Herdenschutz auf vier Rädern - Schleswig-Holstein fördert technische Innovation bei der Weidesicherung

Schäferin Uta Wree stellt das vom IFAW finanzierte Wickelsystem ein.
Montag, 25 März, 2019
Fahrdorf

Der Wolf stellt Norddeutsche Schäfereien vor eine besondere Herausforderung. Im Interesse des Bodenschutzes werden die Schafe im Winter oft in Kleingruppen gehalten. Bei jedem Weidewechsel müssen unzählige Pfähle in den Grund getrieben und viele Kilometer stromführender Draht verlegt werden. Diese Knochenarbeit ist für Schäfer*Innen nichts Neues. Nur reicht ein Draht heute nicht mehr. Der schreckt zwar Schafe vom Ausbruch ab, hält aber keinen Wolf fern.

Um ihre Herden auch vor dem Wolf zu schützen hat Schäferin Uta Wree aufgerüstet. Ihr Quad ist jetzt mit einem Spezialaufbau ausgestattet. Der verlegt vier Drähte gleichzeitig auf besondere Pfosten, die selbst den nordischen Winden standhalten. Im ersten Praxistest hat sich die neue Technik bei Bau wolfsabweisender Zäune bewährt. Der International Fund for Animal Welfare (IFAW) ermöglichte den Versuch mit einem Investitionszuschuss in Höhe von 6.000 Euro. Das Projekt wurde gemeinsam mit dem Bundesverband Berufsschäfer e.V. entwickelt und von Uta Wree umgesetzt.

Aufgrund der guten Ergebnisse hat das Land Schleswig-Holstein nun eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben. Sie soll den ferngesteuerten Einsatz des Systems prüfen. Im Erfolgsfall ist die Entwicklung und Erprobung eines Prototyps geplant. Damit gäbe es erstmals eine Lösung für den automatisierten und kostengünstigen Einsatz von wolfsabweisenden Mobilzäunen.

„Schäfer*Innen dürfen beim Herdenschutz nicht allein gelassen werden. Die staatliche Förderung ist ungenügend, Forschung und Entwicklung finden nicht statt. Beides muss sich ändern. Da wollen wir helfen und ein Zeichen setzen. Nur mit flächendeckenden Herdenschutz ist ein konfliktarmes Zusammenleben mit dem Wolf möglich,“ erklärt Andreas Dinkelmeyer, Wolfscampaigner IFAW-Deutschland.

Aus Sicht des Bundesverbandes Berufsschäfer ist das richtig. Sein Vorsitzender Günther Czerkus hält technische Innovation für unerlässlich, um die hohen Kosten des Herdenschutzes zu senken und Lösungen für schwierige Flächen zu finden. Langsam werde die Zeit für die Schäferei knapp. Daher sei man für jede Hilfe dankbar.

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