Verspielte Dickhäuter: Warum Elefanten einen Sinn für Humor haben

Die Spiellaune kann eine ganze Elefantenfamilie anstecken.Wenn junge Tiere spielen, trainieren sie gleichzeitig ihre heranwachsenden Körper. Außerdem entwickeln sie dabei Fähigkeiten, die sie später zum Überleben brauchen.

Elefanten spielen jedoch ihr ganzes Leben lang: sowohl die Kühe als auch die Bullen. Es ist ein wichtiger Teil ihres sozialen Miteinanders. Für uns hier im Amboseli-Nationalpark signalisiert das Verhalten aber auch noch etwas anderes, sehr Wichtiges: Es zeigt, dass sich die Elefanten sicher fühlen und dass es ihnen gut geht.

Der langfristige, überlebenswichtige Nutzen ihres Spielverhaltens war bis vor kurzem noch nicht genau genug untersucht und wirklich erklärbar. Anfang dieses Jahres veröffentlichten Prof. Phyllis Lee und Dr. Cynthia Moss eine wissenschaftliche Arbeit über das Spiel der Amboseli-Elefanten. Die einzigartigen Erkenntnisse, die die beiden machten, konnten nur gewonnen werden, weil es sich um eine Langzeitstudie handelte.

Elefanten spielen auf unterschiedliche Weise. Manche benutzen Steine, Knochen, Pflanzen oder Stöcke. Sie fordern einander zum Spielen auf.

Mit Stöcken zu spielen macht Spaß, vor allem wenn jemand am anderen Ende zieht.

Elefanten aller Altersgruppen spielen auch mit anderen Tieren. Sie sprechen die potentiellen Spielgefährten mit Geräuschen an oder jagen sie übermütig. Meistens bleiben die angesprochenen Tiere dabei aber unbeeindruckt.
Nicht immer finden Elefanten willige Spielkameraden.

Das schlackernde Traben ist ein Markenzeichen spielender Elefanten: die Gliedmaße hängen dabei locker, während der Kopf mitschwingt. Sie trompeten, schnauben, grollen und machen jede Menge Lärm. Manchmal knien sich die Dickhäuter sogar hin und krabbeln ein Stückchen auf den Knien. Bullen und Kühe spielen schon auf unterschiedliche Weise, wenn sie noch klein sind.

Elefant Shortcake geht beim Spielen in die Knie.

Männliche Elefanten ringen gern miteinander, während Weibchen häufig das sogenannte „Feindesspiel“ spielen. Dabei stampfen und wirbeln sie durchs Unterholz und trompeten lautstark.

Doch hinter dieser ganzen Albernheit steckt einen ernsthafter Sinn.

Junge Elefantenbullen nutzen das Spiel, um auf entspannte Weise Kontakt zu Fremden herzustellen. So lernen sie den Umgang mit zukünftigen Freunden, Verbündeten und Konkurrenten. Jungbullen, die ihre Familie verlassen, müssen über viele Jahre hinweg in unterschiedlichen sozialen Bereichen mit anderen Bullen auskommen, bis sie erfolgreich um ein Elefantenweibchen werben können.

Elefantenbullen gehen lebenslange Freundschaften ein, die ihnen soziale Bindungen ermöglichen und durch die sie Gefahren besser erkennen und vermeiden können. Spielen ist eine Möglichkeit, um die Vertrauenswürdigkeit eventueller Freunde zu testen, zu entscheiden, mit wem man Zeit verbringen möchte und von wem man sich besser fernhält. Außerdem pflegen Elefanten ihre Freundschaften durch spielerisches Gerangel und kleine Schubser. Und Bullen, die befreundet sind, werden in der Paarungszeit Abstand zueinander halten und weniger miteinander in Konkurrenz treten.

.Sonnenuntergangsstimmung: eine freundschaftliche Rangelei unter Elefantenbullen.Bei den Elefantenkühen ist das Spiel eine Strategie, um ihre Beschützer- und Führungsrolle innerhalb der Familie zu bekräftigen. Junge Elefantenkühe spielen mit den Kälbern. Sie legen sich hin und ermuntern die Kleinen, auf ihnen herumzuklettern und mit ihnen zu ringen. Selbst ältere Elefantenweibchen nutzen diese Taktik, um sich mit Freunden auszutauschen.

Elefantenweibchen Anghared legt sich hin und zappelt vor ihrer Freundin Anwyn herum.Weil die Persönlichkeit eines Elefanten einen sehr großen Einfluss auf die Elefantenherde hat, beschloss unser Forscherteam, eine Liste typischer Eigenschaften zu erstellen. Bei der Entwicklung dieser Liste trat Verspieltheit als zweitwichtigste Eigenschaft nach Führungsfähigkeit und vor Sanftmut zutage.

Bei jungen Elefantenkühen konnten wir feststellen, dass Führungsfähigkeit und Verspieltheit sehr eng miteinander zusammenhängen. Wir gehen davon aus, dass Beliebtheit und Geselligkeit wichtige Eigenschaften für einen guten Herdenführer sind. Und Verspieltheit ist ein Ausdruck dieser Fähigkeiten.  

Unsere Daten zeigen einen faszinierenden Langzeitzusammenhang zwischen Spiel und Überleben. Elefanten, die als Kälber besonders verspielt waren, kamen am besten mit Umweltstress (beispielsweise in Dürrezeiten) zurecht. Außerdem war ihre Sterblichkeitsrate im Erwachsenenalter niedriger.

Dies ist nur ein weiteres Beispiel für die Feinsinnigkeit der grauen Riesen. Und es ist etwas, was man nur erfährt, wenn man ihr Leben und ihr Verhalten ein Leben lang beobachtet. Eine Erfahrung, die ich um nichts auf der Welt missen möchte.

Erfahren Sie mehr über die Projekte des IFAW zum Schutz der Elefanten.

Vicki Fishlock

 

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