Erdbeben und Brände in Indonesien
Erdbeben und Brände in Indonesien
Der IFAW schickt finanzielle Soforthilfe an langjährige Partner, die hinsichtlich gleich mehrerer Katastrophen helfen
In Westkalimantan auf dem indonesischen Teil der Insel Borneo wüten Brände in Wäldern und kohlenstoffreichen Torfmooren. Sie bedrohen Gemeinden sowie den Lebensraum der laut Roter Liste der IUCN vom Aussterben bedrohten Borneo-Orang-Utans und anderer Wildtiere. Unter gefährlichen Bedingungen arbeiten Feuerwehrleute aus den Gemeinden daran, die Flammen einzudämmen. Einige Teams haben dabei Schwierigkeiten, an genügend Wasser zu kommen, um das Feuer unter Kontrolle zu halten.

Darüber hinaus hat ein starkes Erdbeben der Stärke 7,7 den Osten Indonesiens erschüttert und weitreichende Zerstörungen mit zahlreichen Todesopfern verursacht. Das Erdbeben ereignete sich, während sich der IFAW bereits in Indonesien aufhielt, um gemeinsam mit unserem langjährigen Partner, dem Center for Orangutan Protection (COP), Schulungen zur Katastrophenvorsorge durchzuführen. Mehrere COP-Teammitglieder, die sowohl als Ausbildende als auch als Teilnehmende an der Schulung teilnahmen, verließen daraufhin die Schulung, um im Zuge der sich entwickelnden Notlage die Erdbebenhilfe zu unterstützen.
Dieses zeitliche und geografische Aufeinandertreffen von Schulungen zur Katastrophenvorsorge und tatsächlicher Katastrophe führt eindrücklich vor Augen, warum Vorsorge und der Aufbau lokaler Hilfskapazitäten so wichtig sind. Wenn es zu einer Katastrophe kommt, gehören lokale Organisationen und geschulte Einsatzkräfte oft zu denjenigen, die schnell zugunsten von Tieren und Menschen handeln können.
Unterdessen ist die Lage hinsichtlich der Brände in Westkalimantan weiterhin kritisch. In Sungai Paduan brennen drei der vier von den Gemeinden vor Ort überwachten Wälder, und das Feuer hat bereits die Grenze des vierten Waldes erreicht. An mehreren Stellen breiten sich die Brände immer weiter in Richtung von Wohnhäusern aus. Die dortigen Wälder sind zu einem wichtigen Rückzugsgebiet für Orang-Utans geworden, die durch den Verlust ihres Lebensraums andernorts vertrieben wurden. Beobachtungen zeigen, dass sich ihre Zahl in Sungai Paduan innerhalb von nur drei Jahren mehr als verdoppelt hat.
Der IFAW unterstützt mit Soforthilfe Westkalimantan
Der IFAW stellt finanzielle Soforthilfe bereit, um lokale Partner und kommunale Feuerwehrteams dabei zu unterstützen, wichtige Lebensräume für Wildtiere in Westkalimantan zu schützen. Ein Teil des Geldes geht an „Yayasan Inisiasi Alam Rehabilitasi Indonesia“ (YIARI) für die Branderkennung und -bekämpfung in Pematang Gadung. In diesem mehr als 70 Quadratkilometer großen, von der Gemeinde verwalteten Torfgebiet, leben schätzungsweise 200 Borneo-Orang-Utans. IFAWs Soforthilfe unterstützt zudem das Gunung-Palung-Orang-Utan-Schutzprogramm (GPOCP), um den Teams, die Brände in dessen gesamtem Schutzgebiet einschließlich der betroffenen Waldgebiete von Sungai Paduan bekämpfen, zu helfen.
Die durch den IFAW bereitgestellte finanzielle Unterstützt trägt dazu bei, den Feuerwehrleuten vor Ort wichtige Ressourcen zur Verfügung zu stellen, darunter Pumpen und Schläuche, Schutzausrüstung, Kraftstoff und Transportmittel sowie personelle Unterstützung, Kommunikationsmittel und sonstige Ausrüstung für den Einsatz. In Sungai Paduan, wo der Mangel an zugänglichem Wasser die Löscharbeiten erheblich einschränkt, werden die Geldmittel zudem dazu beitragen, zuverlässige Wasserstellen einzurichten, damit die Teams vor Ort die Brände unter Kontrolle halten können.
Ein lebenswichtiger Rückzugsort für bedrohte Orang-Utans
Einige der schwersten Brände betreffen das Waldgebiet der Gemeinde Sungai Paduan, das Teil eines wichtigen Orang-Utan-Korridors innerhalb der Mendawak-Landschaft nördlich des Gunung-Palung-Nationalparks ist.
