Zentrum für Wildtierrehabilitation - Indien
Jedes Jahr werden Wildtiere im Kaziranga Nationalpark aufgrund schwerer Überschwemmungen zu Waisen oder von ihren Familien getrenntHoffnung für einen verwaisten Weißbrauengibbon
Hoffnung für einen verwaisten Weißbrauengibbon
Am 11. April 2026 kam ein erst wenige Wochen altes Westliches Weißbrauengibbon Weibchen ins IFAW-WTI Zentrum für Wildtierrehabilitation nahe dem Kaziranga Nationalpark in Indien.
Das Jungtier wurde in Kohora im Distrikt Golaghat im indischen Bundesstaat Assam gerettet.
Es klammerte sich noch an seine Mutter, die durch einen Stromschlag ums Leben gekommen war.
Mit gerade einmal drei bis vier Wochen war das junge Tier nun auf menschliche Fürsorge angewiesen, um zu überleben.
Das Veterinärteam begann umgehend mit einer Rund‑um‑die‑Uhr‑Betreuung, die unter anderem spezielle Nahrung und eine engmaschige Überwachung umfasste.
Einen Monat später zeigen sich ermutigende Fortschritte. Das junge Gibbon hat 160 Gramm zugenommen und wiegt nun 670 Gramm. Zudem beginnt sie, ihre Umgebung zunehmend selbstbewusst zu erkunden. Instinktiv versucht sie zu klettern und sich von Ast zu Ast zu schwingen. Verhaltensweisen, die für ein Leben hoch oben im Blätterdach des Waldes eines Tages entscheidend sein werden.
Es wurde damit begonnen, ihr feste Nahrung zuzufüttern, darunter Feigen, Bambussprossen und Blätter des Bauhinia‑Baums. So wird sie schrittweise an eine natürlichere Ernährung herangeführt.
Da Gibbons äußerst soziale Tiere sind, stellte das Team ihr zusätzlich ein weiches Stofftier in Affenform als Trost zur Verfügung. Oft ist zu sehen, wie sie sich beim Ausruhen daran festklammert oder es durch ihr Gehege trägt.
Fürsorge über Monate und Jahre hinweg
Die Rehabilitation eines verwaisten Primaten ist ein langwieriger Prozess. Bei jungen Gibbons ist die körperliche Entwicklung nur ein Teil der Genesung. Ebenso wichtig ist es, Koordination, Selbstvertrauen und natürliche Verhaltensweisen zu entwickeln, die für ein eigenständiges Überleben in der Wildnis notwendig sind.
Das Team des Zentrums begleitet jede Phase dieses Prozesses mit großer Sorgfalt und vermeidet dabei, wo immer möglich, eine unnötige Prägung auf den Menschen.
Ihre Rettung selbst war ein großer Glücksfall. Nach Angaben des Teams entging das Jungtier nur knapp selbst einem tödlichen Stromschlag.

Weißbrauengibbons in Indien
Weißbrauengibbons nehmen eine besondere Stellung in Indiens Biodiversität ein. Sie sind hervorragend an das Leben in den Baumwipfeln angepasst und bewegen sich mithilfe der sogenannten Brachiation durch den Wald. Dabei schwingen sie mit ihren langen Armen von Ast zu Ast auf der Suche nach Nahrung und Schutz.
Doch die Wälder im Nordosten Indiens werden zunehmend fragmentiert. Für Arten, die auf ein zusammenhängendes Blätterdach angewiesen sind, wird das Überleben dadurch immer schwieriger. Lebensraumverlust und durch Menschen verursachte Störungen stellen trotz des gesetzlichen Schutzes durch den indischen Wild Life (Protection) Act von 1972 weiterhin große Bedrohungen für Weißbrauengibbons dar.
Im Moment ist die Welt des jungen Gibbons noch klein: regelmäßige Fütterungen, Pausen, erste kurze Kletterversuche sowie der allmähliche Aufbau von Kraft und Selbstvertrauen bestimmen ihren Alltag.
Mit der Zeit und dank kontinuierlicher fachkundiger Betreuung besteht die Hoffnung, dass die Welt eines Tages größer und freier wird.
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