Die Solowezki-Inseln: Ein besonderer Ort für Belugawale

Belugas

Die Solowezki-Inseln im Weißen Meer sind ein wichtiger Ort für Belugawale. Jedes Jahr im Sommer versammeln sie sich in einem kleinen Gebiet vor der dortigen Küste. Doch selbst für erfahrene Walforscher ist es schwierig, diese Tiere geräuschlos zu beobachten, da sie ganz plötzlich an der Wasseroberfläche auftauchen.

Vera, eine erfahrene Forscherin und Leiterin unserer diesjährigen Expedition, schrie vor Freude als sie einen männlichen Wal entdeckte, den sie bereits seit zehn Jahren beobachtet. Sie erkannte ihn an einer auffälligen Einkerbung am Rücken sowie einer markanten Narbe an der Seite.

Warum die Wale genau an diesen Ort kommen und was sie hier tun, wird seit etwa zwanzig Jahren von einem Team von IFAW Mitarbeitern aus dem Shirshov-Institut für Ozeanologie der Russischen Akademie der Wissenschaften untersucht.

In diesen Jahren haben wir sehr viel über das Verhalten der Belugawale gelernt.  Es scheint, sie kommen von überall her, um sich hier jedes Mal bei Ebbe zu treffen. Viele kommen mit ihren frisch geborenen Kälbern, die noch Geburtsfalten von der Zeit in der Gebärmutter aufweisen.

Sicher dient die Zusammenkunft auch der Paarung. Doch einige Tiere scheinen einfach das Beisammensein zu genießen.

Vera sagte uns, dass einige Belugas den gesamten Sommer über bleiben, während andere wieder fortschwimmen. Den ganzen Tag kommen Gruppen von Belugas an, treffen sich und verschwinden wieder. Sie treffen sich im flachen Wasser, reiben sich an Steinen auf dem Meeresboden und verbringen Zeit miteinander.

Belugawale werden grau geboren und nehmen in den ersten Lebenswochen eine dunklere Farbe an, um anschließend immer heller zu werden, bis sie als ausgewachsene Tiere mit etwa sieben Jahren schneeweiß sind. Die erwachsenen Tiere sind etwa fünf Meter lang und können mehr als 1.500 Kilo wiegen. Sie haben Zähne, fressen Fisch und verfügen über ein sehr bewegliches Halsgelenk, mit dem sie ihren Kopf weitaus besser bewegen können als andere Wale. Dadurch können sie ihren Kopf nach uns umdrehen, während sie ihre berühmten Sprünge aus dem Wasser heraus vollführen.

Belugas sind zudem sehr stimmgewaltig und geben unter Wasser vielfältige Klicklaute und Pfeiftöne von sich, weshalb sie den Beinamen "Kanarienvögel des Meeres" tragen.

Die Solowezki-Inseln befinden sich im Polargebiet, wo die Sonne in den kurzen arktischen Sommern rund um die Uhr scheint. Neben dem kleinen Forscherteam kommen auch immer mehr Touristen, um sich am Anblick der vielen weißen Wale so nah an der Küste zu erfreuen.

Touristen, die sich an der Küste aufhalten, stören die Wale nicht. Doch immer mehr Menschen kommen in kleinen Booten. Und wenn die Wale sich zwischen Küste und Booten eingekesselt fühlen, ziehen sie sich schnell zurück.

Die Solowezki-Inseln gehören zwar zum UNESCO-Weltkulturerbe, sind jedoch nicht als kombiniertes Kultur- und Naturerbe deklariert. Somit besteht nur ein geringer formeller Schutz für dieses einzigartige, verletzliche Ökosystem beziehungsweise für die Belugas und ihren Versammlungsort.

Der IFAW setzt sich dafür ein, die Inseln zum offiziellen Schutzgebiet zu erklären. Zudem  arbeiten wir  mit lokalen Reiseveranstaltern und Whale-Watching-Anbietern zusammen, um freiwillige Selbstbeschränkungen zu vereinbaren, die Umweltschäden durch ständig steigende Besucherzahlen verhindern sollen.

Das Solowezki-Archipel ist ein einzigartiges Kultur- und Naturerbe. Hoffen wir, dass wir Menschen klug genug sind, diese Inseln für uns  und für die Belugawale zu erhalten.

Ian Robinson

Erfahren Sie mehr über die Arbeit des IFAW zum Schutz der Wale.

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Experten

Azzedine Downes, Präsident und CEO
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Beth Allgood, IFAW Länderdirektorin USA
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Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Cynthia Milburn, Senior-Beraterin Strategieentwicklung
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Faye Cuevas, Esq., Vizepräsidentin
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Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
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Kelvin Alie, IFAW Vizepräsident Natur- und Tierschutz
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Patrick Ramage, Programmdirektor Meeresschutz
Programmdirektor Meeresschutz
Rikkert Reijnen, Programmdirektor Wildtierkriminalität
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