Wird der neue Plan der Europäischen Kommission für Subsahara-Afrika den Elefanten helfen?

Der IFAW vertritt schon lange die Position, dass ökologische Nachhaltigkeit von zentraler Bedeutung für das Wohl aller Lebewesen ist. Deshalb sollte sie auch vorrangiges Ziel jeder Tierschutzstrategie sein.

Die Ankündigung der Europäischen Kommission fünf Milliarden Euro für die Finanzierung einer Studie über Wildtierschutz in Subsahara-Afrika bereitzustellen, ist erfreulich. Ich befürchte jedoch, dass es ohne weitere Unterstützung dabei bleiben wird - zu Lasten der Natur und der Menschen, die von ihr abhängen.

Die Europäische Kommission hat einen neuen Bericht herausgebracht, in dem mögliche Wege zur Armutsbekämpfung mithilfe von Naturschutzmaßnahmen aufgezeigt werden. Mit diesem Bericht wurde von der Kommission zum ersten Mal eine wirkliche, detaillierte Strategie vorgestellt.

Die Studie „Larger than elephants: inputs for an EU strategic approach for African wildlife conservation" ist in Zusammenarbeit mit dem IFAW und anderen öffentlichen und privaten Interessenvertretern aus dem Bereich Naturschutz entstanden. Darin wird eine ganzheitliche detaillierte Strategie für die nächsten zehn Jahre vorgestellt. Interessant ist, dass die Studie von der Generaldirektion für Entwicklung verfasst wurde. Dieses Organ der EU ist traditionell für humanitäre Entwicklung zuständig und hat sich bisher wenig mit Tier- und Naturschutzfragen befasst.

Der IFAW vertritt schon lange die Position, dass ökologische Nachhaltigkeit von zentraler Bedeutung für das Wohl aller Lebewesen ist. Deshalb sollte sie auch vorrangiges Ziel jeder Entwicklungsstrategie sein. Nicht nur die Europäische Kommission befasst sich mit dem Thema. Vor kurzem beschlossen die Vereinten Nationen die sogenannten „Ziele nachhaltiger Entwicklung“, die der EU-Studie inhaltlich sehr ähneln. Hier wird das Thema Natur sogar in sechs Unterzielen erwähnt. Primär geht es um die Bekämpfung der Ursachen von Armut und die Erfüllung der globalen Notwendigkeit nach einer Entwicklung, die alle Menschen einbezieht. Eines der Ziele lautet:

„Ökosysteme schützen, wiederherstellen und ihre nachhaltige Nutzung fördern, Wälder nachhaltig bewirtschaften, Wüstenbildung bekämpfen, Bodenverschlechterung stoppen und umkehren und den Biodiversitätsverlust stoppen".

Ein gutes Beispiel warum Biodiversität auch für die humanitäre Entwicklung einen hohen Stellenwert hat, ist der Elefant. Als Schlüsselart haben Elefanten einen erheblichen Einfluss auf das gesamte Ökosystem und damit auch auf die Menschen innerhalb dieses Ökosystems. Wenn sich die Größe oder das Verbreitungsgebiet von Elefantenpopulationen ändert, betrifft dies auch die Ökosysteme. Wenn Elefanten in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt sind, kann dies zur Wüstenbildung beitragen. Die Elefanten können jedoch umgekehrt auch helfen, Wüstenbildung zu verhindern - vorausgesetzt es gibt eine stabile Populationsdynamik und sie können ihre Rolle im Ökosystem zur Fortpflanzung erfüllen.

Im Moment befinden sich die Elefanten jedoch in einer Krise von nie dagewesenem Ausmaß. Wilde Elefantenpopulationen sind akut durch die Zerstörung und Zerstückelung ihrer Lebensräume bedroht. Und auch der Klimawandel wird sich voraussichtlich auf die Lebensbedingungen der Elefanten auswirken.

