Bemühungen hinter dem Anstieg der Tigerpopulation in Indien sind vielversprechend

Dass sich die Population der wilden Tiger in Indien, wie kürzlich bekannt gegeben wurde, erholt hat, ist allein auf die nachhaltigen Bemühungen von Tier- und Umweltschützern in den vergangenen Jahren zurückzuführen.

Der IFAW hat gemeinsam mit dem Wildlife Trust of India mehrere indische Bundesregierungen beim Tigerschutz unterstützt und dadurch viel zur Erholung der Tigerpopulation in Indien beigetragen – der Heimat der meisten wildlebenden Tiger.

Wir haben Dutzende Tiger aus Konfliktsituationen in Assam und Uttar Pradesh gerettet und mit mehr als 10.000 Wildhütern Anti-Wilderei-Trainings durchgeführt. Außerdem haben wir wichtige natürliche Verbindungen zwischen Tigerlebensräumen identifiziert und abgesichert. Und wir halfen bei unzähligen Aktionen, um Wilderer und Drahtzieher des illegalen Wildtierhandels zu stellen.

Durch die Zusammenarbeit mit Gemeinden, die in der Nähe von Tigergebieten leben (wie zum Beispiel in Zentralindien und Manas), konnte der Einsatz von Wildhütern verringert werden. Zudem gibt es inzwischen regelmäßige Patrouillen, um die tödlichen Drahtschlingen der Wilderer aufzuspüren und zu entfernen.

Doch Regierungsvertreter und Tierschützer sollten die Tiger nicht nur zählen und sich mit den daraus gewonnenen Statistiken brüsten, sondern auch hinter die Zahlen schauen und ein anderes wichtiges Thema berücksichtigen: die Gesundheit der Tiger und ihres Lebensraums.

Nach allem, was ich über den Status der Tigerpopulation in Indien 2014 gelesen habe, sind die aktuellen Zahlen nur eine rein mathematische Momentaufnahme einer weitaus komplexeren Realität. Ist die Anzahl der Tiger tatsächlich gestiegen? Wahrscheinlich. Ist sie um 30% gestiegen? Vielleicht.

Um die Zahlen zu beurteilen, lassen Sie mich ein Jahrzehnt zurückblicken: 2005 zählte Indien seine Tiger noch mit der Pfotenabdruckmethode, obwohl diese von einer Gruppe Wissenschaftler bereits zwei Jahre zuvor kritisiert worden war. Nachdem der Premierminister daraufhin eine nationale Tigerkrise ausgerufen hatte, begann die Regierung, eine neue Zählmethode anzuwenden. Gipsabdrücke und optische Bestimmung (beispielsweise anhand des individuell einzigartigen Streifenmusters) gehörten nun der Vergangenheit an. Stattdessen benutzte man von nun an Fotofallen und Computeranalysen.

2006 kam man auf eine Population von 1.411 Tiger. Niemand bemerkte, dass Anzahl für die Region Sundarbans nicht korrekt war. Außerdem fehlte ein Großteil der Schätzungen aus dem Nordosten Indiens. Die weit verbreitete Meinung war jedoch, dass es sich hier um viel genauere Zahlen handle als bei der 2005 veröffentlichten Schätzung, die auf 3.500 Tiger gekommen war.

Vier Jahre später wurden 1.706 Tiger gezählt. Dieses Mal war im Osten des Landes genauer gezählt worden. Gab es hier also einen tatsächlichen Anstieg der Anzahl im Vergleich zu 2006? Oder tauchten hier ganz einfach die zuvor vernachlässigten Gebiete mit auf?

Heute ist unsere Tigerpopulation in Indien offiziell bei 2.226 Tieren angelangt. Allerdings hat der bekannteste Tiger-Wissenschaftler Indiens angemahnt, dass auch die heutige Zählmethode überholt sei.

Was sollte getan werden? Als Tierschutzorganisation schlagen wir vor, hinter die Zahlen zu schauen und uns über die Gesundheit der Tiger und ihr Wohlergehen zu informieren.

Unsere Datenbasis muss so erweitert werden, dass auch die Gesundheit einzelner Tiere und von Populationen erfasst wird. Ist eine Großkatze gesund, weil sie in eine Fotofalle tappt? Frisst das Tier? Pflanzt es sich fort? Hat es genug Lebensraum, um zu jagen und einen Partner zu finden? Ist bei der Fortpflanzung sichergestellt, dass die besten Gene weitergegeben werden können?

All das sind wichtige Fragen. Diese Daten müssen erhoben werden. Doch sie wurden bei den Zählungen nicht berücksichtigt. Genauso verhält es sich mit dem Wald, dem Lebensraum der Tiger. Wenn Satellitenbilder mehr Waldgebiet zeigen, berücksichtigen wir dann auch den Zustand des Waldes und die Verbindungen zwischen den Gebieten? Oder handelt es sich lediglich um eine reine Flächenmessung? Damit wäre das Ganze ohne echte Aussagekraft.

Zu guter Letzt müssen wir uns auch dahingehend schulen, andere Arten im Visier zu behalten, die das Ökosystem ebenfalls positiv beeinflussen. Der IFAW hat gemeinsam mit dem Wildlife Trust of India in Indien im Hinblick darauf Folgendes erreicht:

  • Umsiedelung der Sumpfhirsche in den Manas-Nationalpark,
  • Überzeugungsarbeit bei den Nagas im Nordosten Indiens, keine Amurfalken mehr zu töten,
  • Sicherung von vier Elefantenkorridoren und
  • Abschaffung des Bärentanzes.

Wir müssen uns weiterhin gerade auch mit vielen kleinen Projekten für Tiere einsetzen – nicht nur für den charismatischen Tiger.

Wenn der majestätische Tiger bis ins nächste Jahrhundert überlebt, ist dies der gemeinsamen Arbeit der indischen Regierung, des Forstministeriums, der Medien und der Naturschutzbehörden zu verdanken und der großen Unterstützung in der Bevölkerung. Wir freuen uns sehr darüber, dass die langfristigen Aussichten für Indiens Tiger so viel besser geworden sind. Dennoch dürfen wir nicht nachlassen in unseren Bestrebungen für den Erhalt dieser und anderer Arten.

Vivek Menon

Erfahren Sie mehr über unsere Arbeit zum Schutz der Tiger.

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Experten

Azzedine Downes, Präsident und CEO
Präsident und CEO
Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Dr. Elsayed Ahmed Mohamed, Regionaldirektor Mittlerer Osten
Regionaldirektor Mittlerer Osten
Dr. Maria (Masha) N. Vorontsova, Regionaldirektorin Russland und GUS
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Faye Cuevas, Esq., Vizepräsidentin
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Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
Regionaldirektorin Asien
Kelvin Alie, IFAW Vizepräsident Natur- und Tierschutz
Vizepräsident
Rikkert Reijnen, Programmdirektor Wildtierkriminalität
Programmdirektor Wildtierkriminalität
Robert Kless, Leiter IFAW Deutschland
Leiter IFAW Deutschland
Staci McLennan, Regionaldirektorin Europäische Union
Staci McLennan, Regionaldirektorin Europäische Union
Tania McCrea-Steele, Leiterin der Kampagne gegen illegalen Online-Wildtierhandel
Leiterin der Kampagne gegen illegalen Online-Wildtierhandel, IFAW Großbritannien
Vivek Menon, IFAW Senior-Berater Strategische Partnerschaften
Senior-Berater für Strategische Partnerschaften und Philanthropie