Widerstand gegen kommerziellen Walfang - weltweit
Wir ändern die globale Denkweise und schützen die Wale für die ZukunftKommerzieller Walfang: Warum es keine humane Jagd auf Wale gibt
Kommerzieller Walfang: Warum es keine humane Jagd auf Wale gibt
Ein Wal taucht erschöpft auf, holt Luft. Das Walfangschiff bleibt dicht hinter ihm. Die Jagd beginnt lange bevor sich die erste Harpune in seinen Körper bohrt: mit der Verfolgung, mit Stress und mit Erschöpfung. Die Walfänger zielen auf ihn, der Schuss fällt.
Die Harpune trifft selten sofort tödlich, es folgt oft ein minutenlanger, nicht selten ein noch viel längerer Todeskampf.

Der Schiffsarzt Harry Lillie, der in den 1940er Jahren eine Antarktis-Walfangexpedition begleitete, schrieb den Satz, der die Grausamkeit des Walfangs bis heute trifft: „Die Harpuniere selbst geben zu: Wenn Wale schreien könnten, würde die Industrie aufhören, denn niemand würde das ertragen.“
Das ist die erschreckende Realität dieses 40. Jahrestags: Das Moratorium der Internationalen Walfangkommission (IWC) sollte den kommerziellen Walfang beenden. Doch auch 40 Jahre nach seinem Inkrafttreten werden weiter Wale getötet und noch immer mit Methoden, die nicht human sind.
Der IFAW lehnt kommerziellen Walfang seit Jahrzehnten ab, nicht nur aus Gründen des Arten- und Meeresschutzes, sondern auch, weil Walfang immer grausam und mit erheblichem Leid für die Tiere verbunden ist.
Warum kommerzieller Walfang nie human sein kann
Wale sind die größten lebenden Tiere der Erde. Ihr Körperbau mit dicken Schichten an Blubber, Muskeln und dicken Knochen schützen sie. Zudem sind sie darauf angepasst ihren Atem lange anzuhalten und nur kurz aufzutauchen. All das macht es besonders schwer, sie sofort zu töten und damit die Jagd so grausam. Sprengharpunen sollen tief in den Körper eindringen, dort explodieren und schwere innere Verletzungen verursachen. In der Theorie soll das Tier dadurch sofort getötet oder bewusstlos werden.
Die Realität sieht jedoch viel zu oft anders aus: Der Walfang startet mit einer Verfolgungsjagd bis die Tiere völlig erschöpft sind. Harpunen töten nicht sofort.
Die Harpuniere versuchen von einem sich in den Wellen bewegenden Schiff den fliehenden Wal zu treffen. Zusätzlich explodieren manche Sprengharpunen nicht oder die Harpunenleinen reißen, daher müssen die Harpuniere mehrere Harpunen abschießen. Verwundete Wale werden an die Schiffe herangezogen und manche dort weiter mit Gewehren beschossen, bis sie sterben. Selbst dann ist nicht sicher, dass sie sofort tot sind: Wale, die äußerlich reglos erscheinen, können noch bei Bewusstsein sein und Schmerzen empfinden.
Andreas Dinkelmeyer, Kampagnenleiter des International Fund for Animal Welfare (IFAW) sagt dazu: „Walfang ist grausam, es gibt keine humane Art und Weise auf See einen Wal zu töten. Kein Tier – egal wie es getötet wird – sollte so lange leiden.“
Was auf See verborgen bleiben soll
Lange fehlten unabhängige Daten zum Leiden der Tiere. Die IWC war weitgehend auf Angaben der Walfänger selbst angewiesen. Hier setzte der IFAW an: Gemeinsam mit Wissenschaftler:innen und Greenpeace analysierte der IFAW Helikopteraufnahmen aus dem Südpolarmeer und dokumentierte die tatsächliche Zeit bis zum Tod gejagter Wale.
Die Ergebnisse zeigten: Viele Tiere starben nicht sofort, einige erst durch Ersticken. Sie erhielten international große Aufmerksamkeit und galten als eine der ersten unabhängigen Untersuchungen zur realen Tötungspraxis.
Der auf einem japanischen Walfangschiff mitfahrende britische Fotograf Mark Votier veröffentlichte Aufnahmen , die die extreme Grausamkeit der Waljagd offensichtlich machten. Sie zeigen unter anderem wie das Leiden harpunierter Wale verlängert wurde, weil sie mit zu schwachen Elektroschocks getötet werden sollten. Der IFAW sorgte gemeinsam mit ihm dafür, dass die Bilder international bekannt wurden.
Zudem deckte der IFAW auf, wie wenig transparent der Walfang ist. Das Töten anerkanntermaßen geschützter Walarten fand in der Abgeschiedenheit der Walfang Aktivitäten statt, diesen illegalen Walfang aufzudecken dauerte Jahrzehnte.
