Paarungszeit für Wölfe in Polen

Seit 2001 beobachtet Wolfsexpertin Dr. Sabina Nowak unter anderem für den IFAW die Rückkehr der Wölfe in Westpolen und studiert ihre Ernährungsweise und Populationsdynamik. Jetzt haben Sabina und ihr Kollege Robert Mysłajek von einer ihrer Expeditionen neue Erkenntnisse und Fotos mitgebracht:

Jedes Jahr im Februar sind Wolfsexperten der Association for Nature Wolf (AfN) in den Wolfgebieten und studieren die Tiere. Es ist die Paarungszeit der Wölfe in Mitteleuropa. Wolfspaare zeigen in dieser Zeit ein sehr typisches Verhalten. Sie wandern über lange Strecken durch die Zentren und Grenzgebiete der Rudelterritorien, setzen Duftmarken mit Urin und kratzen bei jeder Wegkreuzung den Boden deutlich auf.

Kratzspuren auf dem Boden an Wegkreuzungen warnen eindringende fremde Wölfe, dass das Gebiet bereits besetzt ist.Sie jagen zusammen, haben romantische Abendmahle unter dem Nachthimmel und ruhen nah aneinander – deutliche Zeichen der Paarung. Der Rest der Wolfsfamilie bleibt zurück, frisst, was in der Zwischenzeit erbeutet wurde und wartet im sicheren Versteck auf die Eltern. Wenn die Beute aufgefressen ist, kommen die Eltern zurück und führen die Familie zur nächsten Jagd.

Spuren eines Weibchens: Blutstropfen, das Zeichen der Ranz, sichtbar zwischen ihren FußabdrückenIm Schnee ist es leichter Spuren von Wolfspaaren zu finden und ihnen über viele Kilometer zu folgen. Dadurch lässt sich die Größe der Territorien schätzen, zwischen Paaren verschiedener Rudel unterscheiden und feststellen, ob die Paare dort ansässig sind. Außerdem lassen sich aus den Urinspuren und Blutstropfen von Weibchen in der Ranz genetische Proben sammeln.

Aus diesen Gründen folgen wir den Wölfen jedes Jahr im Februar, wenn Schnee in Westpolen liegt. Dabei können wir bekannte Wölfe wiedererkennen und zwischen den ansässigen Wolfsrudeln unterscheiden. Dieses Jahr war der Winter in Westpolen sehr mild. Daher haben wir die Paarungszeit in Nordpolen verbracht und sind den dortigen Wolfsrudeln gefolgt. Dies ist die Ursprungspopulation, von der jedes Jahr junge Wölfe nach Westpolen und Deutschland abwandern. Mit den gesammelten Daten und genetischen Proben können wir die Wölfe beider Regionen vergleichen.

Wir hoffen, herauszufinden, wie intensiv der Austausch zwischen den Individuen ist. Solch ein Austausch zwischen den Tieren unterschiedlicher Regionen und Populationen ist wichtig, um die genetische Vielfalt in den Wolfsvorkommen zu erhöhen und diese gesund und langfristig lebensfähig zu erhalten.

Robert Kless

Erfahren Sie mehr über die Arbeit des IFAW für den Schutz der Wölfe.

 

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Experten

Robert Kless, Leiter IFAW Deutschland
Leiter IFAW Deutschland