Legaler Handel mit Nashorn-Horn ist keine Lösung für die Arterhaltung

Ein Breitmaulnashorn in der Savanne Kenias.

Ende Juni kündigte der südafrikanische Nashorn-Züchter John Hume an, dass er im August 2017 einen Teil seines Lagerbestandes an Rhinozeros-Horn in einer legalen, weltweiten Online-Auktion verkaufen wird. Es wird angenommen, dass der Nashorn-Farmer derzeit mehr als 1.500 Tiere besitzt, deren Hörner er „erntet“. Hume lässt sie rund um die Uhr bewachen.

Wie der Guardian berichtete, leben in Südafrika fast 20.000 Nashörner, eine Anzahl, die 80 Prozent der afrikanischen Population ausmacht. 2016 töteten Wilderer in Südafrika 1.054 Nashörner.

Obwohl Humes Ziel die Arterhaltung ist und „weiter in die Zucht und den Schutz der Nashörner zu  investieren“, ist dieser Verkauf kurzsichtig gedacht und potenziell gefährlich für die Spezies.

Die Nachfrage nach Rhinozeros-Horn ist so groß, dass das Java-Nashorn in Indonesien seit Oktober 2011 vom Aussterben bedroht ist. Nur noch 60 Java-Nashörner leben im indonesischen Ujung-Kulon-Nationalpark. Das Sumatra-Nashorn ist mit nur 220 bis 275 in der Wildnis lebenden Tieren ebenfalls nahezu ausgestorben

Gleichgesinnte Humes argumentieren, dass ein legaler Handel die Preise senken und der Wilderei damit der Anreiz genommen werden würde, dass Arbeitsplätze geschaffen werden und der Profit letztlich dem Nashorn-Schutz zugutekommen würde. Sie erklären zudem, dass legal angebotenes Horn durch einen Transponder und eine registrierte DNA-Signatur zurückverfolgt werden könnte – obwohl es unklar ist, ob dies überhaupt zur Umsetzung kommt.

Der internationale Handel mit Rhinozeros-Horn wurde 1977 durch das Artenschutzübereinkommen CITES verboten. In Südafrika wurde der nationale Handel 2009 verboten. Doch die Wilderei nahm zu. Leider ist das nationale Verbot in der Zwischenzeit wieder aufgehoben worden, so dass Hume die Auktion durchführen kann.

Hume argumentiert, dass das Bedienen der Nachfrage nach Rhinozeros-Horn die einzige Möglichkeit sei, Wilderei einzudämmen und die Spezies zu retten. Bei einem geschätzten Lagerbestand von sechs Tonnen plant Hume, den Auktionserlös von einer halben Tonne für die Sicherheit seiner Nashörner zu verwenden, deren Schutz ihn mehr als 170.000 Dollar pro Monat kostet.

Das Problem an Humes Entscheidung, Nashorn-Horn zu versteigern, ist, dass der Eintritt eines Lagerbestandes in den Markt das Horn als akzeptable Ware legitimieren würde. So ist der Verkauf von Horn in Südafrika zwar legal, doch wird die Auktion bereits auf dem chinesischen und dem vietnamesischen Markt beworben – den größten Märkten für illegales Rhinozeros-Horn.

Kommt es zu dieser Rhinozeros-Horn-Auktion, wird das Abschneiden der Hörner und die Aufhebung des Handelsverbots die Wilderei von ihrem Stigma befreien und dadurch die Nachfrage gesteigert und für legitim erklärt. Es gibt keinen Beweis dafür, dass ein legalisierter Handel so kontrolliert werden kann, dass das Einschleusen von illegalen „Bluthörnern“ in den Markt verhindert würde. Versuche, den Elfenbein-Verkauf zu legalisieren, in der Hoffnung, die Elefanten-Wilderei zu verringern, sind restlos gescheitert.

So gibt es gibt keinen Grund zu der Annahme, dass legale Nashorn-Horn-Verkäufe die Wilderei eindämmen würden. Noch dazu würde das gleichzeitige Vorhandensein eines legalen und eines illegalen Marktes die Wildtierschutzarbeit von Zollbeamten und den Strafverfolgungsbehörden erschweren und die Verbraucher verwirren.

„Es gibt keine Beweise dafür, dass kontrollierte Verkäufe von Lagerbeständen die Wilderei eindämmen“, sagt Neil Greenwood, Kampagnenleiter für das südliche Afrika. „Im Gegenteil, sie werden durch ökonomische Gier angeheizt und stellen eine zusätzliche Belastung für die Vollzugs- und Naturschutzbehörden dar, die es ohnehin schwer haben, die Nashorn-Wilderei in Südafrika in Schach zu halten.“

Nashörner unnötigerweise den Gefahren eines Narkosemittels auszusetzen und ihr prächtiges und einzigartiges Aussehen zu zerstören, indem man ihnen das Horn abschneidet, um Wilderer abzuhalten, ist kurzsichtig gedacht und offen gesagt nachlässig gehandelt.

Nashörner benutzen ihre Hörner, um ihre Territorien zu verteidigen, ihre Kälber vor anderen Nashörnern und Raubtieren zu schützen, und für die Nahrungssuche: Sie graben damit nach Wasser und brechen Äste. Hierbei geht es nicht nur um die Frage der Wilderei, sondern um die der Lebensqualität – auch für die Tiere von Hume.

Joseph Okori

Lesen Sie mehr über die Arbeit des IFAW im Kampf gegen Wilderei und illegalen Wildtierhandel.

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