Sachalin: Ölindustrie vertreibt bedrohte Westpazifische Grauwale aus Kinderstube

Mittwoch, 20 Juli, 2016
Hamburg

Westpazifischer Grauwal vor Ölbohrplattform bei Sachalin.

Die Ölförderfirma Exxon-Neftegaz vertreibt mit ihren Aktivitäten die stark bedrohten Westpazifischen Grauwale aus wichtigen Nahrungsgründen in der Bucht von Piltun bei der Insel Sachalin an der Ostküste Russlands.

„Die Aktivitäten von Exxon-Neftegaz sind eine akute Bedrohung für das Überleben dieser Grauwalpopulation. Derzeit hält sich Exxon-Neftegaz an keinerlei Auflagen und Absprachen“, sagt Andreas Dinkelmeyer, Walexperte des IFAW (International Fund for Animal Welfare).

Vor Ort beobachten Umweltschützer und Wissenschaftler, wie Exxon-Neftegaz Schwertransporte per Schiff quer durch die Piltunbucht bei der Insel Sachalin durchführen. Die Piltunbucht ist für Walmütter mit ihren Kälbern der wichtigste bekannte Nahrungsgrund der stark bedrohten Westpazifischen Grauwale. Diese Aktivitäten verletzen die Umweltauflagen der russischen Behörden, die der Firma für den Bau einer Ölbauplattform auferlegt wurden.

Als die jährliche wissenschaftliche IFAW-Expedition zur Beobachtung der Westpazifischen Grauwale Anfang Juli in seinem Untersuchungsgebiet ankam, konnten die Wissenschaftler keine Walmütter und Kälber entdecken. „Unsere Experten sahen nur Schwerlastbargen mit Schleppern, die Tag und Nacht die Piltunbucht querten, selbst bei schlechter Sicht und Nebel“, so Dinkelmeyer weiter. „Zudem fuhren die Schiffe häufig zu schnell und es wurden nicht zugelassene Schlepper verwendet. Damit werden alle Umweltauflagen sträflich verletzt. Exxon muss hier schnell reagieren, um die bedrohten Wale zu schützen. Natürlich haben wir auch schon die zuständigen Behörden informiert“.

Schon 2013 hatten Umweltverbände, darunter auch der IFAW, Vorbehalte gegen den Bau der Sachalin-1 genannten Ölbohrplattform. Laut der damaligen Unterlagen stellte der Schwerlasttransport quer durch die relativ seichte Piltunbucht das größte Risiko für die Wale, aber auch Robben und Fische, dar.

Der Bestand der Westpazifischen Grauwale wird auf 150 bis 200 Tiere geschätzt. Die Weltnaturschutzunion IUCN listest die Art als vom Aussterben bedroht. Seit 2000 erforscht der IFAW die einzigartige Grauwalpopulation im Ochotskischen Meer. Unsere Daten belegen, dass die erfolgreiche Reproduktion dieser Population in Jahren starker Störung scheitert.

Post a comment

Pressekontakt

Andreas Dinkelmeyer
Telefon:
+49 (0)40 866 500 15
Mobiltelefon:
+49 (0)173 622 75 39
E-Mail:

Experten

Dr. Maria (Masha) N. Vorontsova, Regionaldirektorin Russland und GUS
Regionaldirektorin Russland und GUS
Patrick Ramage, Programmdirektor Meeresschutz
Programmdirektor Meeresschutz