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Wir ändern die globale Denkweise und schützen die Wale für die ZukunftIsland vor Wiederaufnahme des Walfangs: Countdown für umstrittene Jagd läuft
Island vor Wiederaufnahme des Walfangs: Countdown für umstrittene Jagd läuft
Hamburg, 10. Juni 2026 – Nach zweijähriger Pause steht die Wiederaufnahme des Walfangs in Island kurz bevor. Für die anstehende Saison wurden Fangquoten von 150 Finnwalen und 168 Zwergwalen festgelegt. Die geplante Jagd fällt in eine Zeit wachsender politischer Spannungen und anhaltender Kritik am Walfang.

Das isländische Walfangunternehmen Hvalur hf. von Eigentümer Kristján Loftsson hat bestätigt, noch in diesem Sommer wieder Jagd auf Finnwale zu machen. Aktuellen Erkenntnissen zufolge könnten die Schiffe bereits in den nächsten Tagen auslaufen.
Finnwale sind die zweitgrößten Tiere der Erde und gelten als gefährdet – die Art ist einem hohen Risiko des Aussterbens in freier Wildbahn ausgesetzt.
Der IFAW (International Fund for Animal Welfare) kritisiert den Walfang als unnötig, unmenschlich und brutal. Die Tiere erleiden oft langanhaltende Qualen: Nach einer erschöpfenden Verfolgung werden sie mit Explosivharpunen beschossen. Offizielle Studien haben belegt, dass es in einzelnen Fällen bis zu zwei Stunden dauern kann, bis ein Wal stirbt. Zudem wurden Fälle dokumentiert, in denen schwer verletzte Tiere entkommen konnten.
„Es ist eine Katastrophe, dass in den kommenden Tagen die grausame Jagd auf Finnwale in Island erneut gestartet wird. Diese grausame und völlig unnötige Praxis ist durch nichts zu rechtfertigen“, sagt Andreas Dinkelmeyer, Kampagnenleiter des IFAW in Deutschland. „Wir sind von der Industrieministerin Hanna Katrín Friðriksson schwer enttäuscht. Die Regierung hatte die Chance, den Walfang in dieser Saison zu stoppen – oder wenigstens einzuschränken – und hat sie ungenutzt verstreichen lassen.“
Die isländische Regierung hatte angekündigt, die Walfanggesetze zu überprüfen – mit dem erklärten Ziel, die Jagd langfristig zu beenden. Ein neuer Anlauf im Gesetzgebungsverfahren könnte bereits im Herbst erfolgen. Allerdings ist nicht ausgeschlossen, dass mögliche Änderungen erst nach Ablauf der aktuellen Fünfjahreslizenz im Jahr 2029 in Kraft treten. Zuständig ist Industrieministerin Hanna Katrín Friðriksson, die auch die Fischerei verantwortet.
Der kommerzielle Walfang erfolgt vor dem Hintergrund einer sinkenden Nachfrage nach Walfleisch. Gleichzeitig steht Island vor einer politischen Richtungsentscheidung: Ende August soll per Referendum darüber abgestimmt werden, ob die Verhandlungen über einen EU-Beitritt wieder aufgenommen werden. Während die Europäische Union kommerziellen Walfang strikt ablehnt, betrachten einige ihn als Symbol nationaler Unabhängigkeit. Entsprechend verschärft die Debatte die politischen Spannungen im Land.
„Es ist zynisch, dass Kristján Loftsson, Eigentümer von Hvalur hf., erneut Finnwale töten will, obwohl sich das Fleisch weltweit kaum noch verkaufen lässt“, so Dinkelmeyer. „Uns drängt sich die Vermutung auf, dass der Walfang gezielt genutzt wird, um die ganz politische Debatten zu emotionalisieren – mit den Tieren als Leidtragende. Denkbar ist, dass so eine Reform des isländischen Walfangrechts verzögert und Einfluss auf das anstehende EU-Referendum genommen werden soll.“
Die Walfänger von Hvalur hf. nahmen die Jagd auf Finnwale 2009 wieder auf und haben seitdem 1.017 Finnwale getötet. In der Saison 2023 wurden lediglich 24 Tiere erlegt, nachdem es im Jahr zuvor noch 148 waren. Ein Teil des Fleisches wurde nach Japan exportiert, wo die Nachfrage jedoch sinkt und eigene Fangkapazitäten ausgebaut wurden.
Der Zwergwalfang ist in Island nahezu zum Erliegen gekommen: 2021 wurde nur ein einziges Tier gefangen. Zwergwalfleisch war lange als vermeintliche Delikatesse für Tourist:innen vermarktet worden, doch mit dem Wandel der öffentlichen Meinung ist die Nachfrage stark zurückgegangen. Ein neuer Akteur, NORA Seafood, erwägt zwar den Einstieg in den Zwergwalfang, doch ob dies 2026 tatsächlich geschieht, ist unklar.
„Trotz der erwarteten Jagd in diesem Jahr gibt es Anlass zur Hoffnung“, sagt Dinkelmeyer. „Seit der Wiederaufnahme des Walfangs 2003 arbeiten wir gemeinsam mit einem breiten Bündnis isländischer Akteure an einem gesellschaftlichen Wandel – von Umwelt- und Tierschutzorganisationen, über Tourismus bis hin zu Politik und Verwaltung. Dabei wird eines klar: Die Mehrheit der Isländer:innen will den Walfang dauerhaft beenden – und sie wird es auch tun.“
Der IFAW fordert die isländische Regierung auf, den Walfang schnellstmöglich gesetzlich endgültig zu verbieten und sicherzustellen, dass bestehende behördliche Vorschriften in der aktuellen Saison konsequent durchgesetzt und Verstöße wirksam geahndet werden.
Hintergrundinformationen
- Seit Inkrafttreten des Walfangmoratoriums der Internationalen Walfangkommission (IWC) im Jahr 1986 wurden mehr als 1.900 Finn- und Zwergwale von isländischen Walfängern getötet. Die Walfänger der Firma Hvalur Hf nahmen 2009 den kommerziellen Walfang auf Finnwale wieder auf und haben seither 1017 Tiere erlegt.
- Island betreibt kommerziellen Walfang auf Basis einer selbst festgelegten Quote für Finn- und Zwergwale. Die aktuellen Lizenzen werden in einem Fünfjahresrhythmus erteilt. Die derzeit gültige Lizenz wurde im Dezember 2024 noch von Übergangs-Premierminister Bjarni Benediktsson erteilt – entgegen üblicher politischer Gepflogenheiten. Sie erlaubt eine jährliche Tötung von bis zu 209 Finnwalen und 217 Zwergwalen. Diese Quote wurde anschließend noch einmal auf 150 Finnwalen und 168 Zwergwalen gesenkt.
- Finnwale sind die zweitgrößten Säugetiere der Erde und werden in der Größe nur durch den Blauwal übertroffen. Sie werden durchschnittlich 20 Meter lang mit einem Gewicht von 38 bis 50 Tonnen und sind schnelle Schwimmer. Auf der Roten Liste der IUCN werden sie als gefährdet (Vulnerable) eingestuft.
- Eine offizielle Studie der isländischen Veterinärbehörde (MAST) zeigt, dass ein erheblicher Anteil der gejagten Wale nicht sofort stirbt: Viele Tiere erleiden langanhaltende Qualen, in einigen Fällen bis zu zwei Stunden, bevor sie verenden. Der MAST Report zum Download: LINK
Für weitere Informationen oder Interviews kontaktieren Sie bitte:
Raphael Heinetsberger
Pressesprecher
t: +49 (0) 40 866 500 38
e: rheinetsberger@ifaw.org
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