Tschechien und Slowakei zerstören öffentlich Bestände von Rhinozeros-Horn

Diese Rhinozeros-Hörner gehen in Tschechien in Flammen auf
Freitag, 19 September, 2014

Am Sonntag, den 21. September werden die Tschechische und die Slowakische Republik in einer gemeinsamen Aktion zeitgleich Lagerbestände von Rhinozeros-Horn verbrennen. Damit wollen beide Regierungen einen Tag vor dem „Welt-Nashorn-Tag“ ein Zeichen gegen die ausufernde Wilderei setzen.

Um 11 Uhr werden die Umweltminister beider Staaten im Dvůr Králové Zoo in Tschechien und im Zoo von Bratislava, Slowakei, beschlagnahmtes Rhinozeros-Horn und solches aus Zoobeständen anzünden. Die Uhrzeit soll symbolisieren, dass die „elfte Stunde“ für Nashörner angebrochen ist und nicht mehr viel Zeit bleibt, sie zu retten. Der bekannte britische Umweltschützer Tony Fitzjohn sowie „Miss Earth Czech Republic 2013“, Monika Leova, werden an dem Event teilnehmen. Monika Leova ist Vietnamesin und will auf die Bedeutung der Aufklärung in Abnehmerländern hinweisen.

Der tschechische Umweltminister Richard Brabec wird in einer groß angelegten Zeremonie in Dvůr Králové etwa 70 kg Rhinozeros-Horn vernichten, sein slowakischer Kollege Peter Ziga verbrennt acht Hörner, die in einer gemeinsamen Operation mit tschechischen Behörden konfisziert wurden. Beide Politiker fordern die anderen europäischen Staaten und Zoos auf, ebenfalls ihre Bestände an Nashorn-Horn zu zerstören, um die gemeinsame Haltung gegen die Wilderei zu demonstrieren.

„Europol schätzt, dass mit dem globalen illegalen Wildtierhandel im Jahr etwa 18 bis 26 Milliarden Euro verdient werden“, so Peter Pueschel, Experte für Wildtierhandel beim IFAW (Internationaler Tierschutz-Fonds), der an der Veranstaltung in Dvůr Králové teilnehmen und eine Rede halten wird. „Europa muss sich am Kampf gegen die kriminellen Wildtierhändler beteiligen. Kapazitäten für Strafverfolgung müssen ausgebaut und ein öffentliches Bewusstsein für die Bedrohung dieser großartigen Tiere geschaffen werden – sowohl hier in Europa, wie in den Ländern, in denen sie leben.“

Nach Aussagen der für die Kontrolle des Handels mit bedrohten Arten zuständigen tschechischen Umweltbehörde spielt das Land eine zunehmend größere Rolle im illegalen Handel mit Rhinozeros-Horn. Die Zahl der Fälle, in denen versucht wird, das Horn nach Asien zu schmuggeln, steige weiter an. Das symbolische Verbrennen des Horns werde dazu beitragen, die Aufmerksamkeit auf das Wilderei-Problem zu lenken, aber auch auf die Arbeit der Vollzugsbehörden.

John E. Scanlon, Generalsekretär des Artenschutzübereinkommens CITES, wird als Gastredner an dem Event in Tschechien teilnehmen. Er sagt: „Das Vernichten konfiszierten Horns wird den illegalen Handel nicht beenden. Aber dieser öffentliche Akt in Verbindung mit Beschlagnahmungen und der Verfolgung und Bestrafung der Täter sendet ein klares Signal, dass die Tschechische und die Slowakische Republik den illegalen Handel mit Rhinozeros-Horn und die desaströsen Auswirkungen auf die Nashorn-Populationen nicht tolerieren werden.“

Die Wilderei von Nashörnern und der Handel mit deren Hörnern hat nie dagewesene Ausmaße angenommen, am schlimmsten betroffen ist derzeit Südafrika. Seit Januar 2014 sind dort 769 Nashörner getötet worden, letztes Jahr waren es 1004. Im Jahr 2010 waren es 333 Tiere gewesen.

Am meisten wüten die Wilderer im weltberühmten Krüger-Nationalpark in Südafrika: Schon 489 Nashörner sind dort in diesem Jahr abgeschlachtet und 227 Wilderer verhaftet worden.

Südafrika ist das einzige Land, das regelmäßig monatlich Zahlen über die Nashorn-Wilderei veröffentlicht. Es ist bekannt, dass auch in anderen Ländern Nashörner getötet werden, aber es gibt keine genauen Zahlen darüber.

Die Tschechische Republik beschlagnahmte letztes Jahr 24 Hörner des Breitmaulnashorns und verhaftete 16 mutmaßliche kriminelle Wildtierhändler. Nach Behördenangaben hatte eine internationale Bande Nashorn-Hörner importiert, die nach Asien verschifft werden sollten. Sie hatte vermeintliche Jäger beauftragt, die Tiere in Südafrika zu erschießen, die dann versuchten, die Hörner als „persönliche Trophäen“ nach Tschechien einzuführen.

Die südafrikanische Regierung hat kürzlich angekündigt, bei der nächsten Artenschutzkonferenz die Legalisierung des Handels mit Rhinozeros-Horn zu beantragen.

„Den legalen Handel wieder zuzulassen, könnte das Ende wilder Nashorn-Populationen weltweit bedeuten. Es darf auch in Zukunft keinerlei Handel mit Rhinozeros-Horn geben, wenn wir den Teufelskreis aus Nachfrage und Wilderei beenden wollten“, so Peter Pueschel vom IFAW.

Weitere Zoos und Reservate haben angekündigt, zeitgleich mit der Aktion in Tschechien Events durchzuführen oder Horn zu verbrennen, um auf das Schicksal der Nashörner aufmerksam zu machen: u. a. der Doué-la-Fontaine Zoo in Frankreich, Port Lympne Reserve und Howletts WAP in Großbritannien, der Wroclaw Zoo in Polen und der Zoo in Tallinn, Estland.

Weitere Informationen auf der Webseite der Initiative „Burn Horns, Save Rhinos“: https://www.burnhorns.org/en/

Post a comment

Pressekontakt

Dörte von der Reith
Telefon:
040-86650033
Mobiltelefon:
0160-90486493
E-Mail:

Experten

Azzedine Downes, Präsident und CEO
Präsident und CEO
Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Dr. Elsayed Ahmed Mohamed, Regionaldirektor Mittlerer Osten
Regionaldirektor Mittlerer Osten
Dr. Maria (Masha) N. Vorontsova, Regionaldirektorin Russland und GUS
Regionaldirektorin Russland und GUS
Faye Cuevas, Esq., Vizepräsidentin
Vizepräsidentin
Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
Regionaldirektorin Asien
Kelvin Alie, IFAW Vizepräsident Natur- und Tierschutz
Vizepräsident
Rikkert Reijnen, Programmdirektor Wildtierkriminalität
Programmdirektor Wildtierkriminalität
Robert Kless, Leiter IFAW Deutschland
Leiter IFAW Deutschland
Staci McLennan, Regionaldirektorin Europäische Union
Staci McLennan, Regionaldirektorin Europäische Union
Tania McCrea-Steele, Leiterin der Kampagne gegen illegalen Online-Wildtierhandel
Leiterin der Kampagne gegen illegalen Online-Wildtierhandel, IFAW Großbritannien
Vivek Menon, IFAW Senior-Berater Strategische Partnerschaften
Senior-Berater für Strategische Partnerschaften und Philanthropie