Indien: Nach Erkundungstouren in der Wildnis ist Bizoo der Bär bereit für seine Auswilderung

Before Bizoo is released, he needed to be acclimatized to the wild.Diesen Bericht verfasste Debahutee Roy, Mitarbeiterin im Rehabilitationszentrum für Bären in Arunachal Pradesh, Indien.

Bizoo wurde im Bären-Rehabilitationszentrum des IFAW und des Wildlife Trust of India geboren und dort von seiner Mutter großgezogen.

Er war scheu und hatte selten Kontakt zu Menschen. Doch da er seit kurzem ein aggressives Verhalten an den Tag legte, machte sich unser Team Gedanken, was mit dem einjährigen Bären als Nächstes geschehen solle.

Nach langer Diskussion wurde entschieden, dass der richtige Zeitpunkt gekommen sei, den jungen Bären in die Wildnis zu entlassen. Vor seiner Freilassung musste er jedoch zunächst einmal an die Wildnis gewöhnt werden. Das hieß, dass wir erst einmal längere Spaziergänge im Wald mit ihm machen mussten.

Zum Ablauf einer Bären-Rehabilitation gehört, dass sich der Bär erst einmal draußen in Begleitung eines Tierpflegers bewegt. Nach und nach entfernt sich der Pfleger dann immer mehr, bis sich sein Schützling auch allein wohlfühlt.

Wir gingen am Abend vor Bizoos erstem Spaziergang früh schlafen, um ihn gleich frühmorgens für seinen ersten Spaziergang hinauszubringen. Als wir ankamen, um ihn abzuholen, faulenzte er in seinem Gehege. Ein Tierpfleger und ich hielten ihm ein bisschen Obst hin, um ihn aus dem Gehege zu locken.

Doch Bizoo wirkte ängstlich. Er folgte uns bis zur Leiter, sah hinunter und schoss zurück in sein Gehege. Das ging so weiter bis 12:30 Uhr. Wir waren schon ganz erschöpft von diesem scheinbar nie enden wollenden Spielchen.

Bärenjungen, die von Tierpflegern aufgezogen werden, sind normalerweise nicht so scheu. Bizoo wurde jedoch von seiner Mutter großgezogen und nicht von einem Pfleger. Er hatte daher wenig Kontakt zu Menschen.

Etwa um 13 Uhr gingen vier von uns auf die Plattform. Als Bizoo aus dem Gehege kam, machten wir sofort das Tor zu. Er war verwirrt, da er nicht wusste wohin. Dann wurde er unruhig und versuchte eine Weile, auf Bäume zu klettern. Einmal verlor er beim Klettern plötzlich den Halt und plumpste auf den Boden. Dadurch platzte bei ihm der Knoten: Durch den Absturz schien er seine Angst verloren zu haben.

Bizoo wirkte ängstlich.Er sprang auf, lief übermütig zum nahegelegenen Fluss und begann zu schwimmen. Er wälzte sich im Schlamm, ging wieder zurück ins Wasser und rannte wild durch die Gegend. Er kletterte auf Bäume und buddelte in der Erde.

Er verhielt sich ähnlich wie ein Kleinkind, das gerade laufen gelernt hat. Nach und nach entfernte er sich fast 70 Meter vom Käfig und begann die Wildnis um ihn herum zu genießen. Bald darauf rannte er auch tiefer in den Wald. Wir konnten ihn noch immer sehen. Doch er sah uns nicht mehr, denn wir hatten uns im Gestrüpp versteckt.

Das machte ihn nervös. Wie ein Kind rannte er zurück zu uns, um sicherzugehen, dass wir noch da waren. Als er uns erblickte, blieb er stehen und starrte uns an. So wollte er uns wohl sagen, dass wir ihm folgen sollten.

Normalerweise führt der Tierpfleger die Bären spazieren, doch Bizoo hatte andere Pläne: Er führte uns spazieren. Wir folgten ihm noch eine Weile und versteckten uns wieder hinter einem Busch. Auch dieses Mal eilte er zurück, um nach uns zu schauen. Ich musste innerlich schmunzeln und fragte mich, was in Bizoos Kopf wohl vorgeht.

Den ganzen Tag verbrachte unser Team damit, mit einem Bären Verstecken zu spielen. Spät am Abend schien Bizoo endlich müde zu sein. Er suchte Unterschlupf in einem Baum hinter seinem Gehege. Auch wir waren sehr erschöpft und kehrten zu unserem Lager zurück.

Am nächsten Morgen erreichten wir das Gehege um 5:30 Uhr. Bizoo war noch immer auf dem Baum. Nach einer halben Stunde kam er bereitwillig herunter, um Obst zu fressen. Als er satt war, ging er sofort wieder auf Erkundungstour. Wir folgten ihm. Bald war er wieder ganz der Alte. Er kletterte, buddelte und fraß.

So ging es fünf Tage lang. Am sechsten Tag gab es Anzeichen, dass ihn unsere Anwesenheit störte. Das hieß, dass es nun Zeit für Bizoo war, dahin zu gehen, wo er hingehört: in die Wildnis.

Wir sind sehr glücklich, dass wir einen weiteren Bären zurück in seinen natürlichen Lebensraum entlassen konnten. Bis heute haben der IFAW und der Wildlife Trust of India in gemeinsamen Rehabilitationsprojekten in Assam und Arunachal Pradesh 43 Bären per Hand aufgezogen und ausgewildert.  

Rupa Gandhi Chaudhary

Erfahren Sie mehr über unsere Projekte zur Rehabilitation und Auswilderung von Wildtieren.

Post a comment

Experten

Kampagnenberater
Kampagnenberater
Brian Sharp, Leiter Rettungseinsätze, Einsatzkoordinator für Strandungen
Leiter Rettungseinsätze, Einsatzkoordinator für Strandungen
Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Katie Moore, Leiterin Marine Mammal Rescue and Research
Programmdirektorin Tierrettung
Shannon Walajtys, Leiterin IFAW Katastrophenhilfe
Leiterin des Bereichs Katastrophenhilfe
Vivek Menon, IFAW Senior-Berater Strategische Partnerschaften
Senior-Berater für Strategische Partnerschaften und Philanthropie