Bosnien: harmonisches Miteinander von Menschen und Hunden

Bosnien: harmonisches Miteinander von Menschen und HundenIch erkannte die schwarz-braune Hündin sofort wieder, obwohl sie sich stark verändert hat seit meinem letzten Besuch: Sie ist viel weniger ängstlich und war damals nur Haut und Knochen. Sie lebt auch zwei Jahre später noch in Lopare, der ersten Gemeinde in Bosnien, die unseren humanitärer Plan zur Lösung der Streunerhundprobleme umgesetzt hat.

Man sieht der Hündin an, dass sie gut versorgt ist. Doch ihre Veränderung steht auch für etwas anderes sehr Wichtiges: Die Menschen in Lopare haben ihre Einstellung gegenüber Straßenhunden verändert.

Als ich die Hündin Dalina zum ersten Mal sah, säugte sie ihre Welpen auf einer Baustelle. Natürlich gab es auch damals schon Menschen, die sich um sie kümmerten – wie zum Beispiel Nadja, eine engagierte Frau, die sie uns zum Sterilisieren brachte.

Doch bevor wir in Lopare mit unserem Projekt begannen, wurden tierliebe Menschen oft verspottet. In einem Land, das sich noch immer vom Bürgerkrieg in den 1990ern erholt, werden Hunde oft als Bedrohung empfunden, die es zu beseitigen gilt.

Aus Erfahrung wissen wir, dass viele Schwierigkeiten in einer Gemeinde gleichzeitig gelöst werden können, wenn die Menschen ihre Probleme mit Straßenhunden angehen.

Die Arbeit des IFAW in Lopare begann vor zwei Jahren: Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) bat uns um Hilfe bei der Lösung von Sicherheitsproblemen in der bosnischen Bevölkerung. Viele bosnische Gemeinden hatten zum Erstaunen der UNDP Streunerhunde als eine der größten Bedrohungen für ihre Sicherheit angeführt.

Menschen waren gebissen worden, sie hatten Angst vor Tollwut und Hunderudeln. Damals hatten wir gerade mit einem neuen Straßenhunde-Projekt in Chile begonnen. Wir glaubten, dass die dortige Herangehensweise auch in Bosnien funktionieren könnte.

Erster Fürsprecher für unser Projekt in Lopare war der Bürgermeister Dr. Rado Savić. Er verstand sofort den Zusammenhang zwischen dem Wohlergehen von Menschen und Tieren. Und er war der erste, der seinen Hund zum Kastrieren zum örtlichen Tierarzt Zoran Jokić brachte.

Als wir mit unserem Entwicklungsprogramm begannen, bekamen die Straßenhunde von Lopare nach und nach immer mehr Verbündete – bis schließlich die gesamte Gemeinde darin einig war, dass glückliche Hunde auch für eine gesunde, glückliche Gemeinschaft unter den Menschen sorgen.

Unser humanitärer Plan zur Lösung der Streunerhundprobleme bringt im ersten Schritt alle Beteiligten an einen Tisch, um unterschiedliche Sichtweisen auszutauschen.

Im Laufe des Workshops beginnen die Teilnehmer häufig von ganz alleine, zu erkennen, wie sehr ihre eigenen Probleme zum Straßenhundeproblem beitragen.

Dieses Verständnis ist jedoch nur der erste Schritt: Im Rahmen weiterer Workshops und Faktensammlungen erstellen die Beteiligten eine Prioritätenliste, um daraus einen Entwicklungsplan abzuleiten.

Die Zusammenarbeit bei der Lösung des Streunerhundeproblems hat sogar dazu beigetragen, noch aus Kriegszeiten resultierende Feindseligkeiten der Beteiligten zu beseitigen.

In Lopare war eines unserer Hauptanliegen, die Gesundheit der Hunde (sowohl solcher mit wie auch jener ohne Besitzer) zu verbessern. Wir trainierten Mitarbeiter der örtlichen Feuerwehr. Außerdem versorgten wir die Grundschule mit Lehrmaterial, das inzwischen Teil des Biologie-, Umweltschutz- und des Politikunterrichts ist. Darüber hinaus schafften wir einen Anhänger für den Transport von Hunden an.

Zudem haben wir die tiermedizinische Klinik mit modernen Instrumenten zur Sterilisation sowie neuen Zwingern aus rostfreiem Stahl für die Aufwachzeit nach Operationen versorgt. Wir wussten, wie dringend die Klinik die Ausrüstung gebrauchen konnte, und freuten umso mehr, als Tierarzt Zoran Jokić uns eine Führung durch die neu eingerichtete Klinik gab. 

Mit vor Freude glänzenden Augen führte er uns durch die Klinik. Sie ist in einem perfekten Zustand und leuchtendgrüne Wände beruhigen auch den nervösesten Hund samt Besitzer und heißen Mensch und Tier freundlich willkommen.Wir freuten uns sehr, als Tierarzt Zoran Jokić uns eine Führung durch die neu eingerichtete Klinik gab.

Die Tierarztklinik diente auch als Veranstaltungsort für einen Festakt anlässlich der Umsetzung des Entwicklungsplans in Lopare. Journalisten aus dem ganzen Land waren angereist. Bürgermeister Rado Savić, UNDP-Botschafterin Amela Cosovic-Medic und unsere IFAW Kollegin Kate Atema leiteten die Veranstaltung, bei der unter anderem auch die Teilnehmer der Workshops ihre Abschlusszertifikate erhielten.

Laut Bürgermeister Savić ist dies das erfolgreichste Entwicklungsprogramm, seit Ende des Bürgerkriegs 1995. Doch der Erfolg wäre ohne den Einsatz der Beteiligten vor Ort nicht möglich gewesen. An diesem sonnigen Märztag war die Freude über den Erfolg spürbar – als Menschen aus ganz unterschiedlichen Lebensbereichen zusammenkamen, um ihre neue Beziehung zu ihren Straßenhunden zu feiern.

Als wir nach der Feier auf dem Weg zurück nach Sarajevo waren, fühlte ich eine seltsame Mischung aus Traurigkeit, Bewunderung und Erleichterung. Traurigkeit darüber, dass es einer unserer letzten Besuche in Lopare war – auch wenn ich in einem Jahr noch einmal wiederkommen werde, um den Erfolg des Projekts zu dokumentieren und den Plan gemeinsam mit den Menschen dort weiterzuentwickeln. Bewunderung für die Entschlossenheit, mit der die Gemeinschaft ihr Streunerhundeproblem auf humane Art und Weise angegangen ist. Und Erleichterung und Optimismus weil ich weiß, dass Lopare auf dem richtigen Weg ist, durch eine veränderte Sichtweise ihrer tierischen Freunde eine glücklichere und gesündere Gemeinde zu werden.

Rebecca Brimley

Erfahren Sie mehr über die Projekte des IFAW zur Rettung und zum Schutz von Hunden und Katzen.

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Kampagnenberater
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