Der IFAW hat zusammen mit dem Forschungszentrum für Naturschutz und Umwelt der Universität Pretoria eine Untersuchung durchgeführt. Dabei wurden die möglichen Auswirkungen des Klimawandels auf die Elefantenpopulationen in Subsahara-Afrika untersucht. Die Untersuchung ergab, dass zum Beispiel die Populationen in Nord-Botswana aufgrund ausbleibender Regenfälle und wegen des Temperaturanstiegs zunehmendem Stress ausgesetzt sein werden. Dies wiederum kann zu einer höheren Sterblichkeitsrate bei Elefantenkälbern führen. Die Erkenntnisse der Untersuchung zeigen somit, wie wichtig es ist, die Lebensräume für Elefanten im östlichen Teil des südlichen Afrikas zu erhalten.

Die Arbeit des IFAW für die Elefanten in Amboseli in Kenia zeigt, dass Artenschutz sowohl positive Effekte auf die Menschen als auch auf die Tiere hat. Berücksichtigt man ökologische Nachhaltigkeit und die Erhaltung von gesunden Elefantenpopulationen in der humanitären Entwicklungsarbeit, kann ein sorgfältig ausgearbeiteter Plan gleichzeitig die Biodiversität schützen, die Auswirkungen des Klimawandels reduzieren und der Armut entgegenwirken.

Das Problem liegt jedoch nicht allein im Verlust und in der Zerstörung von Lebensräumen. Der illegale Handel mit Wildtierprodukten hat sich zu einer realen Bedrohung für die nationale, regionale und globale Sicherheit entwickelt. Man schätzt, dass im Durchschnitt alle 15 Minuten ein Elefant wegen seines Elfenbeins getötet wird. Für organisierte Verbrechernetzwerke, die professionellen Schmuggel betreiben, ist der Handel mit Wildtierprodukten eine lukrative Einkommensquelle: Er birgt nur ein geringes Risiko ertappt zu werden, wirft hohe Gewinne ab und wird meist nur mild bestraft. Produkte wie Nashorn oder Bärengalle können auf dem Schwarzmarkt mehr Geld einbringen als Gold oder Kokain, denn kann mit ihnen eine Rendite von weit über tausend Prozent erzielen.

Im September 2013 veröffentlichte das Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) einen Bericht, der den Elfenbeinhandel gemeinsam mit Menschenhandel, Heroin und Piraterie als eine der vier größten Bedrohungen am Horn von Afrika einstuft. Es ist erwiesen, dass bewaffnete Milizen wie die Dschandschawid oder die Lord's Resistance Army einen erheblichen Teil ihrer Aktivitäten durch illegalen Elfenbeinhandel finanzieren.

Es muss daher dringend etwas unternommen werden, um die Elefanten zu schützen und die verheerenden Auswirkungen zu verhindern, die ihr Verschwinden auf Ökosysteme und die Menschen vor Ort haben würde. Es ist sehr positiv, dass die Kommission bis zum Jahr 2020 bereits 700 Millionen Euro zugesagt hat. Dieser Betrag ist jedoch nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Für die Umsetzung einer umfassenden Strategie werden jährlich zwischen 400 und 500 Millionen Euro benötigt. Derzeit stellt die EU jedoch lediglich etwa 100 Millionen Euro pro Jahr bereit.

Der IFAW hofft, dass die neue Studie zu einem gemeinsamen koordinierten Vorgehen aller Betroffenen führen wird, um die notwendigen finanziellen Mittel für diese wichtige Arbeit bereitzustellen. Zudem ist die Einrichtung eines EU-Treuhandfonds für den Naturschutz in Afrika erforderlich. Dies ist nur möglich, wenn die Strategie von den EU-Mitgliedstaaten mitgetragen wird. Nur so kann sichergestellt werden, dass die finanziellen Mittel für die Umsetzung eines Planes zur Rettung der Elefanten bereit stehen.

Satyen Sinha

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Staci McLennan, Regionaldirektorin Europäische Union
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Leiterin der Kampagne gegen illegalen Online-Wildtierhandel, IFAW Großbritannien
Vivek Menon, IFAW Senior-Berater Strategische Partnerschaften
Senior-Berater für Strategische Partnerschaften und Philanthropie