World Wildlife Day – ein Anlass sich gegen den illegalen Wildtierhandel stark zu machen

Am 3. März ist World Wildlife Day. An diesem Tag feiern wir weltweit unsere Wildtiere – und das ist auch gut so. Zur selben Zeit müssen wir uns aber auch eine grausame Realität vor Augen halten. Immer mehr Wildtiere fallen dem menschlichen Egoismus zum Opfer.

Eine Teilschuld daran trägt der Umstand, dass wir alle dieses artenreiche Ökosystem Erde gemeinsam bewohnen und nutzen. Doch auch die Konsumnachfrage von immer mehr Menschen nach Wildtieren und Wildtierprodukten führt zu immer mehr Zerstörung.

Zudem betreiben immer mehr Menschen illegalen Wildtierhandel, um Geld damit zu verdienen. In extremen Fällen wird dieses Geld zudem zur Finanzierung von blutigen Gewalttaten an Menschen oder zum Handel mit anderen illegalen Gütern und Dienstleistungen genutzt.

Die Zahlen sind erschreckend:

  • Alle 15 Minuten wird ein Elefant wegen seiner Stoßzähne getötet, die dann zu Schmuckstücken verarbeitet werden, die niemand braucht.
  • Die Wilderei auf Nashörner in Südafrika ist seit 2007 um das Zehntausendfache gestiegen – für Medikamente, die keinen nachgewiesenen Nutzen erbringen.
  • 100 Millionen Haie werden jedes Jahr wegen ihrer Flossen getötet – nur damit eine reiche Eliteschicht auf Luxusveranstaltungen Haifischflossensuppe essen kann.
  • Es gibt inzwischen weniger als 4.000 Tiger in freier Wildbahn. Ein Grund dafür ist, dass ihre Knochen für dubiose medizinische Zwecke und ihre Felle als Dekorationsartikel zu horrenden Preisen gehandelt werden.
  • Wenn sich nichts ändert, werden Im Jahr 2050 zwei Drittel aller Eisbären verschwunden sein.
  • Trotz eines globalen Walfangverbots wurden bis heute 34.000 Wale getötet.

Wir werden Zeugen von Massenabschlachtungen wie beispielsweise in Boubanjida, Kamerun, wo mindestens 200 Elefanten von Wilderern massakriert wurden. Es bricht uns das Herz, in einem Video zu sehen, wie ein orientierungsloses und verängstigtes Nashorn durch einen Straßengraben stolpert, weil ein kaltblütiger Wilderer ihm das Horn abhackte und das Tier danach einem grauenvoll schmerzhaften und langwierigen Tod überlässt. Wir sehen in Afrika, Indien und Asien nur die Überreste einst kraftvoller Lebewesen als Kadaver in Fallen, Schlingen und Netzen.

Wir entnehmen mehr aus der Natur als sie ersetzen kann. Wenn wir unser Verhalten nicht ändern, müssen wir damit leben, dass viele Tierarten aussterben und es einen irreversiblen Verlust an Artenvielfalt gibt – Artenvielfalt, die unser Leben bereichert.

Doch abgesehen von dem nicht vorhersagbaren Einfluss, den dieser Verlust auf unser Leben als Menschen auf diesem Planeten hätte, müssen wir uns auch über die verheerenden Auswirkungen unseres Tuns auf das Leben jedes einzelnen Tieres im Klaren sein. Wir verüben Grausamkeiten an unschuldigen Tieren, von denen viele Verhaltensweisen aufweisen, die wir nur uns Menschen zugeschrieben hatten – wie Empfindungsvermögen, die Fähigkeit, intensive Familienbande zu knüpfen, die Neigung zur Organisation gemeinschaftlichen Lebens, Mitgefühl und möglicherweise sogar Liebe.

Ist es wirklich das, was wir auf dieser Welt hinterlassen wollen? Wollen wir in die Geschichte eingehen als die Art, die alle anderen Arten ausgebeutet hat? Als Kreaturen, die grauenvolles Leiden über unsere Mitlebewesen gebracht haben? Mit unserer Intelligenz, unseren Talenten und Fähigkeiten können wir Menschen unser Denken und Tun weiterentwickeln.

Noch mehr schreckliche Fakten: Die Nashornpopulation Südafrikas beläuft sich derzeit auf circa 26.000 Tiere. Im letzten Jahr wurde die Rekordzahl von 1.215 Tieren wegen ihrer Hörner getötet. Für Nashorn-Horn werden auf den weltweiten Schwarzmärkten astronomische Summen gezahlt. Wofür? Damit Menschen Nashornpulver als Aphrodisiakum, dubiose traditionelle Medizin, Trophäe oder Geldanlage benutzen können.

