Zentrum für Wildtierrehabilitation - Indien
Jedes Jahr werden Wildtiere im Kaziranga Nationalpark aufgrund schwerer Überschwemmungen zu Waisen oder von ihren Familien getrenntAm Nachmittag des 21. Januar 2026 entdeckte ein Team der Forstbehörde von Assam im Kaziranga Nationalpark ein junges Nashornkalb allein im hohen Gras. Kaum eine Woche alt zeigte das männliche Kalb zwar keine sichtbaren Verletzungen, doch von seiner Mutter fehlte jede Spur.
Die Suche nach der Mutter zog sich durch die ganze Nacht. Währenddessen bekam das Kalb Rehydratationslösungen, um es zu stabilisieren, und wurde in warme Decken gehüllt. Leider konnte seine Mutter trotz aller Mühen nicht gefunden werden. Um das Kalb besser versorgen zu können, wurde es schließlich in IFAW-WTIs Zentrum für Wildtierrehabilitation gebracht.

Gemeinsam mit dem Wildlife Trust of India (WTI) und der Forstbehörde von Assam betreiben wir das Zentrum für Wildtierrehabilitation, um Tiere in Not zu retten. Es ist das erste Zentrum seiner Art in Indien. Engagierte Veterinär- und Pflegeteams sowie zahlreiche Freiwillige retten und versorgen die Tiere. Ziel ist es, wenn möglich, jedes Tier wieder auszuwildern.
Die ersten Tage sind kritisch
Bei seiner Ankunft im CWRC wirkte das Nashornkalb aufmerksam, wurde jedoch bald apathisch und zeigte Anzeichen unvollständiger Nahrungsaufnahme. Eine genauere tierärztliche Untersuchung bestätigte sein Alter auf etwa 3 bis 4 Tage. Diese Erkenntnisse basierten auf dem Zustand einer gefundenen Plazenta und der Nabelschnur, die noch nicht vollständig getrocknet war. Sein Gewicht: nur 58 Kilogramm.
So junge Kälber nehmen häufig nicht ausreichend Kolostrum auf, die nährstoffreiche Erstmilch, die für ihr frühes Immunsystem entscheidend ist. Ohne diese sind Neugeborene extrem anfällig für Infektionen und Krankheiten. Das CWRC-Team begann daher sofort mit unterstützenden Maßnahmen wie angepassten Fütterungsroutinen, Temperaturregulierung und medizinischer Betreuung.
Zeichen von Stärke und Willenskraft
Nur wenige Tage nach seiner Rettung zeigte das Kalb einen kleinen, aber bedeutenden Meilenstein: Es trank 1,5 Liter Milch in nur 28 Sekunden. Für ein junges Nashorn, das anfangs Schwierigkeiten beim Trinken hatte, war dies ein wichtiger Fortschritt.
Für eine langfristige Prognose ist es noch zu früh. Doch jede Stunde spiegelt die Willenskraft des Kalbs und auch die Hingabe und das Fachwissen des Teams im Zentrum wider.
Teil von etwas Größerem
Die Geschichte dieses Kalbs ist kein Einzelfall. In Assam stehen Panzernashörner weiterhin unter Druck: durch die regelmäßigen Fluten gepaart mit Lebensraumverlust und andere Bedrohungen. Obwohl das Primärziel immer ist, Kälber wieder mit ihren Müttern zu vereinen, ist dies nicht immer möglich. In diesen Fällen wird das Tier im Zentrum rehabilitiert mit dem langfristigen Ziel, es eines Tages wieder auszuwildern.
Jedes rehabilitierte Tier kann Teil der übergeordneten Artenschutzziele werden. Dem IFAW ist es dabei wichtig, eine Verbindung aus individuellem Wohlergehen, Arterholung und von den Menschen vor Ort getragenen Arten- und Naturschutzmaßnahmen zu schaffen. Tatsächlich machen zwei weitere gerettete Nashörner, vom Team vor Ort Chandra und Kanai genannt, in diesem Monat ihre ersten Schritte zurück in die Wildnis. Ein weiteres Beispiel ist Ganga, das erste in Indien rehabilitierte und ausgewilderte Nashorn, das in freier Wildbahn Nachwuchs bekam. Inzwischen ist sie bereits Großmutter.
Während wir die Entwicklung dieses neuesten Schützlings weiterverfolgen, hoffen wir, dass auch seine Geschichte eines Tages Teil einer besseren Zukunft sein wird.
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