Hilfsprojekt für verwaiste Elefanten – Simbabwe
Der Tod einer Elefantenmutter ist oft das Todesurteil für ihr Kalbvon Jos Danckwerts, Conservation Director bei Wild is Life (WIL)
Mitte November erreichte uns eine beunruhigende Nachricht: Ein junges Elefantenkalb wurde gesichtet, wie es allein an der Grenze zum Zambezi Nationalpark bei den Victoriafällen in Simbabwe umherwanderte.
Es war abgemagert, dehydriert und hatte Mühe, mit den vorbeiziehenden Herden Schritt zu halten. Es war klar, dass es seine Mutter verloren hatte. Mit nur achtzehn Monaten, also noch einem Alter, in dem es von der Milch der Mutter abhängig ist, war das Elefantenkalb viel zu jung, um allein überleben zu können. Elefantenmütter verlassen ihre Kälber niemals freiwillig. Wird ein Jungtier alleine aufgefunden, ist dies in der Regel die Folge einer Tragödie.

Bald darauf erreichte uns die Nachricht einer weiteren Sichtung: Dasselbe Kalb wurde von einem Rudel Hyänen gejagt. Ein einsames Elefantenkalb kann eine solche Gefahr nicht überleben.
Die Rettung
Zusammen mit ZimParks und der simbabwischen Forstbehörde (engl. Forestry Commission) begann unser Team von Wild is Life, unterstützt vom IFAW, mit der Suche. Mehrere Tage lang wurden nur verblasste Spuren in der trockenen Erde gefunden, die von einer verzweifelten Reise durch den Wald zeugten.
Doch dann kam endlich Hoffnung auf. Das Kalb wurde in der Nähe des Chambonda Tented Camps erneut gesichtet. Innerhalb weniger Stunden machte sich ein koordiniertes Team aus Wild is Life-Rettungskräften, Mitgliedern des ZimParks-Ranger-Teams und einer tierärztlichen Fachkraft des Victoria Falls Wildlife Trust auf den Weg.
Bei extremer Hitze von 38 °C bewegte sich das Team vorsichtig durch den Busch. Mit einem präzisen Pfeil wurde der Elefant betäubt und innerhalb weniger Augenblicke glitt das junge Kalb sicher in den Schlaf. Das Ranger-Team von ZimParks hielt Ausschau nach Raubtieren, während der Rest des Rettungsteams den Elefanten schnell auf einen Land Cruiser hob, um ihn nach Panda Masuie zu bringen.
Selbst einen jungen Elefanten zu transportieren ist keine leichte Aufgabe. 40 Minuten lang kämpfte sich das Fahrzeug über unwegsames Gelände, während das Rettungsteam durchgehend die Atmung des Kalbs überwachte und seinen Körper kühlte. Am späten Nachmittag kam das kleine Kalb dann sicher in den sogenannten Bomas (Freigehegen, wörtlich „Zuhause“) von Panda Masuie an, wo gerettete Elefanten Pflege, Gesellschaft und Zeit zur Genesung finden.
Ein herzlicher Empfang
Noch bevor die Herde ihn sehen konnte, spürten die Elefanten, dass ein neuer Bewohner angekommen war. Von der anderen Seite der Bomas drangen leise Brummgeräusche und Trompetenlaute der Aufregung herüber. Es wirkte wie ein Chor der Begrüßung, der die Luft erfüllte.
Als die Betäubung nachließ, wachte das Kalb langsam auf, unsicher und unschlüssig. Als sich die Tore öffneten, eilten die anderen Elefanten herbei und streckten ihre Rüssel aus, um ihn zu beruhigen.
In dieser Nacht weigerten sich die älteren Elefanten Norah, Annabelle, Summer und Maggie, von seiner Seite zu weichen. Sie schauten immer wieder nach dem Kalb, während es die ganze Nacht still dastand, noch zu unsicher, um sich hinzulegen oder aus einer Flasche zu trinken.
Am Morgen führte ihn die Herde behutsam hinaus, um zu grasen und ein Sandbad zu nehmen. Er folgte ihnen schweigend, während sich seine kleinen Schritte den ihren anpassten. Und dann, unter der geduldigen Obhut von Paradzai Mutize, einem der erfahrensten Tierpfleger von Wild is Life, trank das kleine Kalb endlich seine erste volle Flasche Milch. Ein stiller, aber eindrucksvoller Moment des Vertrauens.

Eine Zukunft mit Room to Roam
Das Team von Panda Masuie hat das neue Kalb „Winston” getauft. Seine Geschichte handelt von Verlust, Rettung und Widerstandsfähigkeit, aber auch davon, was möglich ist, wenn Menschen sich zusammenschließen, um Wildtiere zu schützen. Jede erfolgreiche Rettung erinnert uns daran, warum IFAWs „Room to Roam”-Initiative so wichtig ist: sichere, zusammenhängende Landschaften zu schaffen, in denen sich Elefanten und andere Wildtiere frei bewegen können, und gefährliche Interaktionen mit Menschen, die in der Nähe von Wildtieren leben, zu minimieren
Dank der Fürsorge und Zusammenarbeit von Wild is Life, ZimParks, der simbabwischen Forstbehörde, dem Victoria Falls Wildlife Trust und lokalen Partnern, erhielt das gerettete Elefantenkalb eine zweite Chance. Eines Tages, wenn es stark und bereit ist, wird es wieder frei in der afrikanischen Wildnis umherstreifen. So kann Winston zu einem Teil einer verbundenen Landschaft werden, die Sicherheit, Freiheit und Hoffnung bietet.
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