Bahnbrechende Entscheidungen für wandernde Tierarten auf der UN-Artenschutzkonferenz in Ecuador

Bahnbrechende Entscheidungen für wandernde Tierarten auf der UN-Artenschutzkonferenz in EcuadorVor einer Woche war das IFAW Team nach Ecuador gereist, um sich auf der UN-Artenschutzkonferenz (auch Bonner Konvention genannt) in Quito für einen besseren Schutz für mehrere wandernde Wildtierarten einzusetzen. Die Konferenz endete am Sonntag mit bahnbrechenden Entscheidungen zum besseren weltweiten Schutz vieler Wildtierarten. 31 wandernde Arten wurden in die Liste der geschützten Tierarten der Bonner Konvention aufgenommen, darunter 21 Haiarten.

Unter anderem wurden Sägefische, Mobularochen und Hammerhaie in die Liste aufgenommen. Auch der Eisbär, der Cuvier-Schnabelwal und einige wandernde Vogelarten genießen künftig besseren Schutz. Außerdem wurden hinsichtlich der grundsätzlichen strategischen Ausrichtung, der Prioritäten und der Führung der Konvention einige weitreichende Entscheidungen getroffen. In Zukunft wird die UN-Konvention noch deutlich einflussreicher, sodass sie künftig noch mehr Erfolge für den Artenschutz erzielen kann.

Im Anhang 1 der Bonner Konvention werden die am stärksten gefährdeten Arten aufgeführt. Länder, in denen diese Arten leben, sind dazu aufgerufen, ihren Lebensraum und die Tiere selbst zu schützen, beispielsweise durch ein Fangverbot, sowie deren Wanderung zu ermöglichen. Auf Anhang 2 werden Arten aufgeführt, die von internationalen Schutzanstrengungen signifikant profitieren würden. Die Mitgliedsstaaten sind daher aufgerufen, regionale Abkommen zum Schutz solcher Arten zu schließen.

Ich freue mich sehr, dass der IFAW durch seine Arbeit über die letzten Jahre entscheidend dazu beitragen konnte, dass diese Themen es auf die Agenda der Bonner Konvention geschafft haben. Nachdem wir bei den Mitgliedstaaten viel Überzeugungsarbeit geleistet haben, wurden die Anträge jetzt einvernehmlich angenommen. Auch wenn nicht aus allen 120 Mitgliedstaaten Vertreter vor Ort waren, zeigte die einhellige Unterstützung der Anwesenden, dass klare Bereitschaft besteht, etwas zu bewegen.

Sie können mir glauben, dass es kein Leichtes war, diese Einigkeit unter den Mitgliedsstaaten herzustellen. Wir mussten dafür strategische Koalitionen schließen und Partnerschaften mit anderen Nichtregierungsorganisationen und Behörden bilden. Wir schickten Expertengutachten an Arbeitsgruppen und Ausschüsse und beteiligten uns an unzähligen Diskussionen. Auch bei der Erstellung verschiedener Schutzabkommen stellten wir unser Expertenwissen zur Verfügung, wie beispielsweise bei der Erarbeitung der Abkommen für Haie und Rochen. Durch unsere Arbeit vor Ort in den Lebensräumen der Wildtiere und durch Unterstützung der Regierungen, beispielsweise bei der Ausbildung von Wildhütern, verschafften wir uns Vertrauen und Anerkennung bei den wichtigen Entscheidern.

Dennoch wir haben nicht alles erreicht, was wir wollten. Und noch immer gibt es sehr viel zu tun:

  • Es lag ein Antrag für die Aufnahme des Afrikanischen Löwen in Anhang 2 der Konvention vor. Dieser konnte jedoch aufgrund von Interessenkonflikten zwischen den afrikanischen Arealstaaten nicht durchgesetzt werden. Stattdessen wurde lediglich eine Absichtserklärung verabschiedet, in der die entsprechenden Länder ihre Bereitschaft erklären, sich in Zukunft durch verstärkte Zusammenarbeit und Informationsaustausch für das Überleben der Löwen einzusetzen.
     
  • Ein weiterer Antrag forderte die Einführung eines Kontrollinstruments, mit dem die Bonner Konvention die Umsetzung der Beschlüsse durch die Mitgliedstaaten überprüft und gegebenenfalls bei Versäumnissen Maßnahmen vorschlägt. Dieser Antrag ist leider so stark aufgeweicht worden, dass die Mitgliedstaaten erst bei der nächsten Konferenz in drei Jahren über ein solches Kontrollinstrument abstimmen werden.
     
  • Das Sekretariat der Bonner Konvention wurde von den Mitgliedstaaten nicht mit ausreichend finanziellen Mitteln ausgestattet. Einerseits sorgten die Mitgliedsstaaten mit den vielen positiven Entscheidungen dafür, dass der Verantwortungsbereich der Bonner Konvention künftig größer wird, andererseits sind die Länder aber nicht bereit, entsprechende finanzielle Ressourcen bereitzustellen.

