Sicherheit für Schäfer und ihre Schafe

Der beste Schutz für den Wolf ist seine Akzeptanz in der Öffentlichkeit. Schäfer und andere Nutztierhalter sind hierbei aufgrund einer direkten Betroffenheit durch die Anwesenheit von Wölfen eine besonders wichtige Zielgruppe.

Wölfe ernähren sich ganz überwiegend von Wildtieren (insbesondere Huftieren), zu den potentiellen Beutetieren von Wölfen gehören allerdings auch Nutztiere wie Schafe und Ziegen. Wölfe können nicht zwischen "erlaubten" Wildtieren und "verbotenen" Nutztieren unterscheiden. Daher sind Übergriffe auf Nutztierbestände möglich. Jedoch sind solche Angriffe maßgeblich von verschiedenen Faktoren abhängig:

  • Angebot und Zugänglichkeit von wildlebenden Huftieren als "natürliche" Nahrung
  • Fragmentierung von Lebensräumen (unter anderem durch den Bau neuer Straßen)
  • Lage und Zugänglichkeit der Weiden
  • Bewachung und Schutz der Nutztiere

Es gibt zahlreiche Methoden zur Abschreckung von Beutegreifern, die wirksam zum Schutz von Nutztieren eingesetzt werden können. Herdenschutzhunde und geeignete Elektrozäune (gegf. mit Lappenzäune) sind zwei Maßnahmen, mit denen Verluste von Nutztieren effektiv verhindert werden können. Der IFAW unterstützt durch Schulungen und Beratung Landwirte bei der Einführung solcher Schutzmethoden.

Herdenschutz: Hunde im Schafspelz

Bereits seit Jahrhunderten werden Hunde zum Schutz von Viehherden vor Beutegreifern genutzt. Hierzu wurden in Europa spezielle Hunderassen gezüchtet, zum Beispiel der Tatra Herdenschutzhund, der rumänische Karpaten-Herdenschutzhund sowie der Berner Sennenhund. Diese Hunde haben angeborene Eigenschaften, die zusätzlich während ihrer Ausbildung gefördert werden.

Das wichtigste Ziel dabei ist, dass der Welpe die Gruppe der Nutztiere vollständig als seine Familienmitglieder akzeptiert. Ein gut erzogener Herdenschutzhund ist gegenüber den Nutztieren nicht aggressiv. Ganz im Gegenteil – er fühlt sich extrem mit der Herde verbunden. Durch Menschen oder andere Hunde lässt er sich nicht ablenken. Er ist wachsam und reagiert mit kräftigem Bellen auf jedes Erscheinen von fremden Menschen oder Beutegreifern, um so die Hirten zu alarmieren. Auf diese Weise vertreiben sie ungebetene Gäste und schützen ihre Herde. Die Fellfarbe von Herdenschutzhunden spielt bei ihrer Schutzaufgabe auch eine entschiedene Rolle. Da die Fellfarben von Hunden und ihren Schützlingen sehr ähnlich sind, sind sie äußerlich so gut angepasst, dass dies die angreifenden Wölfe zusätzlich irritiert.

Pro 300 Nutztiere sollten drei oder vier Hunde eingesetzt werden.

Wertvolle Tipps zum fachgerechten Umgang mit Herdenschutzhunden finden Sie in unserem „Leitfaden Herdenschutzhunde“.

Lappenzaun: Schutz vor Wolfsangriffen

Eine effektive und relativ schnelle Methode zum Schutz der Nutztiere bei akutem Bedarf sind Lappenzäune. Diese bestehen aus meist roten Stoffstücken, die in Abständen an eine starke Schnur genäht sind. Diese Schnur wird um die Weide oder um den Pferch so aufgehängt, dass die Lappen im Wind frei flattern können. Aus ungeklärten Gründen haben die meisten Wölfe Angst vor dieser beweglichen „Umfriedung“ und versuchen nicht, sie zu überwinden.

Lappenzäune werden bereits in Polen und in Deutschland erfolgreich eingesetzt. Im Jahre 2002 hat der IFAW die Anfertigung von 2000 Meter Lappenzäune durch den Naturschutzverband WOLF finanziert, die dann den Viehzüchtern in der Gegend der Muskauer Heide (Nordsachsen) zur Verfügung gestellt wurden.

Andere Schutzmaßnahmen gegen Wölfe sind elektrische Weidezäune oder das Ausbringen von stark riechenden Substanzen, wie Naphthalin oder Schuhpasten. Einer der wirkungsvollsten Abschreckungsfaktoren gegen Wölfe ist aber die Anwesenheit des Menschen, da die Wölfe in der Regel den Kontakt zum Menschen meiden. Effektive Hilfe dabei leisten die Herdenschutzhunde, die durch ihr Gebell die Hirten rechtzeitig alarmieren.

Akzeptanz für den Wolf als Teil der Natur

Um die Akzeptanz innerhalb der Bevölkerung zu verbessern, unterstützt der IFAW seit 2010 eine Beratungskampagne im brandenburgischen Wolfsgebiet.

Im Rahmen einer Kooperationsvereinbarung zum Schutz des Wolfes zwischen dem IFAW und dem brandenburgischen Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (MUGV) werden Nutztierhalter beraten, wie sie ihre Tiere vor Wolfsangriffen schützen können. Dabei ist es wichtig, bei der Beratung die individuelle Situation jedes Betriebes zu berücksichtigen und geeignete Schutzmaßnahmen zu entwickeln. Ziel dabei ist, die Bedürfnisse des Nutztierhalters und die der Wölfe gleichermaßen zu erfüllen.