Rückblick nach zehn Jahren: Erdbeben und Tsunami in Südasien

Der Junge Emmanuel mit seinem Hund inmitten der Trümmer nach einem Tsunami, der im Dezember 2004 über die Fischerdörfer von Chennai in Indien hinwegfegte.Der 26. Dezember vor genau zehn Jahren war für Tausende Menschen ein Tag des Schreckens, denn ein verheerendes Erdbeben und ein Tsunami suchten Südasien heim. Von Thailand bis Ostafrika wurden Küstenorte und Ferienzentren dem Erdboden gleich gemacht. Es war eine Tragödie von monumentalem Ausmaß. Mehr als 200.000 Menschen starben und 1,6 Millionen Menschen wurden heimatlos.

Hilfe kam von überall. Viele Hilfsorganisationen machten sich auf, um vor Ort zu helfen. Das Ausmaß der Zerstörung war erschütternd. Familien waren auseinandergerissen worden. In vielen Fällen waren die Angehörigen tot. Der IFAW half damals in Indonesien, die Tiere zu retten.  

Vor Kurzem berichtete mir mein Kollege Ian Robinson, der beim Indonesien-Einsatz dabei war: “ Ich hatte schon Hilfsaktionen bei Ölunfällen und Tierseuchen mitgemacht. Aber solche zerstörerischen Auswirkungen auf die menschliche Bevölkerung wie hier in Indonesien hatte ich noch nie gesehen. Ich war besorgt, dass die Menschen bei so viel eigenem Leid vielleicht unser Hilfsangebot für Tiere ablehnen würden. Sobald sich jedoch die Nachricht von unserer Ankunft verbreitet hatte, reisten die Menschen von überall per Fahrrad, Tuktuk oder zu Fuß an, um Hilfe für ihre Tiere zu erbitten. Sie erzählten uns ihre Geschichten von verlorenen und wiedergefundenen Haustieren, von der unendlichen Treue und Geduld der zurückgebliebenen Tiere und natürlich von der glücklichen Wiedervereinigung. Niemand, der all dies erlebt hat, würde danach noch an der Bedeutung der Verbindung zwischen Mensch und Tier zweifeln.“   

Der IFAW spielte damals beim Wiederaufbau eine entscheidende Rolle. Viele Menschen in betroffenen Gegenden waren Bauern und deshalb von ihren Tieren abhängig. Der IFAW fütterte und impfte unzählige Haus- und Nutztiere und half so, eine Verbreitung von Seuchen und Krankheiten und damit verbundene weitere Todesfälle zu verhindern.

Wir haben dort erlebt, wieviel es für jemanden, der alles verloren hat, bedeutet, auch nur einen winzigen Teil seines Lebens zurückzubekommen. Es mag unbedeutend klingen, doch für einen Menschen, der gerade seine Familie und seine Existenz verloren hat, kann es in solchen Momenten alles bedeuten, seine Ziege oder seine Katze in den Arm nehmen zu können.

Auch wenn es immer schwierig bleiben wird, auf Naturkatastrophen vorbereitet zu sein, so haben wir doch in den vergangenen zehn Jahren auf diesem Gebiet viel dazugelernt und erreicht. Wir haben uns mit Rettungsteams vor Ort zusammengeschlossen und unsere weltweiten Soforthilfe-Netzwerke ausgebaut. Diese Zusammenarbeit hilft uns, im Notfall schneller und effektiver zu reagieren.

Das IFAW Soforthilfe-Netzwerk in Südostasien erlangte bei den Naturkatastrophen im Jahr 2013 große Bedeutung. Unter anderem wurde die Region von einem Erdbeben, Vulkanausbrüchen und dem Taifun Haiyan heimgesucht. Der IFAW war vor Ort, um zusammen mit Partnern wie der Philippine Animal Welfare Society (PAWS) die Tiere zu retten. Während des Haiyan-Einsatzes trug der IFAW wesentlich zur Bildung einer nationalen und internationalen Koalition von Regierungsabteilungen, Nichtregierungsorganisationen und privaten Wirtschaftsunternehmen bei. Wir hoffen, dass diese Herangehensweise an vielen Orten der Welt Anwendung finden wird.

Der IFAW ist nicht nur während der Katastrophen vor Ort. Mithilfe unserer Soforthilfe-Netzwerke können wir dauerhaft das Know-how und die Kapazitäten vor Ort erhöhen und die Menschen durch Trainings und Schulungen auf den nächsten Ernstfall vorbereiten. Derartige Schulungen haben wir bereits in USA, Mexiko, Kanada, Australien, Indien, Indonesien und auf den Philippinen durchgeführt.

Vor Kurzem traf ich bei einem Training unseres Soforthilfe-Netzwerks auf den Philippinen jemanden, dessen Familie in Thailand lebt. Er erzählte mir, wie seine Familie die Tragödie damals überlebte: Nach dem Erdbeben hatten sie drastische Veränderungen im Verhalten ihrer Nutztiere wahrgenommen. Als die Tiere sich auf höher gelegenes Land flüchteten, folgten die Menschen ihnen. Dies rettete ihnen das Leben, denn der Tsunami vernichtete kurz darauf das gesamte Dorf.

Ich bin sehr glücklich über die Hilfsmaßnahmen, die der IFAW in den vergangenen zehn Jahren entwickelt und eingeführt hat und wieviel dadurch verändert werden konnte. Wir beobachten Tiere und hören ihnen zu – mehr denn je. Und wir müssen auch in Zukunft weiterhin noch sehr viel dazulernen.

Shannon Walajtys

Für unsere weltweite Rettungsarbeit brauchen wir die Hilfe von Menschen wie Ihnen.

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Experten

Kampagnenberater
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Brian Sharp, Leiter Rettungseinsätze, Einsatzkoordinator für Strandungen
Leiter Rettungseinsätze, Einsatzkoordinator für Strandungen
Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Gail A'Brunzo, Leiterin IFAW Wildtierschutz
Leiterin Wildtierschutz, IFAW
Veterinarian, DVM, PhD - IFAW Beijing
Tierärztin, DVM, PhD
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Programmdirektorin Tierrettung
Shannon Walajtys, Leiterin IFAW Katastrophenhilfe
Leiterin des Bereichs Katastrophenhilfe
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Senior-Berater für Strategische Partnerschaften und Philanthropie