Alles in allem ist das Ergebnis der Konferenz ein historischer Meilenstein für den weltweiten Artenschutz. Die Bonner Konvention ist jetzt mit den nötigen Mitteln ausgestattet, um im Naturschutz viel zu bewirken. Dadurch dass ihre Bestimmungen ökologische und biologische Nachhaltigkeit, ethischen Umgang mit Tieren und das Vorsorgeprinzip berücksichtigen, kann sie zu einer wirklich umweltschonenden und nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung beitragen.

Kurz vor der beeindruckenden Eröffnungszeremonie der Konferenz am 4. November war ich eingeladen, zusammen mit den Ministern von Ecuador und Gabun, dem Leiter des Washingtoner Artenschutzübereinkommens und Umweltschützer Philippe Cousteau auf der Eröffnungspressekonferenz eine Rede zu halten. Dadurch hatte ich Gelegenheit, die anwesenden Journalisten auf unsere Ziele und die Rolle von Nichtregierungsorganisationen bei der Bonner Konvention aufmerksam machen.

Der IFAW setzt sich bereits fast seit 35 Jahren im Rahmen der Bonner Konvention für den Artenschutz ein. Umso mehr hat mich deshalb das große öffentliche Interesse an der Konferenz gefreut. In den vergangenen Jahrzehnten hatte ich vielfach das Gefühl, dass die Bonner Konvention und der Schutz wandernder Arten viel zu wenig Beachtung fanden. Elefanten, Haie, Wale, Löwen, Greifvögel und viele andere sind Schlüsselarten für unsere Ökosysteme. Ihr Schutz sollte von der Politik als oberste Priorität gesehen werden.

Das Wohlergehen dieser Arten gibt Aufschluss über den Gesamtzustand der Natur, ihrer Lebensräume und Wanderrouten mit all ihrer Artenvielfalt. Ihre Bewahrung ist der Schlüssel, um all jene Schätze zu behüten, die die Natur dem Menschen schenkt. Sie tragen dazu bei, dass unsere Ökosysteme im Gleichgewicht bleiben, was so wichtig für uns alle ist. Sie fördern die friedliche Zusammenarbeit zwischen den Arealstaaten, durch die ihre Wanderrouten führen. Viele dieser Arten haben außerdem einen hohen symbolischen Wert, da sie untrennbar mit Kultur und Religion ihrer Heimatländer verbunden sind.

Der ecuadorianischen Regierung gebührt großer Dank, dass sie die Konferenz ausgerichtet und für eine sehr positive Atmosphäre zugunsten des Artenschutzes gesorgt hat. Doch nicht weniger haben wir vom Gastgeberland Ecuador erwartet, dass Heimat des Naturparadieses Galapagos ist und als erstes Land, ein "Recht der Natur" in seiner Verfassung verankert hat.

Die Konferenz stand unter dem sehr treffenden Motto "Zeit für Taten“. Nach all der tatkräftigen Arbeit vor und während der Konferenz, die zu diesen bahnbrechenden Entscheidungen geführt hat, steht jetzt neue Arbeit an. Denn es ist höchste Zeit, die großartigen Beschlüsse der Artenschutzkonferenz umzusetzen, um unseren wertvollen Planeten zu einem besseren Ort für Tiere und Menschen zu machen.

Peter Pueschel

Erfahren Sie mehr darüber, wie der IFAW sich sonst noch für den Schutz bedrohter Wildtierarten einsetzt.

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Azzedine Downes, Präsident und CEO
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Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
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Dr. Elsayed Ahmed Mohamed, Regionaldirektor Mittlerer Osten
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Dr. Joseph Okori, Regionaldirektor Südliches Afrika und Programmdirektor Natursc
Regionaldirektor Südliches Afrika und Programmdirektor Naturschutz
Dr. Maria (Masha) N. Vorontsova, Regionaldirektorin Russland und GUS
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Faye Cuevas, Esq., Vizepräsidentin
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Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
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Kelvin Alie, IFAW Vizepräsident Natur- und Tierschutz
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Rikkert Reijnen, Programmdirektor Wildtierkriminalität
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Robert Kless, Leiter IFAW Deutschland
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Staci McLennan, Regionaldirektorin Europäische Union
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Tania McCrea-Steele, Leiterin der Kampagne gegen illegalen Online-Wildtierhandel
Leiterin der Kampagne gegen illegalen Online-Wildtierhandel, IFAW Großbritannien
Vivek Menon, IFAW Senior-Berater Strategische Partnerschaften
Senior-Berater Strategische Partnerschaften