Schutz für Yellowstone Grizzlys darf nicht aufgehoben werden

Eine Aufhebung des Schutzes für Grizzlybären wäre voreilig, auch wenn sie nicht mehr vom Aussterben bedroht sind. FOTO: © IFAW/S. Cook

Die US-Naturschutzbehörde US Fish and Wildlife Service gab jetzt bekannt, den Schutz für Grizzlybären im Yellowstone-Nationalpark unter dem US-Artenschutzgesetz aufheben zu wollen. In der Tat hat sich die Grizzlybären-Population sehr gut erholt, seit sie 1975 zum ersten Mal durch das Artenschutzgesetz unter Schutz gestellt wurde. Dennoch erachten wir diesen Schritt als voreilig und fürchten, dass er zu erneutem Populationsrückgang führen könnte.

Der früher im Westen der USA sehr stark verbreitete Grizzly hatte aufgrund von (oft staatlich finanzierter) Jagd, Lebensraumverlust und Verlust von Beutetieren und anderen Nahrungsquellen in allen Kernstaaten der USA starke Populationsverluste erlitten. Zu dem Zeitpunkt, als man ihn unter Schutz stellte, kam der Grizzly nur noch auf zwei Prozent seines Verbreitungsgebiets südlich von Kanada vor. Die Population bestand nur noch aus etwa 800 Bären. Im Yellowstone Ökosystem, wozu auch Nordwest-Wyoming, Südwest-Montana und Ost-Idaho sowie zwei Nationalparks (Yellowstone und Grand Teton) gehören, gab es weniger als 200 Bären.

Als Spitzenräuber nehmen Grizzlys in der Nahrungspyramide einen hohen Platz ein, das heißt, sie haben eine zentrale Funktion im Ökosystem. Genau wie Wölfe sorgen Grizzlys beispielsweise für ausgewogene Populationen von Pflanzenfressern und verhindern dadurch Überweidung. Die Bären sind natürlich auch für den lokalen Ökotourismus von erheblicher Bedeutung, eine wichtige Einnahmequelle für lokale Gemeinden und den Staat. Aus aller Welt kommen Besucher in die Nationalparks, um einmal einen wilden Grizzly zu Gesicht zu bekommen.

Seit dem Schutz durch das US-Artenschutzgesetz vor 42 Jahren ist die Population in den US-Kernstaaten auf etwa 1.500 Tiere angewachsen. Im Yellowstone Ökosystem leben heute 700 Bären, der Lebensraum hat sich gleichzeitig mehr als verdoppelt. Dieser Erfolg wäre ohne den Schutz durch das Artenschutzgesetz nie möglich gewesen. Es wurden finanzielle Mittel freigesetzt und Maßnahmen zur Wiederherstellung des Lebensraums getroffen. Die Yellowstone Grizzlys sind neben den Weißkopfseeadlern und den Buckwalen eine der Erfolgsstorys, die dank dem US-Artenschutzgesetz möglich waren.

Eine Aufhebung des Schutzes für Grizzlybären wäre jedoch voreilig, auch wenn sie nicht mehr unmittelbar vom Aussterben bedroht sind.

2007 versuchte die Bush-Regierung den gesetzlichen Schutz für Grizzlys aufzuheben. Sie erklärte die Population als wiederhergestellt und stabil. In einem durch die Greater Yellowstone Coalition angestrengt Verfahren stellte das Berufungsgericht fest, dass die Naturschutzbehörde nicht den erheblichen Rückgang des Bestands von Weymouthskiefern berücksichtig hatte. Die Weymouthskiefer ist eine wichtige Nahrungspflanze für Grizzlys. Der Bestand dieser Kiefernart ist aufgrund von Befall durch den Bergkiefernkäfer stark dezimiert worden. Der Grizzlybär ist ein Allesfresser und eine wichtige Nahrungsquelle war somit stark reduziert worden. Angesichts der Auswirkungen des Klimawandels in Kombination mit Kiefernkäfern und anderen invasiven Arten muss man mit einem weiteren Rückgang des Bestands der Weymouthskiefern rechnen.

Ist die Population der Yellostone Grizzlys wirklich so stabil, wie die Naturschutzbehörde behauptet? Oder macht der weitere Bestandsverlust einer Hauptnahrungsquelle der Art alle Schutzmaßnahmen der letzten Jahre hinfällig?

Die Naturschutzbehörde erbittet Stellungnahmen aus der US-Bevölkerung, die ihre Entscheidungsfindung unterstützen. US-Bürger können derzeit im Federal Register eine Stellungnahme abgeben. Solange viele Fragen ungeklärt sind, ist es für eine Aufhebung des Schutzes viel zu früh. Es würde dazu führen, dass Bundesstaaten die Trophäenjagd wieder genehmigen und Bären außerhalb der Parkgrenzen gejagt werden (Bären haben einen großen Bewegungsradius und halten sich nicht nur innerhalb der Nationalparkgrenzen auf). Die Yellowstone Grizzlys müssen ihren Schutzstatus behalten, damit ihre Population stabil und das Ökosystem gesund bleibt.

Mark Hofberg

Erfahren Sie mehr über die Arbeit des IFAW zum Schutz bedrohter Arten.

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