Der IFAW unterstützte damals bahnbrechende DNA-Analysen von Walprodukten angeboten auf Märkten in Japan und Südkorea. Die Analysemethoden entwickelt der IFAW in einer Kooperation des langjährigen wissenschaftlichen Kooperationspartners, der University of Auckland. Die Analysen belegten, dass weiterhin geschützte und bedrohte Arten im Handel auftauchten – entgegen offizieller Angaben der Walfänger.

Japan expandiert seinen Walfang immer weiter
Wie brüchig die Fortschritte beim Walfangverbot sind, zeigt auch Japan. Das Land trat 2019 aus der IWC aus, um sich internationalen Regeln zu entziehen, und nahm kurz darauf den kommerziellen Walfang wieder auf. Zuvor hatte Japan über Jahre sogenannten „wissenschaftlichen Walfang“ betrieben. Dieser wurde international stark kritisiert. Der IFAW hatte der australischen Regierung damals vorgeschlagen den Fall vor den Internationalen Gerichtshof zu bringen. 2014 stufte dann der Internationalen Gerichtshof den sogenannten „wissenschaftlichen“ Walfang als nicht wissenschaftlich gerechtfertigt ein. Der IFAW spielte dabei eine wichtige Rolle, indem er internationale juristisch Symposien organisierte und die Argumentation stärkte..
In Folge des Urteils beendete Japan seinen Walfang in der Antarktis, 2024 weitete Japan jedoch den Walfang auf Finnwale aus. Es gelten nun jährliche Fangquoten für 59 Finnwale, 25 Seiwale, 187 Brydewale und 142 Zwergwale. Gerade bei Finnwalen ist die Aufnahme der Jagd besonders alarmierend. Sie sind nach dem Blauwal das zweitgrößte Tier der Erde. Ihre Populationen wurden durch den historischen Walfang massiv dezimiert und haben sich bis heute nicht vollständig erholt.
Japan: Walfang zwischen Politik und Tradition
Zugleich schrumpft der Markt für Walfleisch. Der Verbrauch ist in Japan auf nur noch etwa 1.000 bis 2.000 Tonnen pro Jahr gesunken und sinkt weiter. Das ist ein Bruchteil früherer Mengen, die vor allem in der Nachkriegszeit erreicht wurden. Der Walfang bedient damit nur noch einen schrumpfenden und überalterten Markt. Die Industrie gilt als wirtschaftlich schwach und ist auf staatliche Subventionen angewiesen.
Dennoch hält Japan am kommerziellen Walfang fest. Die Regierung beruft sich auf kulturelle Traditionen und das Recht, eigene natürliche Ressourcen zu nutzen. Der Walfang ist damit weniger eine wirtschaftliche Notwendigkeit als vielmehr eine politische Entscheidung – auch als Ausdruck eines Anspruchs auf nationale Entscheidungshoheit. Dieses Ziel verfolgte Japan auch mit unlauteren Mitteln, etwa durch Stimmenkauf innerhalb der IWC.
Studie aus Island zeigt extreme Grausamkeit
Besonders deutlich wurde die Grausamkeit zuletzt in Island. Eine staatliche Untersuchung zur Finnwaljagd 2022 zeigte, dass über 40 Prozent der getöteten Wale langsam und schmerzhaft starben. Die mittlere Überlebenszeit der Tiere, die nicht sofort starben, lag bei 11,5 Minuten. Fast ein Viertel der Wale musste ein zweites Mal harpuniert werden. In einem Fall rang ein Wal zwei Stunden mit dem Tod. Ein anderer wurde fünf Stunden lang mit einer Harpune im Körper verfolgt und entkam schwer verletzt.
Noch schockierender: Von den 148 getöteten Walen waren 73 Prozent weiblich, elf waren trächtig, eines war ein säugendes Muttertier. Solche Daten entziehen der Behauptung, Walfang könne human sein, jede Grundlage. Andreas Dinkelmeyer sagt: „Die Fakten sind eindeutig: Der kommerzielle Walfang ist grausam, unnötig und muss beendet werden. Lebende Wale sind für marine Ökosysteme und die Whale-Watching-Industrie weit wertvoller als tot auf einem Teller.“
Grausamkeit darf nicht als Tradition verkauft werden
Vierzig Jahre nach Inkrafttreten des Walfangmoratoriums bleibt eines unverändert: Es gibt keine humane Art auf See einen Wal zu töten. Auch deshalb muss der kommerzielle Walfang endlich beendet werden.
Die Bilder, Daten und Untersuchungen der vergangenen Jahre zeigen, was auf dem Spiel steht: das Leben einzelner Tiere, die Zukunft ganzer Arten und das ökologische Gleichgewicht der Weltmeere, das auch für uns Menschen überlebenswichtig ist.
Harry Lillies Satz gilt bis heute: Wenn Wale schreien könnten, würde das niemand ertragen. Gerade weil wir ihr Leiden nicht hören, darf es nicht weiter übersehen werden. Der IFAW wird weiter Druck machen: mit Forschung, Kampagnen und politischer Arbeit. Denn ein Verbot, das nicht respektiert wird, schützt nicht genug.
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