Zufluchtsort in höherer Lage: Katastrophenvorsorge in Myanmar

Den Kühen wird die Plattform, die im Rahmen Projekts "Sicheres Land" gebaut wird, einen sicheren Zufluchtsort bieten. Die Gegend in der Gemeinde Ingapu im Bezirk Hinthada, in der das Pilotprojekt durchgeführt wird, war 2015 am schlimmsten von den Überschwemmungen in Myanmar betroffen. Foto: © IFAW/M. FelixMIn Myanmar hat gerade erneut die Monsunzeit begonnen. Im folgende Beitrag berichtet Maiken Olsen, Mitarbeiterin der IFAW Partnerorganisation Giving a Future Animal Aid von ihrem ersten Katastropheneinsatz direkt nach Zyklon Komen sowie von ihrem darauffolgenden Besuch einer Gemeinde und dem Start eines neuen Projekts zur Katastrophenvorsorge. Maiken lebt in Norwegen und ist Mitbegründerin der in Myanmar tätigen Organisation Giving a Future Animal Aid. Der IFAW und Giving a Future Animal Aid helfen gemeinsam Tieren, die Opfer von Überschwemmungen wurden. - Jennifer Gardner

Es ist sehr schwer, die Gefühle einer Kuh zu deuten. Sie stehen immer ruhig da und kauen Gras. Ich weiß nicht, wie es für sie ist, wenn sie zwei Wochen im Wasser stehen und die Haut bereits durchlässig wird.

Trotz dieser furchtbaren Bedingungen standen die Kühe, die wir in Myanmar sahen, noch immer auf den Höfen ihrer Besitzer. In der Hirawadi-Region besitzen die meisten Bauern nur ein oder zwei Kühe. Die Tiere haben Namen und werden wie Familienmitglieder behandelt. Für die Bauern sind ihre Kühe vielfach überlebenswichtig: Im Reisanbaugebiet von Myanmar zieht die Kuh den Pflug und sichert den Menschen, die ansonsten keine Einkommensquelle haben, den Lebensunterhalt. Myanmar ist eine flache Region, in der es jedes Jahr zu Überschwemmungen kommt. Doch es gibt kein höher gelegenes Terrain in der Nähe, wohin die größere Tiere flüchten könnten. Kleinere Tiere können sich in die auf Pfählen gebauten Wohnhäuser und Scheunen retten. Die großen schweren Kühe jedoch nicht.

Unmittelbar nach den Überschwemmungen im August 2015 besuchten wir ein Dorf. Alle 70 Einwohne inklusive ihrer Hühner, Schweine und Hunde mussten zwei Wochen lang zusammen in der Halle eines kleinen Klosters wohnen. Zwei Wochen lang stand das Wasser drei Meter hoch, sodass es den Kühen draußen bereits bis zum Hals stand. Einige ertranken, weil sie so erschöpft waren, dass sie sich nicht mehr auf den Beinen halten konnten.

Die Landwirte versuchten verzweifelt, die Köpfe ihrer Kühe über Wasser zu halten. Eine Möglichkeit, sie aus dem Wasser zu heben, gab es nicht. Als das Wasser endlich zurückging, war das Gras komplett mit Schimmel bedeckt. In den darauffolgenden drei Monaten kam es zudem in der gesamten Region zu Nahrungsknappheit. Daher starben einige Kühe an Krankheiten oder Unterernährung.

Der IFAW versprach, zu helfen. Als eine der ersten internationalen Tierschutzorganisationen, die nach der Öffnung des Landes nach jahrzehntelanger Diktatur nach Myanmar kamen, arbeitet der IFAW mit Giving a Future Animal Aid und der Myanmar Veterinary Association zusammen und wurde deshalb gebeten, den Bauern in der Deltaregion während und nach den Überschwemmungen zu helfen. Die Überschwemmungen im vergangenen Jahr waren die schwersten seit hundert Jahren. Erfahren Sie mehr über den Rettungseinsatz in Myanmar nach den schweren Überschwemmungen.

Auch für die lokale Wirtschaft ist der Verlust an Nutztieren durch die jährlich wiederkehrenden Überschwemmungen verheerend. Um eine langfristige Lösung zu finden, führten wir im Dezember 2015 eine Lageeinschätzung durch. Wir fragten die Einwohner, was ihnen langfristig helfen würde. Und es wurde ein lokaler Katastrophenausschuss gegründet.

Dann wurden erste Pläne für den Bau einer Plattform geschmiedet, auf die sich das Vieh während der Überschwemmungen retten könnte. Es war zwar eine einfache Idee. Doch in einer Gegend ohne Hügel und Täler kann eine solche Plattform über Leben und Tod entscheiden. Das Projekt zum Bau der Plattform bekam den Namen "Sicheres Land".

Im Januar wurde in Zusammenarbeit mit der lokalen Behörde für Landwirtschaft das für die Plattform benötigte Land gekauft. In den folgenden Monaten folgte der Bau der Plattform. Die Gegend in der Gemeinde Ingapu im Bezirk Hinthada, in der das Pilotprojekt durchgeführt wird, war am schlimmsten von den Überschwemmungen betroffen. Zusätzlich liegen die zehn Dörfer in der Gegend zwischen zwei Flüssen, was es erschwert, das Vieh wegzubringen.

Mit Hilfe von Transportbooten und der neuen Plattform werden Menschen und Tiere für kommende Überschwemmungen gerüstet sein.

Das Projekt "Sicheres Land" ist erst in seiner Anfangsphase. Wir müssen noch eine Saison warten, bis die Plattform als Zufluchtsort genutzt werden kann. Doch wir werden Sie über den Fortgang des Projekts und die bevorstehenden Trainings nach der Monsunzeit auf dem Laufenden zu halten.

Maiken Olsen

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Experten

Kampagnenberater
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Brian Sharp, Leiter Rettungseinsätze, Einsatzkoordinator für Strandungen
Leiter Rettungseinsätze, Einsatzkoordinator für Strandungen
Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Katie Moore, Leiterin Marine Mammal Rescue and Research
Programmdirektorin Tierrettung
Shannon Walajtys, Leiterin IFAW Katastrophenhilfe
Leiterin des Bereichs Katastrophenhilfe
Vivek Menon, IFAW Senior-Berater Strategische Partnerschaften
Senior-Berater für Strategische Partnerschaften und Philanthropie