Europa muss Maßnahmen gegen den Import von Elfenbein-Trophäen ergreifen

Die europäischen Staaten müssen die nötigen Maßnahmen ergreifen, um Importverbote einzuführen.China hat ein einjähriges Importverbot für Elfenbein-Jagdtrophäen aus Afrika verkündet. Das Embargo tritt unmittelbar in Kraft und läuft bis zum 15. Oktober 2016. Es ist die letzte einer ganzen Reihe von Maßnahmen, die China zur Unterbindung des illegalen Elfenbeinhandels ergriffen hat.

Erst vor drei Wochen gaben China und die USA eine gemeinsame Erklärung ab, in der sie ein "fast vollständiges Verbot für Elfenbeinimporte und -exporte, einschließlich baldiger und signifikanter Restriktionen für den Import von Elfenbein als Trophäen" in ihren Ländern versprachen. Die Präsidenten Xi Jinping und Barack Obama kündigten an "signifikante und baldige Maßnahmen zur Unterbindung des kommerziellen Handels mit Elfenbein" zu ergreifen.

Für Europa ist das Thema Elfenbeinhandel kein Neuland.

Länder wie Großbritannien, Schweden und die Niederlande haben sich bereits zu schärferen Restriktionen oder Verboten des Elfenbeinhandels bereit erklärt.

Die EU hat sich jedoch bisher zurückgehalten. Immerhin haben sich die EU-Mitgliedstaaten mit der neuen Verordnung (EU) 2015/870 vom 5. Juni 2015 auf die Einführung strengerer Kriterien für den Import von Jagdtrophäen geeinigt.

Demzufolge muss die Trophäenjagd durch einen sorgfältig erarbeiteten Arten-Managementplan geregelt werden, der:

  • auf verlässlichen biologischen Daten basiert,
  • belegen kann, dass die Jagdquoten Arten nicht gefährden,
  • von Biologen überwacht wird,
  • kurzfristig geändert werden kann, um den Schutz der Arten sicherzustellen,
  • berücksichtigt, dass illegale Aktivitäten kontrolliert werden,
  • erhebliche und messbare Vorteile für den Schutz der Arten mit sich bringt,
  • in Zusammenarbeit mit und zum Nutzen der einheimischen Bevölkerung erarbeitet wird, die das Land mit der betreffenden Art teilt oder in Konflikt mit ihr ist.

Es ist eine direkte Folge dieser neuen Bestimmungen, dass der wissenschaftliche Prüfungsausschuss von EU und CITES eine negative Stellungnahme hinsichtlich des Imports von Jagdtrophäen aus Tansania und Mosambik erlassen hat – die de facto ein vorübergehendes Importverbot bedeutet.

Dies ist jedoch nur ein kleiner Schritt, wenn man betrachtet, welche Maßnahmen China und die USA derzeit ergreifen. Wenn die Europäische Union weiterhin so zögerlich ist, müssen die europäischen Staaten jeder für sich die nötigen Maßnahmen ergreifen, um eigene Verbote einzuführen.

Chinas Ankündigung ist ein weiterer konkreter Schritt, um das Versprechen eines umfassenden Elfenbeinimportverbots einzulösen, das Präsident Xi Jingping gegeben hat. Im Februar trat bereits ein einjähriges Verbot für afrikanische Elfenbeinschnitzereien in Kraft, die nach der Einführung der Konvention über den Internationalen Handel mit gefährdeten Arten wildlebender Tiere und Pflanzen (CITES) im Jahr 1975 erworben wurden.

In einem Interview mit der chinesischen Nachrichtenagentur YICAI.com erläuterte ein Vertreter der chinesischen Forstbehörde: "Die Reihe von Maßnahmen, die China ergriffen hat, etwa eine öffentliche Elfenbeinzerstörung und ein Importverbot für Elfenbein, tragen zur Reduzierung der Nachfrage nach Elfenbein bei, indem sie den Konsum stigmatisieren."

Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin des IFAW in Asien, fordert jedoch eine Verlängerung des Verbots über ein Jahr hinaus. Nur mit klaren und unmissverständlichen Verbotsgesetzen, ihrer konsequenten Durchsetzung und hohen Strafen für den Verstoß kann Elfenbeinhandel stigmatisiert und die Nachfrage letztendlich reduziert werden.

Das gilt auch für Europa: Wenn wir China in seinen Bemühungen, den Elfenbeinkonsum zu stigmatisieren, unterstützen wollen, dürfen wir China nicht die Möglichkeit geben zu argumentieren: "Wenn es die Europäer dürfen, warum dann nicht auch wir?".

Es ist an der Zeit zu handeln. Und das sollten die europäischen Staaten jetzt tun.

Satyen Sinha

Erfahren Sie mehr über die Arbeit des IFAW zum Schutz bedrohter Arten. 

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Azzedine Downes, Präsident und CEO
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Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
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Leiterin der Kampagne gegen illegalen Online-Wildtierhandel, IFAW Großbritannien
Vivek Menon, IFAW Senior-Berater Strategische Partnerschaften
Senior-Berater für Strategische Partnerschaften und Philanthropie