Das ZEN-Projekt: Lösungen für einzelne Tiere, Wildtierpopulationen, Lebensräume und lokale Gemeinden

Jimmiel Mandima | 24 April 2019

Das zwischen Nationalparks und den Wanderkorridoren von Elefanten gelegene Panda Masuie Forest Reservat war früher eine üppige Landschaft mit besonders großer Artenvielfalt. Nach jahrelanger Nutzung als Jagdgebiet wurden die Lebensräume zerteilt, und die Tiere zerstreuten sich auf der Suche nach neuen Wanderrouten. Dabei litt auch das Ökosystem des Waldes. 2016 entschied die Regierung Simbabwes gemeinsam mit der Forstverwaltung, das Gebiet künftig anders zu nutzen. Der Pachtvertrag mit unserem Partner „Wild is Life“ schreibt nun eine Nutzung vor, die keine Jagd zulässt. Die Rückführung des Areals zu seinem ökologisch stabilen Ursprung sollte nicht nur den Wildtierpopulationen großartige Möglichkeiten bieten, sondern auch den örtlichen Gemeinden. Gemeinsam mit der Organisation „Wild is Life“ stellten wir uns dieser Herausforderung und riefen das ZEN-Projekt ins Leben – eine Initiative zur Rettung, Rehabilitation und Auswilderung der Elefanten im Panda Masuie Forest Reservat. Im Rahmen des Projekts soll das Reservat zu einem gesunden, gut funktionierenden Teil des gesamten geschützten Areals im Nordwesten Zimbabwes werden.

Unsere Initiative begann als Zimbabwe Elephant Nursery (ZEN) in Harare. ZEN ist die einzige Einrichtung im Land, die Elefanten rehabilitiert und auswildert. Elefantenwaisen erhalten hier besondere Pflege, um trotz des Verlusts ihrer Mutter und ihrer Herde überleben zu können. Zunächst entwickeln sie eine enge Beziehung zu ihren Pflegern, die sich rund um die Uhr um die Waisen kümmern, ähnlich wie eine Pflegefamilie. Sobald die kleinen Elefanten gesund und zu Kräften gekommen sind, bauen sie wieder eine Beziehung zu anderen Elefanten auf und werden zunehmend unabhängiger von ihren menschlichen Pflegern. Sie fangen an, sich die Kenntnisse anzueignen, die sie für die freie Wildbahn benötigen.

Der zweite Schritt des Rehabilitationsprogramms beginnt für die Elefantenwaisen in einer speziellen Auswilderungs-Einrichtung, wo sich die Tiere allmählich an das Leben in der Wildnis gewöhnen können. Im Rahmen unseres Pachtvertrags konnten wir gemeinsam mit der Organisation „Wild is Life“ ein besonderes „Boma“ (Schutzgebiet) im Panda Masiue Forest Reservat aufbauen, das inzwischen als Auswilderungs-Einrichtung fungiert. Im Mai 2018 wurden sechs Elefanten aus der ZEN-Krippe in die neue Einrichtung in Panda Masuie gebracht. Hier können die Tiere über ihre gewohnte Umgebung hinauswachsen und sich an ein Leben außerhalb ihres Bomas gewöhnen.

Im Januar passierten die Elefanten einen bedeutenden Meilenstein auf dem Weg in die freie Wildbahn: die erste Begegnung mit einem wilden Elefanten. In der Nacht zum 12. Januar wurden die Pfleger plötzlich vom aufgeregten Trompeten der Herde geweckt. Ein wilder Elefantenbulle hatte der Einrichtung einen Besuch abgestattet. Der Bulle streifte eine halbe Stunde an der Interaktionszone entlang, wo ihn nur ein Holzzaun von den Elefantenwaisen trennte. Wir hoffen, dass der Auswilderungsprozess schnell vorangeht. Dabei spielt die Aufnahme in eine bestehende Herde eine besonders wichtige Rolle, besonders für die weiblichen Elefanten. Denn sie bleiben in ihrer Familienherde und sind auf die Bindung zu anderen weiblichen Elefanten angewiesen. Diese vermitteln ihnen alles, was sie wissen müssen, um Elefantenkälber großzuziehen und zu beschützen. Wenn die männlichen Elefanten zu Teenagern heranwachsen, verlassen sie ihre mütterliche Herde, um sich mit anderen jungen Bullen zusammenzutun. Es lässt sich schwer voraussagen, wann sich die geretteten Elefanten einer wilden Herde anschließen werden, aber solche Begegnungen stellen den Anfang dieses Prozesses dar.

Doch damit sind unsere Anstrengungen nicht beendet. Lebensräume zu schützen und Elefanten auszuwildern ist nur ein Teil unserer Arbeit: Unser ganzheitlicher Ansatz verknüpft die Einbindung der Bevölkerung mit dem Schutz von Lebensräumen, um das Zusammenleben mit Wildtieren zu fördern. Menschen und Wildtiere waren immer schon aufeinander angewiesen und werden auch in Zukunft eng miteinander verbunden bleiben. Das Verständnis für diese Vernetzung bei der Bevölkerung zu stärken ist unerlässlich für das Wohlergehen von Menschen, einzelnen Tieren und Wildtierpopulationen sowie für gesunde Lebensräume. Wir unterstützen Gemeinden, indem wir ihnen Strafverfolgungs-Ranger an die Seite stellen, Zugang zu sauberem Trinkwasser verschaffen und bessere Ausbildungsmöglichkeiten sowie Strategien zur Lösung von Mensch-Tier-Konflikten bieten. So helfen wir den Menschen, nachhaltige, wirtschaftlich stabile Existenzgrundlagen aufzubauen. Mit Initiativen wie dem Projekt ZEN fördern wir Lebensweisen, durch die Menschen harmonisch mit Wildtieren zusammenleben können und die sowohl die Lebensqualität als auch das Ökosystem stärken.

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