Kanada lehnt "wissenschaftliche" Robbenjagd in Naturschutzgebiet ab

Kanadische Medien berichteten, dass Robbenjäger schon seit mindestens drei Jahren auf Brion Island völlig unbehelligt illegal Robben gewildert hätten.Die kanadische Provinz Quebec hat einen Antrag auf Massentötung von 1.200 Kegelrobben unter dem Vorwand der "wissenschaftlichen Forschung" im Naturschutzgebiet Brion Island abgelehnt.

Kanadische Medien berichteten, dass Robbenjäger schon seit mindestens drei Jahren auf Brion Island völlig unbehelligt illegal Robben gewildert hätten. Das Gebiet steht seit 1984 unter Naturschutz. Seither nutzen viele Kegelrobben das Areal, um ihre Jungen zur Welt zu bringen und aufzuziehen. Aber auch die Robbenjäger haben das Gebiet für sich entdeckt und betreiben Lobbyarbeit, um dort kommerziell Robben jagen zu dürfen.

Glücklicherweise wurde ein neuer Antrag, der die Robbentötung zu Forschungszwecken "zum Zweck der Gesundheitsanalyse der Kegelrobbenpopulation" auf Brion Island erlauben sollte, vom Fischerei- und Umweltministerium in Quebec abgelehnt. Dr. Pierre-Yves Daoust, ein auf Wildtiere spezialisierter Tiermediziner und Pathologe am Atlantic Veterinary College, hatte den Antrag gestellt, nachdem er die Tötung von Robben zuvor wissenschaftlich untersucht hatte.

Neben der Analyse der Kadaver wollte Daoust mit seinem Forschungsteam bestimmen, "ob Fleisch und Öl eine ausreichende Qualität aufweisen, um kommerziell vertrieben zu werden, sofern einer kommerziellen Robbenjagd stattgegeben würde". Die Begründung für diese Untersuchung ist jedoch von Grund auf nicht schlüssig, denn in den Atlantischen Provinzen ist kommerzielle Robbenjagd bereits erlaubt - mit einer Fangquote von 60.000 Tieren.

Seit Jahrzehnten versucht Kanada schon vergeblich, seine Kegelrobbenprodukte zu vermarkten. Wenn jetzt in Frage gestellt würde, ob Fleisch und Öl der Tiere für den menschlichen Konsum hochwertig genug sind, würde das auch auf alle anderen Robben zutreffen und nicht nur auf die von Brion Island. Nach den Untersuchungen wollen die Forscher die Kadaver einer industriellen Verwertung zukommen lassen, um Felle, Fett und Fleisch zu verkaufen.

Abgesehen davon, dass es kaum Absatzmärkte für Kegelrobbenprodukte gibt, erinnert die Argumentation sehr an Japan, das vorgibt, Wale zu "wissenschaftlichen Forschungszwecken" zu jagen. Japan setzte sich vergangenes Jahr unter dem Vorwand einer wissenschaftlichen Untersuchung zum Walschutz über internationale Bestimmungen hinweg und tötete 333 Zwergwale in der Antarktis. Kritiker des japanischen Walfangs weisen schon lange darauf hin, dass die angebliche Walforschung nur ein Deckmantel für kommerziellen Walfang sei und man für die Forschung genauso gut nicht-tödliche Methoden anwenden könne.

Die Beantragung eines Forschungsprojekts als Vorwand für die illegale, profitorientierte Jagd in einem Naturschutzgebiet und die fadenscheinige Behauptung, diese Jagd diene der "nachhaltigen Entwicklung", sind ein Witz. Wir müssen keine Tiere töten, um ihren Gesundheitszustand zu erforschen.

Egal ob Robben, Wale oder Elefanten: Wilderei ist eine Straftat, die ernst genommen werden muss.

Wir freuen uns daher, dass das Fischerei- und Umweltministerium von Quebec das Täuschungsmanöver als das entlarvt hat, was es ist: der Versuch, die Tötung von Robben zu kommerziellen Zwecken in einem Schutzgebiet unter dem Deckmantel der "wissenschaftlichen Forschung" zu rechtfertigen und illegale Wilderei in einem Naturschutzgebiet zu legitimieren.

Die Befürworter der Robbenjagd haben angekündigt, die Entscheidung anzufechten. Sie suchen jetzt nach einem anderen Weg, um die Massentötung von Robben im Naturschutzgebiet zu rechtfertigen.

Wir rufen die Provinz Quebec auf, nicht länger wegzuschauen und hart gegen die Robbenwilderer auf Brion Island durchzugreifen. Naturschutzgebiete sind wichtige Rückzugsorte für Robben und andere Wildtiere. Sie dürfen auf keinen Fall von Menschen missbraucht werden, die mit dem Töten von Tieren Profit machen wollen.

Sheryl Fink

Erfahren Sie mehr über die Arbeit des IFAW zum Schutz der Robben.

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Experten

Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Rikkert Reijnen, Programmdirektor Wildtierkriminalität
Programmdirektor Wildtierkriminalität
Sheryl Fink, Direktorin Wildtier-Kampagnen, IFAW Kanada
Direktorin Wildtier-Kampagnen, IFAW Kanada
Sonja Van Tichelen, Vizepräsident für internationale Koordination
Vizepräsident für internationale Koordination
Staci McLennan, Regionaldirektorin Europäische Union
Staci McLennan, Regionaldirektorin Europäische Union