Tierrettung nach „Katrina“: Welche Erlebnisse haben uns geprägt?

Der IFAW half bei der Rettung, der Versorgung und dem Transport von mindestens 7.000 Tieren nach Hurrikan „Katrina“.

Vor zehn Jahren leitete ich beim IFAW den Tierrettungseinsatz, nachdem Hurrikan „Katrina“ die Küste Louisianas erreicht hatte.

Eigentlich sollte ich all die Statistiken kennen, die darstellen, wie viele Tiere betroffen waren und wie viele tausend Opfer der IFAW rettete. Ich sollte genau erklären können, was damals geschah, wer dabei war und was wir in diesen tragischen Tagen taten, um die Tiere zu retten.

Doch ich kann es nicht. Für mich und alle anderen, die dabei waren, sind die Tage und Wochen nach Hurrikan „Katrina“ zu einer Mischung aus schlimmen Erlebnissen und kleinen Erfolgen verschmolzen:

  • Ich erinnere mich an die Anrufe der aufgewühlten Besatzungsmitglieder der Rettungsboote, die sich knapp außerhalb der Stadt aufhielten und bereit zum Einsatz waren. Doch sie wurden zurückgehalten, weil der Rettung der Tiere keine hohe Priorität beigemessen wurde.
  • Ich erinnere mich an die Lichter der vielen Rettungsfahrzeuge, die jeden Abend darauf warteten, Hunderte ausgemergelter, erschöpfter Tiere abzuladen.
  • Ich erinnere mich an die Hitze. Das Chaos. Die Verwirrung.
  • Es war jedes Mal eine Erleichterung, wenn sich ein Laster mit geretteten Tieren in Richtung ihres neuen Zuhauses in Bewegung setzte.

Insbesondere erinnere ich mich auch an eine Frau, die meine Sichtweise auf die Dinge dauerhaft verändert hat.

Sie hatte alles in den Fluten verloren: ihr Zuhause, ihre Kleidung. Sie hatte keine Möglichkeit, ihre Tiere unterzubringen, und nichts, um sie zu füttern.

Als ich ihr erklärte, dass der IFAW helfen könne, leuchteten ihre Augen auf. Zum ersten Mal lächelte sie ein wenig. Ich lächelte zurück. Natürlich würden wir helfen. Doch dann verdunkelte sich ihr Gesicht sofort wieder. Ihr Blick zeigte mir, wie unglaublich stark sie war – aber auch, wie nah sie vor einem Zusammenbruch stand.

„Wir haben alles verloren. Uns ist nichts geblieben außer unseren Tieren. Ich habe zig Versprechen gehört, aber alle anderen haben uns im Stich gelassen. Warum sollte es bei Ihnen anders sein?“, fragte sie mich.

Ihr Blick und die Kraft ihrer ruhigen Stimme ließen mich innehalten und führten mir vor Augen, welch enorme Verantwortung wir hatten.

Ich war an zahllosen Tierrettungen beteiligt gewesen und hatte Laster um Laster voller Katzen, Hunde, Ziegen und Schweine in Sicherheit gebracht. Ich hatte Seite an Seite mit einigen der besten Tierretter weltweit gearbeitet.

Inzwischen ist mir klar, dass es eine Mischung aus Anspannung und Erschöpfung gewesen war, die mich damals weitermachen ließ. All die schrecklichen Bilder um mich verdrängte ich in dieser Zeit, indem ich mich ausschließlich darauf konzentrierte, Dinge zu bewegen.

Rund 250.000 Tiere verloren ihr Zuhause oder sogar ihr Leben durch „Katrina“. Doch mindestens 1.200 Tiere fanden Zuflucht im Tierheim der Louisiana State University, das der IFAW unterstützte.Ich hatte 15 Jahre meines Lebens darauf verwendet, für Tiere in aller Welt zu kämpfen. Ich hatte Tiere in Katastrophengebieten gerettet. Ich hatte mich Robbenjägern in den Weg gestellt, mich mit Hundefleischhändlern angelegt und korrupte Politiker an den Pranger gestellt. Doch die Frage der Frau erinnerte mich daran, dass ich nur Teil eines kleinen Teams war, das zum IFAW gehört, der wiederum nur ein Teil einer großen Bewegung ist, die von Millionen warmherzigen Menschen in aller Welt getragen wird. Mir zu trauen reichte nicht. Uns zu trauen dagegen schon.

Training von Rettungskräften während des diesjährigen Ausbildungscamps„Katrina“ überforderte die offiziellen Stellen, aber die Ereignisse halfen auch, neue Standards für eine bessere Zusammenarbeit zu setzen und uns auf ein gemeinsames Ziel zu konzentrieren.

„Katrina“ zeigte uns auf, an welchen Stellen wir unsere Arbeitsweise noch verbessern konnten. Gleichzeitig gab „Katrina“ den Anstoß für neue Wege der Zusammenarbeit bei Katastrophen: Dank der Bildung weltweiter Netzwerke können wir inzwischen bei Katastropheneinsätzen viel mehr Tiere retten als zuvor.

Rund 250.000 Tiere verloren ihr Zuhause oder sogar ihr Leben durch „Katrina“. Doch mindestens 1.200 Tiere fanden Zuflucht im Tierheim der Louisiana State University, das der IFAW unterstützte. Und zig tausend weitere konnten in Tierheimen der gesamten Region untergebracht werden.

A.J. Cady

Erfahren Sie mehr darüber, wie der IFAW Tieren nach Katastrophen hilft.

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Experten

Kampagnenberater
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Brian Sharp, Leiter Rettungseinsätze, Einsatzkoordinator für Strandungen
Leiter Rettungseinsätze, Einsatzkoordinator für Strandungen
Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Katie Moore, Leiterin Marine Mammal Rescue and Research
Programmdirektorin Tierrettung
Shannon Walajtys, Leiterin IFAW Katastrophenhilfe
Leiterin des Bereichs Katastrophenhilfe
Vivek Menon, IFAW Senior-Berater Strategische Partnerschaften
Senior-Berater für Strategische Partnerschaften und Philanthropie