EU verbietet Importe von Elefantentrophäen aus weiteren afrikanischen Ländern

Der Import von Jagdtrophäen bleibt verboten, bis die wissenschaftliche Prüfgruppe aus EU und dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES entscheiden, dass die dafür erforderlichen Kriterien erfüllt sind.Nach einer Tagung von Experten der EU-Mitgliedstaaten, die vor kurzem stattfand, gab die Europäische Kommission Folgendes bekannt:

“Die wissenschaftliche Prüfgruppe der EU hat am 2. Juli 2015 entschieden, eine negative Stellungnahme hinsichtlich des EU-Imports von Jagdtrophäen von Afrikanischen Elefanten aus Tansania und Mosambik abzugeben."

Dies mag zunächst nicht gerade nach einer bahnbrechenden Maßnahme klingen. Eine negative Stellungnahme signalisiert im besten Fall die Missbilligung einer Aktivität, aber nicht mehr.

Im EU-Jargon ist diese Stellungnahme jedoch eine der wirkungsvollsten Aussagen, die es gibt. Denn sie läuft auf den Erlass eines Importverbots von Elefanten-Jagdtrophäen aus diesen beiden Ländern heraus.

Mit diesem Schritt bekräftigt die EU die bereits bestehende negative Stellungnahme in Bezug auf Trophäen aus Sambia. Mit dem Importverbot aus Botswana, welches das Land aus eigener Initiative erlassen hat, gilt nun für einen großen Teil des afrikanischen Kontinents ein Importverbot.

Bevor wir jedoch euphorisch werden, müssen wir uns eines vor Augen führen: Es handelt sich nicht um ein zeitlich unbefristetes Verbot. Und es gilt auch nur für die genannten Länder. Die EU vertritt nach wie vor die Ansicht, dass Trophäenjagd im Naturschutz eine Berechtigung hat. Obwohl der kommerzielle Handel mit Elefantenprodukten wie Elfenbein verboten ist, lautet die Meinung der EU offiziell:

"Jagdtrophäen sind von diesem Verbot ausgenommen, weil sie als persönliche Gegenstände gelten und der Tatsache Rechnung getragen werden soll, dass Jagdtrophäen auch zum Naturschutz beitragen. Die Einfuhr von Jagdtrophäen ist deshalb in der EU unter bestimmten Bedingungen gestattet, sofern die Bestimmungen für die Trophäenjagd so festgelegt sind, dass sie sich nicht nachteilig auf den Schutz der Art auswirken."

Der IFAW ist jedoch der Meinung, dass Jagdtrophäen im modernen Naturschutz keinen Platz haben. Wir widersprechen der Ansicht, dass Trophäen zum Naturschutz beitragen können. Dies zeigt die vom IFAW in Auftrag gegebene Studie The $200 million question: How much does trophy hunting really contribute to African communities? deutlich.

Das EU-Verbot bleibt erstmal so lange in Kraft, bis die Länder eine Reihe strenger Kriterien für den Schutz von Elefanten erfüllen – Kriterien, die erst seit Anfang diesen Jahres mit Einführung der neuen Verordnung der Kommission vom 5. Juni 2015 gelten. Ihre Grundsätze sind:

  1. Die Pflicht einer EU-Einfuhrgenehmigung für den Import von Jagdtrophäen von sechs unter dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES gelisteten Arten (Afrikanischer Löwe, Eisbär, Afrikanischer Elefant, Breitmaulnashorn, Gemeines Nilpferd und Argali). Zuvor war lediglich eine Ausfuhrgenehmigung des Herkunftslandes erforderlich.
  2. Die Ermächtigung der EU, eine Einfuhrgenehmigung abzulehnen, sofern Zweifel an der Legalität der Einfuhr von unter CITES geschützten Produkten bestehen.
  3. Die Einführung eines speziellen Zertifikats, das den Versand von historischen Musikinstrumenten, die aus illegalen Wildtierprodukten bestehen, regelt.

Außerdem wurden die Bedingungen für die Veröffentlichung von Stellungnahmen hinsichtlich der Nachhaltigkeit der Einfuhr von auf Anhang A gelisteten Jagdtrophäen von der wissenschaftlichen Prüfgruppe der EU geprüft und verschärft. Die neuen Bedingungen lauten wie folgt:

  • Trophäenjagd muss durch einen sorgfältig erarbeiteten Arten-Management-Plan geregelt sein,
  • der auf verlässlichen biologischen Daten basiert, die von der Zielpopulation gewonnen wurden;
  • der deutlich die Nachhaltigkeit der Jagdquote belegt;
  • der von professionellen Biologen überwacht wird;
  • der gegebenenfalls sofort angepasst werden kann, um Schutzziele aufrecht zu erhalten;
  • der darlegt, dass illegale Aktivitäten kontrolliert werden;
  • der erhebliche und messbare Vorteile für den Schutz der Art mit sich bringt;
  • der in Zusammenarbeit mit und zum Nutzen von der einheimischen Bevölkerung erarbeitet wird, die in dem Land mit der betreffenden Art lebt oder unter ihr leidet;

Die negative Stellungnahme der wissenschaftlichen Prüfgruppe zur Einfuhr von Jagdtrophäen aus Tansania, Mosambik und Sambia ist eine direkte Konsequenz dieser neuen Bestimmungen.

Die wissenschaftliche Prüfgruppe hat die Regierungen in den betreffenden Exportländern informiert und sie dazu aufgefordert, bis zur nächsten Prüfung am 15. September 2015 entsprechende Informationen bereitzustellen.

Die Entscheidung hat zur Folge, dass der Import von Jagdtrophäen gemäß der Ausnahmeregelung für persönliche Gegenstände und Haushaltsgegenstände verboten bleibt, bis die wissenschaftliche Prüfgruppe von EU und CITES entscheidet, dass die Kriterien erfüllt sind.

Satyen Sinha

Erfahren Sie mehr über die Arbeit des IFAW zum Schutz bedrohter Arten.

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Robert Kless, Leiter IFAW Deutschland
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Staci McLennan, Regionaldirektorin Europäische Union
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Tania McCrea-Steele, Leiterin der Kampagne gegen illegalen Online-Wildtierhandel
Leiterin der Kampagne gegen illegalen Online-Wildtierhandel, IFAW Großbritannien
Vivek Menon, IFAW Senior-Berater Strategische Partnerschaften
Senior-Berater Strategische Partnerschaften