Neue Studie zeigt: Legale Elfenbeinverkäufe verschärfen die Wildereikrise

Viele Verbraucher glauben, dass es sich bei Elfenbein um ein legales Produkt handelt, wenn man es frei kaufen kann.Seit langer Zeit schon setze ich mich für den Schutz der Elefanten vor kommerziellem Elfenbeinhandel ein und beobachte die Veränderungen der Nachfrage unter chinesischen Verbrauchern. Und ich war von Anfang an fest überzeugt, dass der freie Verkauf von Elfenbeinlagerbeständen im Jahr 2008 ein Fehler war, vor dem wir im Vorfeld gewarnt hatten. Doch bis vor kurzem konnte keine wissenschaftliche Studie unsere Bedenken belegen.

Doch das ist jetzt anders: Gerade veröffentlichte die gemeinnützige Forschungsorganisation National Bureau of Economic Research eine Untersuchung unter dem Titel "Does Legalization Reduce Black Market Activity? Evidence from A Global Ivory Experiment and Elephant Poaching Data". Aus der Studie geht hervor, dass der Elfenbeinverkauf 2008 "mit einem schlagartigen, erheblichen, dauerhaften und großflächigen Anstieg der Elfenbeinwilderei einherging."

Die Wissenschaftler Solomon Hsiang und Nitin Sekar fanden heraus, dass der durch das Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten (CITES) genehmigte, legale Elfenbeinverkauf 2008 "einen abrupten Anstieg der illegalen Elfenbeinproduktion um etwa 66 Prozent auf zwei Kontinenten bewirkte verbunden mit der Gefahr einer zukünftigen Verzehnfachung,." Parallel zu dieser Entwicklung sei es auch beim Elfenbeinschmuggel von Afrika aus zu einem Anstieg um etwa 71 Prozent gekommen.

Die Untersuchung beweist, dass eine Legalisierung des Elfenbeinhandels der illegalen Wilderei Vorschub leistet: Kauf und Besitz von Elfenbein verlieren jegliches gesellschaftliche Stigma. Dies heizt die Nachfrage an. Eine Alptraum, den ich jahrelang mitansehen musste. Hier die Ergebnisse der jetzt erschienenen Untersuchung im Überblick:

  • Viele Verbraucher gingen in der Untersuchung davon aus, dass es sich bei Elfenbein um ein legales Produkt handelt, wenn man es frei erwerben kann. Chinesische Verbraucher, die sich vorher nicht für Elfenbein interessierten, erlebten plötzlich, wie Elfenbein als "weißes Gold", als modisches Must-have, als Sammel- und Spekulationsobjekt oder als perfektes Geschenk beworben wurde.
  • Chinesische Investoren - aufmerksam geworden durch emporschnellende Preise für Elfenbein- und Nashornschnitzereien - entdeckten gefährdete Tierarten sogar als neue Anlagemöglichkeit. Wie dieser chinesische Fernsehbericht über Kunst als Wertanlage aus dem Jahr 2011 zeigt, konnten Geschäfte gar nicht genug Elfenbeinprodukte im Regal haben. Elfenbeinprodukte waren auf der Stelle ausverkauft.
  • Um die steigende Nachfrage in China zu bedienen, stiegen Elfenbeinfabriken von Handwerkzeugen auf elektrische Bohrmaschinen um. Elfenbeinfiguren, die weder künstlerisch noch handwerklich von Wert waren, wurden in Massenproduktion hergestellt. Auf die Verarbeitung legten die Verbraucher keinen Wert. Es zählte nur das Material Elfenbein.
  • Wie die IFAW-Studie "Making a Killing" aus dem Jahr 2011 zeigt, hat der Verkauf von Elfenbeinlagerbeständen dazu beigetragen, eine neue, tödliche Währung zu etablieren. Die steigenden Preise für Elfenbein in China boten Händlern Anreize, Elfenbein illegal aus Ländern zu schmuggeln, in denen es leicht zu bekommen war. Es ist nicht überraschend, dass Japan, wo der illegale Elfenbeinhandel florierte, eine ideale Quelle für chinesische Schmuggler war.
  • Der IFAW hatte bereits 2006 davor gewarnt, dass ein weiterer Elfenbeinverkauf erneut einen unkontrollierbaren Anstieg der Nachfrage auslösen würde. Ein Verkauf von 50 Tonnen Elfenbein in Japan im Jahr 1999 hatte schon einmal zu einem Anstieg des illegalen Elfenbeinhandels geführt.

Die Entscheidung für den Elfenbeinverkauf "hat sich sehr böse gerächt", erklärte Solomon Hsiang, einer der Autoren der Studie, in der britischen Tageszeitung The Guardian. Der Wissenschaftler war früher ein Befürworter des legalen Elfenbeinverkaufs, hat seine Meinung jedoch mittlerweile geändert.

Die politischen Entscheider, die einer Legalisierung des Elfenbeinverkaufs zugestimmt hatten, glaubten, dass der legale Verkauf zu einer Sättigung des Marktes führen würde und die Preise dadurch so sehr sinken würden, dass Wilderei nicht mehr lukrativ wäre.

Man orientierte sich an dem einfachen ökonomischen Modell von Angebot und Nachfrage, in dem erwartet wird, dass der Preis steigt, wenn das Angebot knapp ist und der Preis fällt, wenn das Angebot steigt. Doch dies war nicht der Fall.

Wenn es um langlebende und sich langsam fortpflanzende Arten wie Elefanten geht, können wir nicht einfach eine ökonomische Theorie anwenden.

Wenn man bei der Regulierung des Wildtierhandels nur ökonomische Lehrbuchtheorien nutzt - ohne soziale, kulturelle, politische und ökonomische Gegebenheiten vor Ort zu berücksichtigen, hat dies katastrophale Folgen.

Die CITES-Mitgliedstaaten treffen sich im September dieses Jahres in Johannesburg erneut zur CITES Vertragsstaatenkonferenz. Abgesehen von den Anträgen zur Anpassung der Bestimmungen für den Handel von Elfenbein und Nashornhorn steht auch die Einführung eines Mechanismus auf der Agenda, der künftige Experimente mit Elfenbeinhandel regulieren soll.

Haben wir aus den früheren tödlichen Experimenten keine Lehren gezogen? Haben wir nicht die ethische und moralische Verpflichtung, gefährdeten Arten solche Experimente zu ersparen?

Grace Gabriel

Erfahren Sie mehr über unsere Arbeit im Kampf gegen den illegalen Wildtierhandel.

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Experten

Azzedine Downes, Präsident und CEO
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Beth Allgood, IFAW Länderdirektorin USA
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Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
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Cynthia Milburn, Senior-Beraterin Strategieentwicklung
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Faye Cuevas, Esq., Vizepräsidentin
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Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
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Kelvin Alie, IFAW Vizepräsident Natur- und Tierschutz
Vizepräsident
Patrick Ramage, Programmdirektor Meeresschutz
Programmdirektor Meeresschutz
Rikkert Reijnen, Programmdirektor Wildtierkriminalität
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