Orang-Utans mit Babys auf der brennenden Insel Borneo gerettet

BU: Hier hilft die Verfasserin dieses Artikels bei der Rettung von Wildtieren auf Borneo.Der diesige Himmel über Indonesien war so ganz anders als der, den ich zuhause zurückgelassen hatte.

Sonnenunter- und -aufgänge gibt es hier auf Borneo eigentlich gar nicht, anhand der unterschiedlichen Grautöne kann man unterscheiden, welche Tageszeit gerade herrscht.

Vergangene Woche stieß ich zum Team des Centre for Orangutan Protection (COP – Zentrum für Orang-Utanschutz), um eine erste Einschätzung der Auswirkungen der Waldbrände in Indonesien auf die Tiere des Landes vorzunehmen. Außerdem sollte ich helfen, Orang-Utans und einen Gibbonaffen in der Provinz Kalimantan auf Borneo zu retten.

Beim Anflug auf die Stadt Sampit sehe ich unter mir lauter perfekte kleine Quadrate – alles Palmölplantagen. Und dann kommen die Waldbrände … so viele aktive Feuer, dass ich mit dem Zählen gar nicht hinterherkomme.

Sampit hat traurige Berühmtheit erlangt – als Gegend, in der immer mehr Wälder vernichtet werden, um Raum für noch mehr Palmölplantagen zu schaffen.

Auf der Straße beträgt die Sicht zeitweise unter 20 Metern – es ist gefährlich, sich dort zwischen all den verschiedenen Fahrzeugen, Motorrädern und Menschen zu bewegen, ohne viel erkennen zu können. Selbst an der Straße brennen stellenweise Feuer, die niemand zu löschen versucht. Einige Gegenden sind in den vergangenen paar Tagen komplett abgebrannt.

Nirgendwo waren Lebenszeichen zu entdecken

Unser Team besuchte eine Siedlung von Arbeitern einer Palmölplantage. Dort fanden wir einen Orang-Utan, der von einem alten Mann gehalten wurde. Der Mann hing an dem Tier und wollte ihn nicht gerne herausgeben. Nach einem längeren Spaziergang und Gespräch freundete er sich mit dem Gedanken an, dass die Chance auf Auswilderung nach einer Rehabilitation für den Orang-Utan wohl doch das Beste wäre.

In Zusammenarbeit mit der zuständigen Wildtierbehörde transportierte unser Team dann diesen Orang-Utan, einen Baby-Orang-Utan sowie einen Gibbonaffen zur Orangutan Foundation International (internationale Orang-Utan-Station) in Pangkalan Bun in Kalimantan.

Diese Tiere geraten – wie so viele andere, die noch auf Rettung warten – zwischen die Fronten, wenn es um den Bau von Palmölplantagen geht. Es gibt Gesetze, die die Brandrodung verbieten, die neben der Trockenheit vermutlich für die Feuer verantwortlich ist. Da aber Korruption im Lande herrscht und es an Personal fehlt, werden diese Gesetze nicht wirklich umgesetzt. Großunternehmen wie die der Palmölproduktion, Holzgewinnung und des Bergbaus sind mächtige Gegner für Nichtregierungsorganisationen, die sich für eine Beendigung solcher umweltschädlichen Industrien einsetzen.

Wenn uns auch die Tiere sehr am Herzen liegen, ist es für uns doch auch schwer zu begreifen, dass die Regierung vollkommen ignoriert, welchen schädlichen Effekt das tägliche, ununterbrochene Einatmen des Rauches für die Menschen in der Region hat.

Ich sah die Sorge in den Gesichtern von Müttern, die versuchten, ihre Babys vor dem Rauch zu schützen und ich fragte mich, wie Eltern so etwas wohl ihren Kindern erklären. Die Palmölproduktion macht das Leben hier gefährlich und gesundheitsschädlich – und niemand beschwert sich. 

Die Palmölunternehmen haben Straßen asphaltiert, Elektrizitätsleitungen gezogen und Schulen und Krankenhäuser gebaut.

Das Leben in Sampit ist ziemlich gut … solange man nicht über die Nebeneffekte der fortgesetzten Landgewinnung – und damit Umweltzerstörung – nachdenkt. 

BU: Eines der Orang-Utan-Babys, die sich unter tierärztlicher Betreuung langsam erholen.

Ich habe schon viele niederschmetternde Szenen gesehen, die durch Katastrophen – natürliche oder durch Menschen verursachte – kreiert worden waren. Aber nichts davon ist mit dem hier vergleichbar: Üppiger Wald, Heimat unzähliger Tiere, wird durch die Geldgier des Menschen vernichtet.

Schon in der Grundschule brachte man mir etwas über Abholzung, Verlust von Lebensraum und die stetig wachsende Liste gefährdeter Tierarten bei. Jetzt schreiben wir das Jahr 2014 und wir haben es immer noch nicht geschafft, unserem zerstörerischen Treiben ein Ende zu setzen. Man kann sich nur schwer vorstellen, wie Abholzung in der Realität aussieht. Ich selbst befinde mich noch immer in einer Art Schockzustand, nachdem ich hier sehen konnte, wie zerstörerisch die Palmölunternehmen vorgehen – und das noch immer, nach so vielen Kampagnen, die gegen sie geführt wurden. 

Ich glaube, dass es noch Hoffnung für Zentral-Kalimantan gibt.

Organisationen wie COP arbeiten mit Kampagnen gegen die Abholzung.

--JG

Dank Ihrer Hilfe können auch wir weiter gegen diese Art der Umweltzerstörung kämpfen und Tiere retten. 

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Experten

Kampagnenberater
Kampagnenberater
Brian Sharp, Leiter Rettungseinsätze, Einsatzkoordinator für Strandungen
Leiter Rettungseinsätze, Einsatzkoordinator für Strandungen
Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Gail A'Brunzo, Leiterin IFAW Wildtierschutz
Leiterin Wildtierschutz, IFAW
Veterinarian, DVM, PhD - IFAW Beijing
Tierärztin, DVM, PhD
Katie Moore, Leiterin Marine Mammal Rescue and Research
Programmdirektorin Tierrettung
Shannon Walajtys, Leiterin IFAW Katastrophenhilfe
Leiterin des Bereichs Katastrophenhilfe
Vivek Menon, IFAW Senior-Berater Strategische Partnerschaften
Senior-Berater Strategische Partnerschaften