Wandernde Tierarten: Ihre Zukunft ist unsere Zukunft

Der folgende Beitrag stammt von Azzedine Downes, dem Präsidenten des IFAW. Er ist zur Veröffentlichung auf der anstehenden Vertragsstaatenkonferenz der Bonner Konvention (CMS) bestimmt.

Fotograf Wayne Reynolds fing auf seinem Bild die Schwanzflosse eines Buckelwals vor der Küste Australiens ein.

„Wir können die erste Generation sein, der es gelingt, die Armut zu beenden. Und ebenso sind wir vielleicht die letzte, die noch die Chance hat, die Erde zu retten.“

Dieser ebenso inspirierende wie ernüchternde Satz ist Teil der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. Sie enthält die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung, auf die sich alle Mitglieder der Vereinten Nationen 2015 geeinigt haben.

Besser lässt sich die Herausforderung kaum zusammenfassen, vor der wir als Generation stehen: die Erde und die vielen Tiere zu schützen, die mit uns hier leben. Das Thema der 12. Vertragsstaatenkonferenz der Bonner Konvention (CMS) lautet „Ihre Zukunft ist unsere Zukunft – nachhaltige Entwicklung für Wildtiere und Menschen“. Es ruft uns alle auf, unseren Beitrag zu leisten für die Ziele für nachhaltige Entwicklung, indem wir wandernde wilde Tierarten schützen.

Aussagen wie „Ihre Zukunft ist unsere Zukunft“ mögen oberflächlich klingen, doch sie waren noch nie so treffend wie jetzt. Die Zukunft der wilden Tiere liegt in unseren Händen, und unsere Zukunft hängt von ihnen ab. Die natürliche Tier- und Pflanzenwelt, die Ökosysteme und alles, was sie uns bereitstellen, sind für uns von absolut grundlegender Bedeutung, wenn wir das Ziel wahrhaft nachhaltiger Entwicklung erreichen wollen. Schützen wir die Natur nicht, besteht keine Hoffnung, dass uns dies gelingt.

Wenn wir schweres Tierleid oder einen Rückgang von Populationen erleben, stellen wir häufig auch fest, dass es Menschen gibt, die ums Überleben kämpfen. Wer sich mit dem Schutz von Wildtieren befasst, muss unbedingt auch die Bedürfnisse der Menschen verstehen, die im Umfeld von Wildtieren leben – und beim Schutz dieser Tiere mit ihnen zusammenarbeiten.

Tiere nehmen weder politische noch menschliche Grenzen wahr, und das gilt ganz besonders für wandernde Tierarten. Wie sollen wir nun die große Aufgabe angehen, Tiere in einer unvollkommenen menschlichen Welt zu schützen, die fragmentiert und in künstliche Abschnitte unterteilt ist, mit denen diese Tiere nichts anfangen können?

Bei der Arbeit des IFAW ist uns immer bewusst, dass Menschen zwar das Problem sind, aber auch die Lösung. So oft hören wir im Naturschutz, es sei notwendig, Tierpopulationen zu regulieren. Dabei vergessen wir allerdings, dass wir es mit wilden und häufig unberechenbaren Tieren zu tun haben. Das Einzige, was wir vielleicht steuern können, ist das Verhalten der Menschen. Auf diese Weise werden wir Tiere retten und den Menschen nützen.

Eine Elefantenfamilie zieht durch den Amboseli-Nationalpark in Kenia.

Ob wir mit der Bevölkerung zusammenarbeiten, um wichtige Korridore für Elefanten über Landesgrenzen hinweg zu bewahren, oder Wale und Haie schützen, die durch den Ozean ziehen – die Herausforderung ist immer dieselbe: Wie können wir Menschen friedlich Seite an Seite mit den Tieren leben, mit denen wir uns den Lebensraum teilen? Wie können wir alternative Einkommensquellen für die Menschen vor Ort schaffen – Einkommensquellen, die nicht auf Kosten der Tiere gehen? Wie können wir erreichen, dass unser Leben möglichst geringe negative Auswirkungen auf diese Tierarten und ihre Lebensräume hat?

Wollen wir sichere Gebiete für Wildtiere schaffen und dabei gleichzeitig die Sicherheit der in unmittelbarer Nähe lebenden Menschen gewährleisten, brauchen wir deutlich mehr Ressourcen, als irgendein Land allein bereitstellen kann. Vielmehr ist eine groß angelegte Zusammenarbeit zwischen internationalen Organisationen, nationalen Regierungen und den Menschen vor Ort erforderlich.

Vor allem aber ist es eine Frage des gemeinsamen Willens. Die Nationen müssen sich erst darauf einigen, dass sie sich als Volk die Erde mit großen und kleinen Tieren teilen wollen.

Anders als viele andere Übereinkommen zur Artenvielfalt ist die Bonner Konvention wirklich im Sinne der Tiere. Es geht bei diesem Abkommen nicht darum, wie wir die Tiere „nutzen“. Im Mittelpunkt steht vielmehr, wie wir zusammenarbeiten müssen, um sie zu schützen. Somit bietet diese Konferenz uns als internationaler Gemeinschaft eine ideale Gelegenheit, diesen Willen sowie den Wunsch zum Ausdruck zu bringen, eine bessere Welt für Tiere und Menschen zu erschaffen.

Wilde Tiere sind Teil unseres gemeinsamen globalen Erbes. Wir ziehen einen quantifizierbaren Nutzen daraus, wie Tiere auf unterschiedliche Weise zu gesunden Ökosystemen beitragen und den Tourismus fördern. Und wir ziehen einen sozialen Nutzen – ebenso wichtig, aber schwer zu quantifizieren – aus der Freude, die Tiere in unser Leben bringen. Tiere – und insbesondere wandernde Tierarten – sind für viele Kulturen auf der ganzen Welt von einer so großen Bedeutung, dass unsere Kulturen in unermesslichem Maße ärmer wären, wenn sie uns verloren gingen. Eine Welt ohne Wildtiere und unberührte Natur wäre für uns alle ein deutlich trostloserer Ort.

Azzedine Downes

Die Vertragsstaatenkonferenz der Bonner Konvention tagt vom 23.–28. Oktober 2017 in Manila auf den Philippinen. Wir halten Sie auf dem Laufenden.

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Experten

Azzedine Downes, Präsident und CEO
Präsident und CEO
Beth Allgood, IFAW Länderdirektorin USA
Länderdirektorin USA
Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Cynthia Milburn, Senior-Beraterin Strategieentwicklung
Senior-Beraterin Strategieentwicklung
Dr. Joseph Okori, Regionaldirektor Südliches Afrika und Programmdirektor Natursc
Regionaldirektor Südliches Afrika und Programmdirektor Naturschutz
Faye Cuevas, Esq., Vizepräsidentin
Vizepräsidentin
Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
Regionaldirektorin Asien
Kelvin Alie, IFAW Vizepräsident Natur- und Tierschutz
Vizepräsident
Patrick Ramage, Programmdirektor Meeresschutz
Programmdirektor Meeresschutz
Rikkert Reijnen, Programmdirektor Wildtierkriminalität
Programmdirektor Wildtierkriminalität