Chile: Waldbrände in Valparaiso stellen Rettungsteams auf den Prüfstand

Eine Notunterkunft, um verletzte Tiere zu versorgen. © IFAW/J.Gardner

Die malerischen kleinen Orte an den steilen Berghängen über dem Pazifik machen dem Ruf Valparaisos in Chile und der Stellung der Stadt als Weltkulturerbe alle Ehre. Als sich jedoch am 12. April Waldbrände von Hügel zu Hügel verbreiteten, wurde genau diese romantische Lage für unsere Rettungsteams zu einem großen Problem.

Die vielen Bewohner der kleinen Ortschaften verstopften bei ihrer Flucht vor dem Feuer die engen Straßen, während Feuerwehrleute versuchten, in die Gemeinden zu gelangen, um die Flammen zu löschen. Die schlechte Wasserversorgung verschlimmerte die Lage noch. Erst nach einigen Tagen konnten die Feuer endgültig gelöscht werden. 15 Menschen starben in den Flammen, 11.000 wurden obdachlos und 2.500 Häuser wurden zerstört.

Das IFAW Katastrophenteam hat die lokalen Kommunen gemeinsam mit der Global Alliance for Animals and People (GAAP) bei der Einschätzung der Lage unterstützt, um herauszufinden, wie die Tiere vom Feuer betroffen sind und um eventuelle Lücken bei der geplanten Vorgehensweise der Kommunen zu schließen.

Unser Team erhielt die gute Nachricht, dass sehr viele Freiwillige und Sachspenden in Valparaiso eingetroffen waren. Trotzdem hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch keine Vorstellung davon, dass tatsächlich so unglaublich viele Menschen helfen würden. Valparaiso liegt circa eineinhalb Autostunden von Santiago entfernt. Die freiwilligen Helfer hatten es daher nicht weit, um zu uns zu stoßen. Da die Feuer zudem genau in der Woche vor Ostern wüteten, wurden wir von Freiwilligen nur so überrannt.

Unsere erste Station war eine Notfallstation, die von Helfern unter Aufsicht des Umweltministeriums in einer Schule eingerichtet worden war. Ungefähr 150 Katzen und Hunde waren dort untergebracht. Viele Tiere litten an Rauchvergiftung und Verbrennungen (vor allem an den Pfoten). Es gab fast ebenso viele Helfer, wie es Tiere gab. Einige Tiermedizin-Studenten überwachten wachsam die Patienten, andere versorgten die Tiere mit Wasser und Futter oder verstauten die laufend gebrachten Sachspenden.

Nachdem wir mehrere Noteinrichtungen in den zerstörten Dörfern besichtigt hatten, wurde mir klar, dass diese immense Hilfsbereitschaft überall vorhanden war. Tausende freiwillige Helfer arbeiteten in den betroffenen Ortschaften, versorgten die Menschen mit Essen, räumten Schutt beiseite und halfen beim Wiederaufbau. Allerdings war gleichzeitig erkennbar, dass es den Gemeinden speziell an einem fehlte: der Organisation von Helfern und Logistik. Wir trafen uns daher mit Vertretern der Kommunen und des Katastrophenmanagements, um die Lage zu besprechen und Vorschläge für die Abwicklung und Koordination zu machen.

Chile ist eines der am stärksten von Erdbeben betroffenen Länder der Welt. Bereits im Oktober 2013 hatte das IFAW Rettungsteam bei einem Symposium an der Universität von Chile eine Präsentation zum Thema Tierrettung in Katastrophenfällen gehalten. Im nächsten Schritt ist ein Workshop geplant. Die Entwicklung eines Notfallplans zur Tierrettung wird helfen, künftige Einsätze noch effizienter zu gestalten. 

Der IFAW unterstützt Gemeinden weltweit bei der Ausarbeitung individueller Notfallpläne. Auch beim Umgang mit Streunerhunden helfen wir Gemeinden bei der Entwicklung von Maßnahmenplänen, wie beispielsweise in der chilenischen Gemeinde Puerto Natales.

Jennifer Gardner

Erfahren Sie mehr über die weltweite Tierrettungsarbeit des IFAW.

 

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Experten

Kampagnenberater
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Brian Sharp, Leiter Rettungseinsätze, Einsatzkoordinator für Strandungen
Leiter Rettungseinsätze, Einsatzkoordinator für Strandungen
Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Katie Moore, Leiterin Marine Mammal Rescue and Research
Programmdirektorin Tierrettung
Shannon Walajtys, Leiterin IFAW Katastrophenhilfe
Leiterin des Bereichs Katastrophenhilfe
Vivek Menon, IFAW Senior-Berater Strategische Partnerschaften
Senior-Berater für Strategische Partnerschaften und Philanthropie