11. UN-Artenschutzkonferenz: Ökologische Werte müssen auch Tierschutz umfassen

Es ist höchste Zeit für die Bonner Konvention, den wahren Wert von Wildtieren hervorzuheben. Nur so können wandernde Tierarten geschützt und die Rechte der Natur im Rahmen einer hoffentlich weltweiten ökologischen Wirtschaft berücksichtigt werden.

Bedeutet der Ausdruck “ökologische Wirtschaft” automatisch, dass die Rechte der Natur berücksichtigt werden? Wenn nicht, können sie zumindest damit in Einklang gebracht werden? Als internationale Tierschutzorganisation beschäftigen uns diese Themen ständig. Aber haben auch alle Regierungschefs diese Erfordernisse stets im Hinterkopf?

Heute werden wir also genau diese Fragen bei einer Sitzung hochrangiger Minister auf der 11. UN-Konferenz der Bonner Konvention in Quito, Ecuador, stellen. Und wir sind sehr gespannt auf ihre Antworten.

Um Lösungsansätze für einen verbesserten weltweiten Schutz von Wildtieren zu finden, werden wir Gespräche mit 20 Umweltministern aus Asien, Afrika und Lateinamerika sowie Generalsekretären multilateraler Umweltabkommen führen. Den Vorsitz hat Ecuadors Umweltministerin Lorena Tapia.

Damit wir Entscheidungsträger besser informieren können, müssen wir zunächst grundsätzlich klären, wie Natur zu „bewerten“ ist. Der Ansatz der „ökologischen Wirtschaft“ ist es, ihr einen finanziellen Wert beizumessen. Da ein finanzieller Wert in den meisten Gesellschaften dieser Welt akzeptiert wird, kann dies eine sinnvolle Herangehensweise sein. 

Es birgt jedoch auch große Gefahr, wenn alles in der Natur in einen Warenwert umgerechnet wird. Denn alles, was sich nicht durch einen bezifferbaren Wert rechtfertigen lässt, ist dann „wertlos“ und verliert jegliches Recht auf Schutz.

Machen wir uns nichts vor: Ökologisch gesehen verhalten wir uns wesentlich weniger nachhaltig als im Jahr 1992, als wir uns zum Weltgipfel in Rio trafen. Manch einer würde gar so weit gehen, zu sagen, dass wir als globale Gemeinschaft komplett versagt haben. Denn von weltweiter Nachhaltigkeit sind wir meilenweit entfernt. Was ist das größte Problem?

Regierungen werten kurzfristige wirtschaftliche Gewinne weit höher als langfristige Vorteile für Gesellschaft und Natur.

Doch es gibt da eine kleine Nuance, die große Auswirkungen hat. Allzu oft konzentrieren wir uns mehr auf den Ausdruck “nachhaltiger Gebrauch” als auf “Nachhaltigkeit”. Während wir also die Aspekte der Nachhaltigkeit diskutieren, ist die unterschwellige Annahme, dass wir Natur „benutzen“. Dies resultiert sehr oft in übermäßiger nachhaltiger Nutzung, aus der eine Reihe von Problemen erwächst: dramatisch erhöhte Armut, soziale Ungerechtigkeiten, Bürgerunruhen, Klimaveränderungen, noch mehr gefährdete Tierarten, Verlust von Biodiversität und Reduzierung der Populationen von Wildtieren sowie Verkleinerung des Lebensraums für diese Tiere.

Eine gesunde Wirtschaft handelt nicht nur unter sozialen Gesichtspunkten gerecht, sondern sie stellt auch sicher, dass ein fairer Zugang und eine gerechte Verteilung der Gewinne aus natürlichen Ressourcen stattfinden. Solch eine Wirtschaft muss die ökologische Unversehrtheit der Natur schützen und von ökologischer und biologischer Nachhaltigkeit sowie der ethisch vertretbaren Behandlung von Tieren und dem Vorsorgeprinzip geleitet sein. Auch wenn wir die Natur bis zu einem gewissen Grad „nutzen“ können, übertragen uns diese Leitsätze doch gleichzeitig eine große Verantwortung.  

Wir sind auf dem richtigen Weg: Viele Abkommen und eine steigende Zahl von Regierungsrichtlinien und sogar Verfassungen erkennen den wahren Wert der Biodiversität sowie der dafür notwendigen Arten an. Die Biodiversitäts-Konvention definiert den “wahren Wert von Artenvielfalt sowie den ökologischen, genetischen, sozialen, wirtschaftlichen, wissenschaftlichen, bildungspolitischen, kulturellen, ästhetischen Wert und den Erholungswert biologischer Vielfalt und ihrer Komponenten.“

Es ist höchste Zeit für die Bonner Konvention, den wahren Wert von Wildtieren hervorzuheben. Nur so können wandernde Tierarten geschützt und die Rechte der Natur im Rahmen einer hoffentlich weltweiten ökologischen Wirtschaft berücksichtigt werden.  

Erfahren Sie mehr über die politische Arbeit des IFAW zum Schutz der Natur und ihrer Arten.

Azzedine Downes

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Experten

Azzedine Downes, Präsident und CEO
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Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Dr. Elsayed Ahmed Mohamed, Regionaldirektor Mittlerer Osten
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Dr. Joseph Okori, Regionaldirektor Südliches Afrika und Programmdirektor Natursc
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Dr. Maria (Masha) N. Vorontsova, Regionaldirektorin Russland und GUS
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Faye Cuevas, Esq., Vizepräsidentin
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Kelvin Alie, IFAW Vizepräsident Natur- und Tierschutz
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Rikkert Reijnen, Programmdirektor Wildtierkriminalität
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Robert Kless, Leiter IFAW Deutschland
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Staci McLennan, Regionaldirektorin Europäische Union
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Tania McCrea-Steele, Leiterin der Kampagne gegen illegalen Online-Wildtierhandel
Leiterin der Kampagne gegen illegalen Online-Wildtierhandel, IFAW Großbritannien
Vivek Menon, IFAW Senior-Berater Strategische Partnerschaften
Senior-Berater für Strategische Partnerschaften und Philanthropie