Tschechien und Slowakei starten weltweite Initiative mit öffentlicher Verbrennung ihres Rhinozeros-Horns

In Südafrika haben wir in diesem Jahr schon 769 Nashörner verloren und nichts deutet darauf hin, dass die Wildereikrise bald unter Kontrolle ist. ©Zdenek Cermak / Zoo Dvur KraloveAm kommenden Sonntag, dem Vorabend des Welt-Nashorn-Tags, werde ich dabei sein, wenn im Zoo von Dvur Kralove vor den Augen des tschechischen Umweltministers Richard Brabec 70 Kilo beschlagnahmtes illegales Rhinozeros-Horn verbrannt werden.

Auch im Zoo von Bratislava in der Slowakei findet zur selben Zeit eine öffentliche Verbrennung von Rhinozeros-Horn statt. Beide Länder führen diese symbolische Aktion gemeinsam durch, um auf die akute Gefahr der Ausrottung der Nashörner aufmerksam zu machen. Doch es ist weitaus mehr als eine symbolische Geste.

Hochpreisige Wildtierprodukte von gefährdeten Arten zu verbrennen anstatt sie dauerhaft zu lagern, um aus ihnen später vielleicht noch Profit zu schlagen, ist ein höchst verantwortungsvoller Schritt:

  • Erstens demonstrieren die Besitzer von Rhinozeros-Horn damit, dass ihnen das langfristige Überleben der Art mehr wert ist als kurzfristiger Profit.
  • Zweitens macht es deutlich, dass es um lebende Tiere geht und nicht nur um Waren auf einem internationalen Markt.
  • Drittens werden die Wildtierprodukte so zu einem Instrument, mit dem wir zeigen, wie dringend Maßnahmen ergriffen werden müssen, um Nashörner vor dem Aussterben zu retten.

Ich werde in Dvur Kralove den IFAW vertreten, der die Zeremonie gemeinsam mit den tschechischen Behörden durchführt. Die Veranstaltung ist Teil einer weltweiten Initiative, die Verbraucher davon abhalten soll, Rhinozeros-Horn zu kaufen. Zoos und Schutzgebiete auf drei Kontinenten beteiligen sich an den Rhinozeros-Horn-Verbrennungen oder organisieren Veranstaltungen, mit denen sie die Aktion unterstützen.

  • Unter der Schirmherrschaft des tschechischen Umweltministers Richard Brabec findet am Sonntag, den 21. September 2014, um 11 Uhr – also einen Tag vor dem Welt-Nashorn-Tag –im Zoo von Dvur Kralove die größte Verbrennung von Rhinozeros-Horn statt. Unter Aufsicht des Zolls werden fast 70 Kilo Rhinozeros-Horn von Umweltschützer Tony Fitzjohn aus Tansania in Brand gesteckt.
  • CITES-Generalsekretär John Scanlon und der EU-Abgeordnete Pavel Poc (Ko-Autor der mit Unterstützung des IFAW entstandenen EU-Resolution für Wildtierhandel) werden ebenfalls neben mir auf dem Podium sitzen. Die Slowakei wird durch das Umweltministerium sowie die Zollabteilung des Finanzministeriums vertreten. Sie wird zur selben Zeit auch im staatlichen Zoo Bojnice beschlagnahmtes Rhinozeros-Horn verbrennen.
  • Schutzgebiete und Zoos auf der ganzen Welt haben angekündigt, zur selben Zeit ähnliche Aktionen im eigenen Land zu veranstalten, um auf die Bedrohung der Nashörner aufmerksam zu machen – so beispielsweise in Port Lympne (Großbritannien), Douné-la-Fontaine (Frankreich), Wroclaw (Polen), Tallinn (Estland), Bratislava (Slowakei) und Plzen (Tschechien). Einige verbrennen das Horn auch in Gedenken an die Nashörner, die Opfer der Wilderei wurden.
  • Das Schutzgebiet Ol Pejeta in Kenia, Ostafrikas größtes Schutzgebiet für das Spitzmaulnashorn, wird im Rahmen der Aktion für alle Nashörner, die durch Wilderer getötet wurden, einen Nashornfriedhof eröffnen.
  • In Asien werden die Wildtierschutzgebiete in Singapur eine einmonatige Aufklärungskampagne starten. Es wird eine Foto-Ausstellung über das Sumatra-Nashorn geben, ein öffentliches Seminar zum Thema "Bedrohung der Nashörner" und im Zoo von Singapur wird es einen Info-Stand geben. Hier wird aufgeklärt, dass Rhinozeros-Horn nichts anderes ist als Keratin (woraus auch menschliche Nägel und Haare bestehen) und dass es keinen medizinischen Nutzen hat. Am Stand werden die Besucher gebeten, ihre Fingernägel zu schneiden und damit das Versprechen abzugeben, dass sie keine Nashornprodukte kaufen oder anderweitig verwenden werden. Großartige Idee!

Wir hoffen, dass noch viele andere diesem Beispiel folgen werden, denn die Nashörner brauchen dringend unsere Hilfe. Die Wilderei und der Schmuggel mit Wildtierprodukten gefährdeter Arten haben in letzter Zeit nie dagewesene Ausmaße erreicht. Und Rhinozeros-Horn gehört zu den Wildtierprodukten mit dem höchsten Marktwert.

