Song of the Whale trifft in Monaco ein

Nach der ersten Hälfte des Sommer-Forschungsprogramms im Mittelmeer trifft die Song of the Whale in Monaco ein.

Mat und Brian holen den Manta-Probenkollektor ein, mit dem an der Meeresoberfläche Wasserproben genommen und auf kleine Plastikpartikel untersucht werden © Marine Conservation Research International /ACCOBAMS

Das einzigartige, nichtinvasive Walforschungsschiff Song of the Whale und seine Mannschaft spielen bei der Accobams Survey Initiative eine zentrale Rolle. Die erste umfassende Zählung von Walen und Delfinen, die das gesamte Mittelmeer umfasst, findet aktuell in diesem Sommer statt. Nach dem offiziellen Start des Projekts in Malaga am Tag des Meeres, dem 8. Juni, hat die Song of the Whale zwei weitere Teilabschnitte der Erhebung abgeschlossen. Nun hat die Mannschaft gerade im nächsten Hafen festgemacht: in Monaco.

Zwar ist es das zweitkleinste Land der Welt, doch beim Meeresschutz ist das Fürstentum Monaco ein wichtiger Akteur mit erheblichem internationalen Einfluss. Neben einem sehr berühmten Meereskundemuseum, das vom Ururgroßvater des Prinzen gegründet wurde, hat auch das Ständige Sekretariat von ACCOBAMS hier seinen Sitz. Auch der renommierte Yacht Club de Monaco findet sich hier. Dort wird die Song of the Whale während ihres kurzen Besuchs und einiger Veranstaltungen anlegen, in einem wunderschönen, einflussreichen Umfeld.

Zwei Rundkopf-Delfinkälber begleiten die Song of the Whale © Marine Conservation Research International /ACCOBAMS

In Mittelmeer und Schwarzem Meer leben 12 Arten Wale und Delfine, die regelmäßig gemeldet werden. Die halb-geschlossenen Meere sind erheblich von durch den Menschen verursachten Belastungen betroffen. Über 30% des weltweiten Schiffsverkehrs gehen durch das Mittelmeer, Fischfang und Verschmutzung stellen weitere Bedrohungen für die hier lebenden Wale und Delfine dar. Mit der Accobams Survey Initiative sollen das Monitoring von Walen und Delfinen langfristig optimiert. Ziel ist auch ein Wissenstransfer auf lokale Wissenschaftler und Experten. Wir helfen damit die Kapazitäten und Fähigkeiten in der Region weiter aufzubauen und damit letztlich die regionale Zusammenarbeit zu verbessern, um letztendlich internationale Verpflichtungszusagen zum Schutz der Artenvielfalt der Meere im Geltungsbereich des Übereinkommens ACCOBAMS zu unterstützen.

In diesem Sommer heißen die Song of the Whale und ihre Mannschaft zahlreiche internationale Projektteilnehmer und Wissenschaftler aus Küstenstaaten an Bord willkommen. Bisher kamen Menschen aus Marokko, Algerien, Montenegro, Spanien, Frankreich und Israel. Teilnehmende aus Tunesien und der Türkei trafen in Monaco ein, um sich an den Forschungen zu beteiligen, bei denen das Mittelmeer von Westen nach Osten systematisch abgefahren wird. Sie halten Vorkommen und Verbreitung von Walen und Delfinen sowie weiter Meerestierarten fest. Außerdem wird erfasst, wo Müll im Meer gefunden wird. Diese Momentaufnahme zu Walen und Delfinen ist die erste Erhebung in diesem Ausmaß, die je im Mittelmeer durchgeführt wurde. Mit ihr können Schätzungen zu Bestandsgrößen vorgenommen und die Verbreitung aller Wal- und Delfinarten des Mittelmeerraums beschrieben werden. Die Erhebung wird mit einem kombinierten Ansatz durchgeführt, vom Meer (Schiffe) sowie von der Luft (Flugzeug) aus. Zeitraum der Erhebung ist Mai bis August 2018.

Dabei konzentriert sich die Song of the Whale auf Gebiete, die nicht durch die Flugzählungen abgedeckt sind. Außerdem übernimmt das Schiff bei weiteren „On-the-Ground“-Maßnahmen der Erhebung eine wichtige Rolle. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf tieftauchenden Arten. Diese Wale, zum Beispiel Schnabelwale und Pottwale, halten sich die meiste Zeit in großer Tiefe auf, weshalb sie bei rein visuellen Zählungen nicht erfasst werden. Am besten lassen sich diese Arten mithilfe eines passiv-akustischen Monitorings ausfindig machen, In diesem Fall geschieht dies, indem eine Hydrophonanordnung (eine Reihe Unterwassermikrofone) entlang vorgegebener Routen (Transektlinien) hinter dem Schiff hergezogen wird.

Zusätzlich zu den Daten zu Walen und Delfinen und anderer Megafauna (einschließlich Mondfischen und Wasserschildkröten) erheben wir Daten zum Vorkommen von Abfällen, sowohl auf der Oberfläche treibend als auch innerhalb der Wassersäule. Die Dichte kleiner Plastikpartikel and der Wasseroberfläche wird mithilfe eines Manta-Probenkollektors gemessen, den wir gemeinsam mit der Organisation 5 Gyres einsetzen. In vielen der bisher entnommenen Proben wurden zahlreiche kleine Plastikpartikel gefunden.

Um die Straße von Gibraltar herum, vor Marokko und Algerien, dann westlich von Sardinien durch spanische und französische Gewässer hat die Mannschaft bereits Erhebungen durchgeführt und an den rund 10.000 km Transektlinie unterschiedlichste Arten dokumentiert, von gewaltigen Finnwalen über tieftauchende Pottwale, selten gesichtete Cuvier-Schnabelwale und große Herden Grindwale bis hin zu zahlreichen Delfinen.

Song of the Whale-Forscher Conor mit der Gruppe algerischer Teilnehmer © Marine Conservation Research International /ACCOBAMS

Während der zwei Tage in Monaco werden Schulkinder auf die Song of the Whale kommen. Außerdem werden bei einem Empfang Regierungsvertretern und anderen einflussreichen Gästen sowie der Presse erste Ergebnisse der aus der Luft und vom Schiff aus durchgeführten Zählungen präsentiert. Nach dem Halt in Monaco macht sich die Song of the Whale auf den Weg nach Süden, durch das Pelagos-Schutzgebiet (das allererste Hochsee-Schutzgebiet für Meeressäugetiere) und das Tyrrhenische Meer zwischen Korsika und Italien, Richtung Tunesien, Sizilien und weiter nach Griechenland. Im letzte Abschnitt der Forschungsreise untersucht die Crew der Song of the Whale das Vorkommen von Walen und Delfinen im- Hellenischen Graben vor der Westküste Griechenlands. In diesem Gebiet gibt es ein hohes Risiko für Pottwale mit einem der zahlreichen Handelsschiffen zusammen zu stoßen, oft mit tödlichen Folgen für den Wal.

Im August gibt es das nächste Mal Neuigkeiten von der Song of the Whale. Dann wird die Mannschaft in den viel befahrenen Gewässern vor Griechenland nach Pottwalen und Schnabelwalen Ausschau halten und so den IFAW in seinen Bemühungen unterstützen, gemeinsam mit griechischen Partnern und der griechischen Regierung die Gefahr von Schiffskollisionen für die gefährdeten Pottwale zu verringern.  

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Experten

Dr. Maria (Masha) N. Vorontsova, Regionaldirektorin Russland und GUS
Regionaldirektorin Russland und GUS
Patrick Ramage, Programmdirektor Meeresschutz
Programmdirektor Meeresschutz