Es gibt zurzeit zwischen 500.000 und 600.000 Afrikanische Elefanten. Allein in den letzten drei Jahren wurden 100.000 von ihnen wegen ihres Elfenbeins getötet. Insgesamt ist die afrikanische Elefantenpopulation im vergangenen Jahrhundert um 95 Prozent zurückgegangen. Darüber hinaus sind die Wilderei und der illegale Elfenbeinhandel, die beide die Nachfrage fördern, oft Teil eines größeren kriminellen Netzwerks. Bei Beschlagnahmungen von 500 Kilo Elfenbein (oder sogar noch mehr) fand man Hinweise auf wesentlich umfassendere kriminelle Machenschaften, sogar auf Verbindungen zum organisierten Verbrechen. Viele Käufer dieser illegalen Ware haben keine Ahnung, dass ihre „Investition“ letztendlich schwere Verbrechen finanziert.  

Haie gehören ebenfalls zu den Tierarten, für die wir bei der letzten Artenschutzkonferenz der Bonner Konvention (CMS) hart gekämpft haben. 100 Millionen Haie werden jedes Jahr getötet. Die Bestände mancher Haiarten sind bereits um 80 bis 90 Prozent zurückgegangen. Auch Tiger und Eisbären sterben einen sinnlosen Tod für eine Vielzahl nutzloser Verwendungsarten.

Die schockierenden Statistiken zum illegalen Wildtierhandel beschränken sich nicht nur auf die bereits beschriebenen fünf Tierarten. Hier noch einige weitere Zahlen aus dem letzten Jahr:

Laut Interpol wurden in den ersten zehn Monaten des Jahres 2014 7.469 Anzeigen wegen unterschiedlichster Umweltdelikte erstattet.

Während einer dreiwöchigen IFAW Untersuchung von 280 Online-Märkten in 16 Ländern wurden 33.006 lebende Wildtiere, Wildtier-Körperteile oder Produkte daraus zum Verkauf angeboten.

Der sogenannte “Schildkrötenmann” Kai Xu brachte 51 lebende Schildkröten mit Klebeband an seinen Beinen und in der Leistengegend an. Xu wurde an der kanadischen Grenze des Detroit-Windsor-Tunnels festgenommen. Die Schildkröten-Aktion war nur ein Teil seiner groß angelegten Operation, bei der er weltweit Tausende Reptilien schmuggelte (Quelle: Büro der US-Vizestaatsanwältin Sara Woodward).

7 Millionen US-Dollar brachte der illegale Wildtierhandel der sogenannten „Groenewald Gang“ ein. Dafür mussten Hunderte Nashörner sterben oder wurden ihres Horns beraubt.

1 von 351 – Das ist die Zahl der Auktionen, bei denen es einen Nachweis über Herkunft, Alter und Legalität des angebotenen Elfenbeins gab (Quelle: IFAW Report “Bidding Against Survival: The Elephant Poaching Crisis and the Role of Auctions in the U.S. Ivory Market (2014)”).

Um 266 Prozent ist Zahl der Verkaufsanzeigen für gefährdete Wildtierarten auf Online-Marktplätzen in Australien und Neuseeland seit der letzten Erhebung 2008 gestiegen (Quelle: IFAW Report “Click to Delete, Australia (2014)”, “Click to Delete, New Zealand (2014)”)

Diese Statistiken sollten uns alle so sehr schockieren, dass wir umgehend handeln. Wir müssen uns zusammentun und den illegalen Wildtierhandel anprangern. Und wir müssen an diesem World Wildlife Day den Menschen auf der ganzen Welt klar machen, dass Tiere Respekt verdienen, gefeiert werden sollten und vor allem geschützt werden müssen.

Kelvin Alie

Helfen Sie uns, die Menschen überall auf der Welt aufzurütteln, damit der illegale Wildtierhandel gestoppt werden kann.

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Experten

Azzedine Downes, Präsident und CEO
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Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Dr. Elsayed Ahmed Mohamed, Regionaldirektor Mittlerer Osten
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Dr. Maria (Masha) N. Vorontsova, Regionaldirektorin Russland und GUS
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Faye Cuevas, Esq., Vizepräsidentin
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Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
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Kelvin Alie, IFAW Vizepräsident Natur- und Tierschutz
Vizepräsident
Rikkert Reijnen, Programmdirektor Wildtierkriminalität
Programmdirektor Wildtierkriminalität
Robert Kless, Leiter IFAW Deutschland
Leiter IFAW Deutschland
Staci McLennan, Regionaldirektorin Europäische Union
Staci McLennan, Regionaldirektorin Europäische Union
Tania McCrea-Steele, Leiterin der Kampagne gegen illegalen Online-Wildtierhandel
Leiterin der Kampagne gegen illegalen Online-Wildtierhandel, IFAW Großbritannien
Vivek Menon, IFAW Senior-Berater Strategische Partnerschaften
Senior-Berater für Strategische Partnerschaften und Philanthropie