Tiger Ustin ist zurück im russischen Rehabilitationszentrum

Nachdem Ustin 2014 von uns in die Freiheit entlassen wurde, ist er nun wieder ins Rehabilitationszentrum in der russsischen Region Primorje zurückgekehrt. Wir sind guter Hoffnung, dass er es schaffen wird, in Freiheit zu leben, wenn seine Wunden verheilt sind.

Seine Freilassung fand im Juni letzten Jahres im Zhuravliny-Schutzgebiet statt. Knapp einen Monat zuvor hatten wir im nahe gelegenen Zheludinsky-Schutzgebiet drei weitere Amurtiger namens Kuzya, Ilona und Borya in die Freiheit entlassen.

Ustin machte sich nach seiner Freilassung in Richtung Chabarowsk auf und durchquerte dann den eisigen Fluss Amur. So gelangte er auf die nahe gelegene Bolschoi-Ussurijski-Insel, an deren westlichem Ende sich die russisch-chinesische Grenze befindet. Leider hält die Wildnis in der Gegend nicht genügend Nahrung für Großkatzen wie ihn bereit. Auf der chinesischen Seite ist das Gebiet wiederum dicht besiedelt. Ustin entschloss sich unglücklicherweise, genau dort eine Weile zu bleiben.

Er tötete auf der Insel zuerst einen Hund und fraß dann mehrere Ziegen eines chinesischen Bauern. Nachdem Wildschweine in Ustins Umgebung freigelassen worden waren, begann er sofort, auch sie zu jagen. All dies reichte jedoch als Nahrung für ein wildes, gesundes Tier wie ihn nicht aus. So war er gezwungen, auch Nutztiere der Menschen zu reißen. Schließlich verließ er die Insel und überquerte die nahe gelegene chinesische Grenze. Doch auch dort fand er kein Waldgebiet, in dem er sich niederlassen konnte.

Dann erreichte uns die Nachricht, dass er sich wieder auf russischem Territorium aufhalte – in der Nähe von Chabarowsk, der größten Stadt im Fernen Osten Russlands. Sowohl Ustin als auch Kuzya hatten also denselben Weg genommen, um von China nach Russland zurückzukehren.

Ustin ließ sich in der Nähe eines Dorfes nieder. Wir wussten zu diesem Zeitpunkt nicht, warum er gerade hier blieb. Er begann, der Siedlung gefährlich nahezukommen. Obwohl er sich tagsüber nie auch nur einem einzigen Anwohner näherte, bekamen die Menschen Angst. Besonders, nachdem er einen Hund getötet und gefressen hatte.

Wir beschlossen schließlich, Ustin wieder einzufangen. Das russische Naturschutzministerium erteilte uns die Genehmigung dazu. Mit Hilfe von Experten der Wildlife Conservation Society konnte er schnell gefangen werden, da wir seine täglichen Streifzüge sehr gut kannten.

Wir untersuchten ihn unverzüglich: Er war wohlgenährt und an sich in einem guten körperlichen Zustand. Nur an allen vier Pranken und an den Beinen hatte er Verwundungen. Die Wunden waren nicht frisch. Doch durch permanentes Lecken hatten sich kahle Stellen gebildet.

Wahrscheinlich hatte Ustin sich im Grenzgebiet verletzt, als er über Stacheldraht wollte. Er könnte sich aber auch an den messerscharfen Eisschollen im Fluss Amur geschnitten haben.

Wegen des hohen Schnees und aufgrund seiner Verletzungen konnte er kein Rotwild, sondern nur einfach zu erlegende Beute jagen. Außerdem gibt es in der Gegend, wo Ustin sich aufhielt, keine Wildschweine.

Die Rückkehr ins Gehege, wo wir in über ein Jahr lang auf seine Freilassung vorbereitet hatten, verursachte bei ihm starken Stress. Doch gleichzeitig waren wir erleichtert, da wir jetzt wussten, dass sein Verhalten auf seine Verletzungen an den Beinen und auf den Mangel an Beutetieren auf der Bolschoi-Ussurijski-Insel zurückzuführen war.

Bis auf die Wunden ist Ustin bei guter Gesundheit und hält sich von Menschen fern. Wir werden ihn beobachten und je nachdem, wie er sich entwickelt, entscheiden, wie es mit diesem schlauen, schönen und starken Tier weitergeht.

Da er weiterhin Angst vor Menschen hat und ihre Nähe meidet, sind wir guter Hoffnung, dass er es schaffen wird, in Freiheit zu leben, wenn seine Wunden verheilt sind.

Maria (Masha) N. Vorontsova

Erfahren Sie mehr darüber, was der IFAW tut, um bedrohte Tiger zu retten.

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