Vorführung des Films "Sonic Sea" durch den IFAW: Unterwasserlärm erstmalig im Europäischen Parlament diskutiert (Brüssel)

Die Experten diskutieren mit Mitgliedern des Europaparlaments die Auswirkungen von Unterwasserlärm auf die Meere und beleuchten Möglichkeiten den zu verhindern bzw. zu vermindern..

Sonic Sea (von IFAW, NRDC und Imaginary Forces) ist ein preisgekrönter Dokumentarfilm, der die schädlichen Auswirkungen von Unterwasserlärm auf Meeressäuger verdeutlicht.

Der IFAW hat "Sonic Sea" bisher an den unterschiedlichsten Orten weltweit gezeigt, so auch in mehreren europäischen Städten. Die Aufführung dieses Films vor dem Europäischen Parlament am 26. Juni war besonders und entfaltet hoffentlich eine weitgehende Wirkung, da die Generaldirektion für Umwelt der Europäischen Kommission anwesend war. Hoffentlich wird dadurch die Umsetzung der wichtigen Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (Marine Strategy Framework Directive - MSFD)  vorangetrieben.

Vor 10 Jahren war sie mit dem Ziel erlassen worden, den "guten Umweltzustand" (GES) innerhalb der EU-Gewässer bis zum Jahr 2020 zu erreichen oder aufrechtzuerhalten. Der "gute Umweltzustand" wird anhand von der 11 Merkmalen, Deskriptoren, genannt, beschrieben. Unterwasserlärm ist Teil von zwei Unterpunkten (11.1.1 und 11.2.1) innerhalb von Deskriptor 11. Die EU-Mitgliedsstaaten sinf verpflichtet sicherzustellen, dass von Menschen verursachte Unterwasserlärm das Ökosystem der Meere nicht beeinträchtigt. Im Zusammenhang mit der MSFD sind konkretere Maßnahmen notwendig, um die Auswirkungen des von Menschen verursachten Unterwasserlärms auf die Biosphäre der Meere zu verringern. Beispielsweise wurden die Mitgliedsstaaten aufgefordert, einen Maßnahmenkatalog für jeden der vom MSFD gelisteten Deskriptoren zu erstellen. Diese Maßnahmenkataloge werden derzeit von der Europäischen Kommission analysiert, bevor sie in diesem Sommer in einem zusammenfassenden Bericht veröffentlicht werden.

Der Zeitpunkt für die Vorführung von unserem Film und die anschließende Podiumsdiskussion mit renommierten Experten war äußerst günstig, um dieses wichtige Thema mit der EU zu diskutieren. 

Die Podiumsteilnehmer Russell Leaper (IFAW-Wissenschaftler) und Nicolas Entrup (Aktivist bei der Agentur für Wertewandel "Shifting Values") waren sich einig, dass Unterwasserlärm das gesamte Ökosystem beeinträchtigt, und beide vermittelten einen umfassenden und vollständigen Überblick über die Auswirkungen des von Menschen verursachten Unterwasserlärms auf die Umwelt.

Russell Leaper bestätigte, dass die lautesten 15% der Schiffe mehr als 50% des gesamten Lärms in den Ozeanen verursachen und dass die Verringerung der Schiffsgeschwindigkeit nicht nur einen geringeren Treibstoffverbrauch der Schiffe zur Folge hätte, sondern dass sich die daraus resultierende erhebliche Reduzierung von Meereslärm positiv auf das Meeresökosystem auswirken würde.

Die Kommission ermutigt Mitgliedsstaaten, sich stärker in dieser Angelegenheit zu engagieren und die EU-Vorschriften vollständig umzusetzen. So wurde erklärt: “Wir sind noch nicht am Ziel” und es müssen “Anstrengungen auf allen Ebenen unternommen werden: regional, national mit Interessenvertretern und mit der Industrie“.

Kapitän und Umweltmanager Wolfram Guntermann der bekannten Reederei Hapag-Lloyd hielt den letzten Vortrag an diesem Abend. Hapag-Lloyd reduzierte den Lärmpegel seiner Flotte und ist damit Wegweisend für die Branche. Zudem beteiligt sich Hapag-Lloyd an Maßnahmen, um Kollisionen von Schiffen mit Walen zu vermeiden beispielsweise im Nordatlantik vor der Ostküste Amerikas, der Heimat des hochgradig vom Aussterben bedrohten Nördlichen Glattwales, sowie im Santa Barbara Kanal. Dadurch wird deutlich: wenn Reedereien bereit sind, ihre Schiffe zu modifizieren und nachzurüsten, bringt dies sowohl für ihre Flotte, als auch für das Meeresökosystem erhebliche Vorteile. 

Eine an der Veranstaltung teilnehmende Nichtregierungsorganisation wies darauf hin, dass Artikel 1.1 bereits eindeutige Maßnahmen enthält, die sofort ergriffen werden können, ohne dass dafür weiteres Wissen oder Forschung nötig wäre. "Wie stellen Sie sicher, dass Mitgliedsstaaten diese Richtlinie rechtzeitig umsetzen?" - die Abschlussbemerkungen des Europäischen Parlaments sind vielversprechend.  Wir sind zuversichtlich, dass diese Institution weitere Maßnahmen ergreifen wird, um Mitgliedsstaaten zu verstärktem Engagement zu ermutigen und sicherzustellen, dass die Frist 2020 eingehalten wird.

Klar ist, dass die Mitgliedsstaaten diesem Deskriptor mehr Beachtung schenken müssen als bisher.  So wurde während der Veranstaltung beispielsweise vorgeschlagen, die Lärmaufzeichnung als Steuerungsinstrument anstatt als Kontrollinstrument einzuführen. 

Die Frist 2020 ist bereits sehr nahe, doch sind wir von einer vollständigen Umsetzung noch sehr weit entfernt.

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Experten

Azzedine Downes, Präsident und CEO
Präsident und CEO
Beth Allgood, IFAW Länderdirektorin USA
Länderdirektorin USA
Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Cynthia Milburn, Senior-Beraterin Strategieentwicklung
Senior-Beraterin Strategieentwicklung
Dr. Joseph Okori, Regionaldirektor Südliches Afrika und Programmdirektor Natursc
Regionaldirektor Südliches Afrika und Programmdirektor Naturschutz
Faye Cuevas, Esq., Vizepräsidentin
Vizepräsidentin
Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
Regionaldirektorin Asien
Kelvin Alie, IFAW Vizepräsident Natur- und Tierschutz
Vizepräsident
Patrick Ramage, Programmdirektor Meeresschutz
Programmdirektor Meeresschutz
Rikkert Reijnen, Programmdirektor Wildtierkriminalität
Programmdirektor Wildtierkriminalität