Rettungsaktion: Buckelwal in Island von Fischernetzen befreit

Vor einigen Wochen entdeckten Whale-Watching-Schiffe auf ihrer täglichen Tour in die Bucht von Faxaflói, einem der beliebtesten Whale-Watching-Gebiete in Europa, einen Buckelwal, der sich in einem Fischernetz verfangen hatte.

Besatzung und Passagiere machten sich große Sorgen um das Tier, das offenbar ums Überleben kämpfte. Der isländischen Küstenwache gelang es, einige Schnüre loszuschneiden. Doch das Tier hatte sich so sehr verfangen, dass Spezialwerkzeug und ausgebildete Einsatzkräfte nötig waren, um den Wal vor einem grausamen Tod zu bewahren.

Es war das erste Mal, dass in dieser Gegend eine solche Rettungsaktion durchgeführt werden sollte. Und die Zeit drängte. Brian Sharp, IFAW Experte für Rettungseinsätze von Meeressäugern, und ich trafen die Leiter der drei lokalen Whale-Watching-Unternehmen in Reykjavik und einen Vertreter des isländischen Whale-Watching-Verbands Icewhale. Sie alle arbeiten bereits seit zwölf Jahren mit dem IFAW zusammen. Wir besprachen genau die Durchführung dieses komplizierten und gefährlichen Rettungseinsatzes. Das Institut für Meeresforschung und das Umweltministerium sicherten ebenfalls ihre Unterstützung zu.

Bei Regen begab sich unser Rettungsteam mit einem Whale-Watching-Boot auf die Suche nach dem Wal. Im Team waren auch Vertreter der Organisation British Divers Marine Life Rescue und der isländischen Behörde für Ernährung und Gesundheit.

Als wir den Wal schließlich sahen, machte Brian sich mit zwei weiteren Teammitgliedern mit einem kleinen Schlauchboot auf den Weg, um näher an den Wal heranzukommen. Wir planten, eine kleine rote Boje am dem Netz befestigen, in dem sich der Wal verfangen hatte, um ihm besser folgen zu können. Außerdem wollte das Team sich an der Schnur, die an der Boje befestigt war, mit dem kleinen Boot immer wieder an den Wal heranziehen und versuchen, ihn von dem Netz zu befreien.

Wir bemerkten eine tiefe Narbe an der Schwanzflosse, verursacht durch das Netz und die Schnüre, die ihn fest umwickelten. Wir befestigten noch mehr Bojen an dem Wal, damit er gezwungen war, länger an der Oberfläche zu bleiben.

Wegen der schwierigen Bedingungen und da der Wal immer wieder erfolgreich vor uns auswich, war die Rettungsaktion bei Einbruch der Dunkelheit noch immer nicht beendet. Um den Wal am nächsten Tag und auch im Dunkeln wieder aufspüren zu können, brachten wir einen Satellitensender an dem Netz an, in dem er sich verfangen hatte.

Am nächsten Morgen bei Tagesanbruch kam unser Team zurück. Mit Hilfe des Satellitensenders konnte das Team den Wal schnell wiederfinden. Schnelligkeit war wichtig, denn die Wettervorhersage versprach für den anstehenden Tag eine Verschlechterung. Das Team begann sofort, weitere Bojen am Wal zu befestigen, damit er langsamer schwamm und an der Oberfläche blieb und wir ihn von dem Netz befreien konnten. Es dauerte noch fast vier Stunden. Aber am Ende hatte das Team das Netz so zerschnitten, dass der Wal den Rest des Fischernetzes alleine abschütteln konnte. Die Schnüre hatten sich teilweise tief in seine Haut eingegraben. Wir gehen jedoch davon aus, dass die Schnüre im Laufe des Heilungsprozesses von seiner Haut abfallen werden.

Unser Team ist zuversichtlich, dass der Wal bald wieder fressen wird und seine Verletzungen schnell heilen. Diese einzigartige Rettungsaktion ist das jüngste Beispiel unseres langjährigen Engagements für Wale rund um Island und dafür, wie bedeutsam wirksame Kooperationen sind. In dieser erstmaligen Kooperation zwischen staatlichen Behörden, Privatunternehmen und internationalen Einsatzkräften traten sowohl die Stärken als auch die Schwächen zutage, die Island in Bezug auf solche Rettungseinsätze noch hat.

Ein Wal wurde gerettet. Island steht jedoch noch viel Arbeit bevor, um die Bestimmungen zu verbessern und Zuständigkeiten für künftige Rettungseinsätze von Meeressäugern klarer festzulegen. Auch dabei helfen wir sehr gerne.

Erfahren Sie mehr über die Arbeit des IFAW zum Schutz der Wale.

Sigursteinn Másson

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Experten

Dr. Maria (Masha) N. Vorontsova, Regionaldirektorin Russland und GUS
Regionaldirektorin Russland und GUS
Patrick Ramage, Programmdirektor Meeresschutz
Programmdirektor Meeresschutz