Bekämpfung von Wildtierkriminalität – Europa
Die Europäische Union gilt allgemein als drittwichtigstes Zielland für illegal gehandelte Wildtiere.Liked to death: Der grausame Handel mit exotischen Haustieren
Liked to death: Der grausame Handel mit exotischen Haustieren

Ein „exotisches Haustier“ ist ein nicht domestiziertes Tier, welches als Haustier gehalten wird. Oder direkter: ein als Haustier gehaltenes Wildtier. Der Handel mit exotischen Haustieren treibt den illegalen Wildtierhandel an, fördert Tierleid und den Verlust von Artenvielfalt.
Die auch in Europa viel gehandelten Tierarten reichen von Graupapageien bis hin zu Servalen. Sie werden direkt in der Wildnis gefangen oder in Gefangenschaft gezüchtet und als exotische Haustiere verkauft, oft beworben und verherrlicht durch virale Inhalte in den sozialen Medien. Im ersten Moment mögen die Videos mit exotischen Haustieren im Feed Ihres Smartphones „süß“ und „harmlos“ erscheinen, gleichzeitig tragen sie aber dazu bei, das grausame Geschäft des weltweiten illegalen Wildtierhandels anzukurbeln.
Überspitzt gesagt: Wildtiere werden „zu Tode geliked“ (Englisch: liked to death).
Gefährliche Mythen über exotische Haustiere und den Wildtierhandel
Der Handel mit Wildtieren als Haustiere floriert unter anderem auch dank noch immer weit verbreiteter Mythen, die zwar beruhigend wirken, jedoch nicht der Wahrheit entsprechen.
Mythos 1: In Gefangenschaft gezüchtete Wildtiere sind domestiziert
Domestizierung dauert Tausende von Jahren: Es handelt sich um eine genetische Veränderung auf Populationsebene über viele Generationen hinweg, bei der Menschen eine Wildtierart so züchten, dass sie sich an das Leben mit Menschen anpasst. In Gefangenschaft gezüchtete Wildtiere bleiben biologisch gesehen wild.
Mythos 2: Eine gute Pflege reicht
Wildtiere haben komplexe soziale, ernährungsbezogene und ökologische Bedürfnisse, die in einem typischen Haushalt kaum oder nicht erfüllt werden können.
Mythos 3: Wildtiere, die legal als Haustiere gehalten werden, schaden den Wildpopulationen nicht
Der legale Handel kann leicht als Deckmantel für den illegalen Wildtierhandel dienen und die Nachfrage nach in freier Wildbahn gefangenen Tieren steigern.
Mythos 4: Das Anschauen oder Liken von Videos über exotische Haustiere ist harmlos
Interaktionen in den sozialen Medien erhöhen durch Algorithmen die Sichtbarkeit solcher Inhalte, und Sichtbarkeit treibt die Nachfrage an.

In Wirklichkeit bleiben Wildtiere wild, unabhängig von ihrem Geburtsort. Ihre Instinkte, sozialen Bedürfnisse und Verhaltensweisen werden durch die Evolution geprägt, nicht durch das Leben in einem menschlichen Haushalt.
Unser Blog klärt über die gängigsten Irrtümern rund um den Handel mit exotischen Haustieren auf und verdeutlicht die wahren Kosten für Tiere, Ökosysteme und Menschen.
Erfahren Sie mehr über Wildtiere, die als Haustiere gehalten werden >>
Was das für die Tiere bedeutet
Hinter jedem viralen Video über exotische Haustiere steht ein einzelnes Tier, das oft weitaus mehr leidet, als Zuschauenden bewusst ist.
Graupapageien: eine der am stärksten betroffenen Arten
Graupapageien gehören zu den intelligentesten Vögeln der Welt. Sie bilden komplexe soziale Bindungen und leben in Waldökosystemen in Zentral- und Westafrika.
Sie gehören jedoch auch zu den Arten, die am stärksten vom Handel mit exotischen Haustieren betroffen sind.
Internationale Handelsdaten zeigen, dass zwischen den 1970er Jahren und den frühen 2000er Jahren über 1,3 Millionen Graupapageien in den weltweiten Handel gelangten. Viele sterben während der Gefangennahme und des Transports, also noch bevor die Tiere überhaupt auf dem Markt exotischer Haustiere angeboten werden. In Teilen Westafrikas hat der intensive Fang für den Handel mit exotischen Haustieren zu einem starken Rückgang der Populationen beigetragen.
In Gefangenschaft sind Graupapageien oft jahrzehntelang in Käfigen eingesperrt. Da ihnen die Interaktion mit den Artgenossen und dem Schwarm sowie geistige Anregung fehlen, entwickeln viele chronische Stressverhalten, z.B. Federpicken und Selbstverletzung.
Servale: wild, aber als Haustiere vermarktet
Servale sind afrikanische Raubkatzen, die durch internationale Handelskontrollen geschützt sind. In freier Wildbahn durchstreifen diese mittelgroßen Katzen weitläufige Reviere, jagen eigenständig und ernähren sich von einer speziellen Nahrung.
Dennoch werden Servale manchmal wegen ihres auffälligen Aussehens als Haustiere verkauft oder in Zuchtanlagen in Gefangenschaft gehalten, um Savannah-Katzen zu züchten. Diese Hybridrasse geht aus einer Kreuzung zwischen einer Hauskatze und einem Serval hervor.
Online-Videos können Servale als verspielt und leicht zu handhaben erscheinen lassen. Doch die Raubkatzen behalten ihre starken Jagdinstinkte und komplexen Verhaltensbedürfnisse, die in einer häuslichen Umgebung nicht nachgebildet werden können.
Einen Serval als Haustier zu halten, domestiziert das Tier nicht; es sperrt ein wildes Raubtier ein.

