aus. Doch der Teil seiner Geschichte, der mich am meisten berührte, war Ende März in Marks Blog zu lesen. Einige Monate, bevor Wilderer ihn nach zahlreichen vorangegangenen Versuchen töteten.

Mark beschreibt, wie er Satao dabei beobachtete, wie dieser sich einem Wasserloch näherte. Bedächtig schlängelte er sich durchs Gebüsch, das viel zu niedrig war, um seinen stattlichen Körper zu verbergen. Mark schrieb:

"Es war für mich ein absolutes Rätsel, warum er so vergeblich versuchte, seinen Körper zu verstecken, bis mir der Grund langsam klar wurde: Er wollte gar nicht seinen Körper verstecken, sondern seine Stoßzähne. Ich war zugleich unglaublich beeindruckt und unglaublich traurig. Beeindruckt, weil er versteht, dass seine Stoßzähne ihn in Gefahr bringen könnten, und unendlich traurig darüber, was das bedeutet."

Was das bedeutet: Dieser Elefant verstand nicht nur sich zu verstecken, sondern auch welches Körperteil er verstecken musste. Dass er so klug war, berührte mich sehr. Mark begegnete Satao mehrmals, bevor er getötet wurde. Und jedes Mal versuchte er, seine prächtigen Stoßzähne zu verbergen. Das war Sataos tragisches Schicksal. Nicht allein, dass er Wilderern zum Opfer fiel, sondern dass er zu Lebzeiten irgendwie wusste, welche Gefahr ihm drohte.

Auch wenn Elefanten eines natürlichen Todes sterben, kommen Menschen und nehmen sich die Stoßzähne. Sie schneiden das ganze Gesicht heraus, um sie von der Wurzel her entfernen zu können. Ich frage mich immer wieder, was in den anderen Familienmitgliedern der verstorbenen Elefanten vorgehen muss – besonders, wenn ich bei einem Kadaver Dung und Fußabdrücke vorfinde, die darauf hinweisen, dass andere Elefanten dort Wache gehalten haben.

Dieser schreckliche Gedanke verfolgt mich.

Unterstützen Sie deshalb den IFAW dabei, diese faszinierenden Tiere zu schützen.

Vicki Fishlock

Post a comment

Experten

Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Faye Cuevas, Esq., Vizepräsidentin
Vizepräsidentin
Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
Regionaldirektorin Asien
James Isiche, Regionaldirektor Ostafrika
Regionaldirektor Ostafrika
Jason Bell, IFAW Vizepräsident Natur- und Tierschutz
Vizepräsident Natur- und Tierschutz
Vivek Menon, IFAW Senior-Berater Strategische Partnerschaften
Senior-Berater für Strategische Partnerschaften und Philanthropie