Blauwalforschung vor der Küste Sri Lankas kann helfen, die Tiere zu schützen

Ein noch junges Blauwalkalb taucht neben seiner Mutter auf. Insbesonders junge Blauwale sind oft Opfer von Schiffskollisionen. Photo ©Tim LewisGroße Schiffe und Wale vertragen sich nicht. Wir befinden uns mit unserem Forschungsschiff zum zweiten Mal südlich von Sri Lanka. Hier gibt es die dichteste Blauwalbevölkerung der Welt.

Auf dieser Haupt-Schifffahrtsroute im Indischen Ozean finden viele Kollisionen zwischen Schiffen und Blauwalen statt. Sie ist eine der meistbefahrenen Routen der Welt mit mehr als 100 Schiffen täglich. Hier passieren auch einige der weltgrößten Tank- und Containerschiffe. Die Unfälle enden für die Wale meist tödlich. Unser Ziel ist es, Daten zu sammeln, die helfen können, dieses Problem zu lösen.

Wir mussten die Messungen ständig unterbrechen, um Schiffe passieren zu lassen. Hier wartet das Team gerade, um die 400 Meter lange MSC New York, eines der größten Containerschiffe der Welt, passieren zu lassen.

In den Gewässern vor Sri Lanka gibt es so viele Schiffskollisionen mit Tieren wie kaum nirgendwo sonst. Jedes Jahr werden viele tote Tiere angeschwemmt. Viele weitere werden einfach nirgendwo registriert. Dies ist sowohl ein Tier- als auch ein Umweltschutzproblem. Ein Team von Forschern des IFAW, der Biosphere Foundation, der University of Ruhuna und eines Whale-Watching-Anbieters vor Ort suchen deshalb nach einer Lösung. Unsere Untersuchungen aus dem letzten wie auch in diesem Jahr – sowohl dicht vor der Küste als auch weiter draußen auf See – zeigen die folgenden Ergebnisse:  Nahe der Küste drängen sich Wale und Schiffe auf engem Raum, während man weiter draußen kaum noch Wale antrifft. Die gesammelten Daten der örtlichen Whale-Watching-Anbieter bestätigen diese Beobachtung.

Wenn man sich die Unterwassertopologie anschaut, ist das verständlich. Vor der Küste bricht der Meeresboden sofort für circa 1,6 Kilometer steil auf 1.000 Meter und mehr ab. Es gibt in diesem Gebiet starken Auftrieb, der den Walen mit der Strömung stets genügend Nahrung zuträgt. Weiter draußen ist der Meeresboden flach und tief und bietet dadurch keine guten Nahrungsgründe für Wale.

Wenn man die Schifffahrtsroute nur um circa 24 Kilometer von der Küste weg verlegen würde, hätte das bereits immense Vorteile für die Wale. Gleichzeit würde eine solche Verlagerung für die Schiffe keinen spürbaren Unterschied machen.

Es muss dringend eine Lösung gefunden werden. Die Blauwalpopulation im nördlichen Teil des Indischen Ozeans wandert nicht in höhere Breitengrade. Somit ist es sehr wahrscheinlich, dass die Kälber dort geboren werden, wo die Wale auch ihr Futter finden.

In diesem Jahr konnten wir bereits einige sehr junge Blauwalkälber mit ihren Müttern beobachten. Besonders junge Blauwale werden oft Opfer von Kollisionen mit Schiffen.

Es ist selten, dass es für ein derart gravierendes Tierschutz- und Umweltschutzproblem eine einfache Lösung gibt. Wir stehen gerade erst am Anfang unseres Projektes und das Ziel ist noch weit entfernt. Doch es besteht eine große Chance, dass wir die Situation der Blauwale im nördlichen Teil des Indischen Ozeans deutlich verbessern können.

Susannah Calderan

Erfahren Sie mehr über die Arbeit des IFAW zum Schutz der Wale.

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