Transport und Gefangenschaft verursachen Leid bei allen Arten
Unabhängig davon, ob es sich bei der Wildtierart um Vögel wie den Graupapagei, Wildkatzen wie den Serval, Reptilien oder auch Primaten handelt, gilt: Der Weg aus der Wildnis zum „Haustier“ ist beschwerlich:
- Tiere werden häufig in kleine Kisten oder Transportboxen mit schlechter Belüftung gepfercht.
- Viele erreichen die Privathaltung nie, da sie zuvor an Stress, Hunger, Dehydrierung oder Verletzungen sterben.
- Überlebende sehen sich mit Umgebungen konfrontiert, die ihren komplexen sozialen, ernährungsbezogenen, verhaltensbezogenen oder räumlichen Bedürfnissen nicht gerecht werden, was zu chronischem Stress und Krankheiten führt.
Auch das gesamte Ökosystem zahlt einen Preis
Jedes Tier, das für den Handel aus der Wildnis entnommen wird, ist eines weniger, das zu einem gesunden, funktionierenden Ökosystem beiträgt. Bei einigen Arten, z.B. dem Graupapagei, führt die intensive Entnahme nicht nur zu einem Rückgang der Bestände, sondern stört auch die Schwarmstrukturen sowie Fortpflanzungszyklen und beschleunigt so den Rückgang der Populationszahlen.
Wie der IFAW gegen Wildtierkriminalität vorgeht
Der IFAW setzt sich weltweit für die Bekämpfung des Wildtierhandels und die Verringerung der Nachfrage nach Wildtieren als Haustiere ein.
Unsere Arbeit umfasst:
- Die Rehabilitation und, wann immer möglich, die Freilassung beschlagnahmter Wildtiere
- Den Schutz der natürlichen Lebensräume von Wildtieren durch Natur- und Artenschutzprojekte in Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung
- Die Untersuchung und Bekämpfung des illegalen Online-Handels mit Wildtieren
- Die Zusammenarbeit mit Regierungen zur Stärkung der Wildtierschutzgesetze
- Die Unterstützung von Strafverfolgungsbehörden bei der Zerschlagung von Netzwerken des Wildtierhandels
- Aktive Zusammenarbeit mit Online-Plattformen, um den illegalen Verkauf von Wildtieren zu bekämpfen
- Sensibilisierung für die Risiken der Haltung von Wildtieren als Haustiere
Indem wir sowohl das Angebot als auch die Nachfrage bekämpfen, setzen wir uns dafür ein, Wildtiere zu schützen und in freier Wildbahn zu erhalten.

Was Sie tun können, um den Handel mit exotischen Haustieren zu stoppen
Die Beendigung des Wildtierhandels und des Handels mit Wildtieren für den Haustiermarkt beginnt mit alltäglichen Entscheidungen.
- Sie können zum Schutz von Wildtieren beitragen, indem Sie keine Inhalte im Internet liken, kommentieren oder teilen, die Wildtiere als Haustiere zeigen. Interaktionen erhöhen deren Sichtbarkeit und tragen so dazu bei, dass die Nachfrage nach exotischen Haustieren wächst.
- Kaufen Sie niemals ein Wildtier als Haustier und weisen Sie Falschinformationen zurück, wenn Sie sehen, dass diese in sozialen Medien verbreitet werden.
- Indem Sie sich für strengere Gesetze zum Schutz von Wildtieren einsetzen und dazu beitragen, das Bewusstsein für die Schäden des Handels mit exotischen Haustieren zu schärfen, leisten Sie einen direkten Beitrag dazu, die Nachfrage zu verringern und Wildtiere dort zu halten, wo sie hingehören: in freier Wildbahn.
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