Als ob es nicht schon schlimm genug wäre, dass ganze Nashorn-Populationen von Wilderern ausgelöscht werden. Hinzu kommt auch noch, dass die Tiere oft auch noch auf qualvolle Weise sterben. Bilder von Nashörnern (und Elefanten), denen man bei lebendigem Leib das Gesicht mit Macheten oder Kettensägen abtrennt, rauben mir nachts den Schlaf.

Das Anliegen, das mit den Zeremonien deutlich gemacht wird, ist deshalb von höchster Dringlichkeit: Es müssen endlich weltweite Maßnahmen ergriffen werden, die den illegalen Handel mit Produkten bereits vom Aussterben bedrohter Arten für immer stoppen.

Der tschechischen Regierung, dem Zoo von Dvur Kralove und allen anderen Beteiligten gebührt größtes Lob dafür, dass sie sich in aller Öffentlichkeit so deutlich gegen die Nashorn-Wilderei aussprechen. In Südafrika haben wir dieses Jahr schon 769 Nashörner verloren. Und es deutet noch nichts darauf hin, dass die Wildereikrise bald unter Kontrolle ist.

Bedrohung aus Südafrika

Die Aktionen am Sonntag werden von der Ankündigung Südafrikas überschattet, bei der nächsten Konferenz des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) einen Antrag auf Legalisierung des Handels mit Rhinozeros-Horn zu stellen.

Welche Ironie, dass ausgerechnet das Land, das die meisten Nashörner weltweit beheimatet und zurzeit massiv unter der Wilderei leidet, den internationalen Handel mit Rhinozeros-Horn wieder einführen will.

Jason Bell, Leiter des IFAW-Büros Südliches Afrika, hat in seinem Blog Geht Südafrika wirklich so mit seinen Nashörnern um? vor kurzem einleuchtend erklärt, warum die Annahme, eine Legalisierung des Handels mit Rhinozeros-Horn könne Teil einer nachhaltigen Nutzungsstrategie sein, völlig widersinnig ist. An der Krise, in der sich die Nashörner derzeit befinden, ist nichts nachhaltig.

Selbst unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten sind die Argumente der südafrikanischen Regierung nicht haltbar. Experten haben in ihren Analysen nachgewiesen, dass die Business-Modelle südafrikanischer Ökonomen und lokaler Geschäftsleute nicht tragfähig sind.

In dem englischsprachigen IFAW Bericht Horn of Contention erfahren Sie mehr Details über die ökonomischen Auswirkungen des Handels mit gefährdeten Arten und speziell mit Rhinozeros-Horn.

Elfenbeinvernichtungen

Die bevorstehende Verbrennung folgt dem Vorbild einiger Aktionen, die in jüngster Zeit auf der ganzen Welt stattgefunden haben. Verschiedene Staaten haben mit der öffentlichen Vernichtung ihrer Lagerbestände an Wildtierprodukten ein Zeichen gesetzt. Mehr auch unter Belgien vernichtet Elfenbein als Antwort auf die weltweite Elefantenkrise.

Die jetzt gestartete Initiative führt den Impuls fort, den die Elfenbeinvernichtungen gesetzt haben, und trägt dazu bei, eine bessere Welt für Tiere und Menschen zu schaffen.

Der IFAW unterstützt diese Entwicklung und ruft alle Länder, die im Besitz von Rhinozeros-Horn oder anderen illegalen Wildtierprodukten gefährdeter Arten sind, dazu auf, ihre Lagerbestände zu vernichten. Wir müssen der Welt zeigen, dass im 21. Jahrhundert der Schutz der Wildtiere zeitgemäß ist und nicht der Handel mit ihnen.

Peter Pueschel

Erfahren Sie mehr darüber, was der IFAW tut, um Wildtiere vor Wilderei und illegalem Handel zu schützen.

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Experten

Azzedine Downes, Präsident und CEO
Präsident und CEO
Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Dr. Elsayed Ahmed Mohamed, Regionaldirektor Mittlerer Osten
Regionaldirektor Mittlerer Osten
Dr. Joseph Okori, Regionaldirektor Südliches Afrika und Programmdirektor Natursc
Regionaldirektor Südliches Afrika und Programmdirektor Naturschutz
Dr. Maria (Masha) N. Vorontsova, Regionaldirektorin Russland und GUS
Regionaldirektorin Russland und GUS
Faye Cuevas, Esq., Vizepräsidentin
Vizepräsidentin
Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
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Kelvin Alie, IFAW Vizepräsident Natur- und Tierschutz
Vizepräsident
Rikkert Reijnen, Programmdirektor Wildtierkriminalität
Programmdirektor Wildtierkriminalität
Robert Kless, Leiter IFAW Deutschland
Leiter IFAW Deutschland
Staci McLennan, Regionaldirektorin Europäische Union
Staci McLennan, Regionaldirektorin Europäische Union
Tania McCrea-Steele, Leiterin der Kampagne gegen illegalen Online-Wildtierhandel
Leiterin der Kampagne gegen illegalen Online-Wildtierhandel, IFAW Großbritannien
Vivek Menon, IFAW Senior-Berater Strategische Partnerschaften
Senior-Berater für Strategische Partnerschaften und Philanthropie