Mit der zunehmenden Rodung ihres umliegenden Lebensraumes haben sich diese Wälder für Orang-Utans zu einem immer wichtigeren Rückzugsort entwickelt. Beobachtungen des GPOCP zeigen, dass sich die Zahl der Orang-Utans in Sungai Paduan in nur drei Jahren mehr als verdoppelt hat, da Tiere, die durch den Verlust ihres Lebensraums vertrieben wurden, in die verbliebenen Gebiete gezogen sind.
Schutz der Wildtiere in Pematang Gadung
Weiter südlich in Westkalimantan wird im Wald von Pematang Gadung eine weitere von der Gemeinde initiierte Maßnahme umgesetzt.
Mehr als 70 Quadratkilometer gemeinschaftlich gemanagtes Küsten-Torfland bieten Lebensraum für schätzungsweise 200 Borneo-Orang-Utans. Der Wald beherbergt zudem bedrohte Wildtiere wie Nasenaffen, Silberne Haubenlanguren, Weißbartgibbons, Sunda-Nebelparder sowie zahlreiche Vogel- und Süßwasserarten.
Es handelt sich um eine Landschaft, für deren Schutz und Wiederherstellung sich die lokalen Gemeinden seit Jahren einsetzen. Seit 2016 wurden im Rahmen von Renaturierungsinitiativen mehr als drei Quadratkilometer mit über 150.000 Bäumen neu bepflanzt, während gemeinsame Schutzmaßnahmen dazu beigetragen haben, rund sieben Quadratkilometer Wald mit hohem Wert für den Natur- und Artenschutz intakt zu halten.
Torfbrände stellen eine besondere Bedrohung für diese Fortschritte dar. In degradiertem oder austrocknendem Torf kann sich das Feuer unterirdisch ausbreiten und erneut aufflammen, selbst wenn es scheinbar bereits gelöscht wurde. Eine frühzeitige Erkennung und schnelle Bekämpfung sind daher ebenso von entscheidender Bedeutung, wie die Rückkehr in die betroffenen Gebiete, um diese auf ein erneutes Aufflammen zu überwachen.
Der IFAW unterstützt YIARI (kurz für „Yayasan Inisiasi Alam Rehabilitasi Indonesia“) und ihre Partner vor Ort dabei, die Brandbekämpfungskapazitäten in Pematang Gadung während dieser entscheidenden Monate der Trockenzeit zu stärken.
Gemeinden, die ihre Wälder schützen
Zu denjenigen, die sich für den Schutz von Pematang Gadung einsetzen, gehören auch die Frauen von „The Power of Mama“, einer von der Gemeinde getragenen Initiative für Brandbekämpfung und Waldschutz, die von YIARI unterstützt wird.
Die Gruppe arbeitet mit anderen lokalen Einsatzkräften zusammen, um brandgefährdete Gebiete zu überwachen, Gefahren zu erkennen und Brände vor der Ausbreitung zu löschen. Ihre Erfahrung zeigt, welche Wirkung lokal organisierte Vorsorge haben kann. Allein im Jahr 2025 löschten Mitglieder von „The Power of Mama“ sechs Großbrände und trugen dazu bei, die Ausbreitung von mehr als 150 weiteren Brandereignissen zu verhindern.
Einige Brände wüten in Gebieten ohne nahegelegene Flüsse oder Kanäle. Dort müssen sich Mitglieder der Gemeinde ihren Weg zum Wasser graben, während die Einsatzteams versuchen, die Brände unter Kontrolle zu bringen.
Der IFAW unterstützt das GPOCP dabei, die dringenden Bedürfnisse zu decken. Die bereitgestellten Mittel werden dazu beitragen, zuverlässigere Wasserstellen durch Bohrungen bis zum Grundwasserspiegel einzurichten, zusätzliche Schläuche und Feuerwehrausrüstung bereitzustellen, das Personal vor Ort zu unterstützen und Schutzausrüstung für die Einsatzkräfte bereitzustellen. Längere Schläuche ermöglichen es, Wasserstellen an sichereren Orten einzurichten und dennoch Brände in einer Entfernung von Hunderten von Metern zu erreichen.
Vorbereitung ist entscheidend, wenn eine Katastrophe eintritt
Die Ereignisse, die sich derzeit gleichzeitig in ganz Indonesien abspielen, zeigen, dass Katastrophenhilfe viele Formen annehmen kann. Während die kurzfristige finanzielle Soforthilfe des IFAW derzeit für die Bekämpfung der Brände in Westkalimantan eingesetzt werden, trägt unsere langfristige Arbeit zur Katastrophenvorsorge gemeinsam mit COP dazu bei, die Fähigkeiten und Kapazitäten der lokalen Einsatzkräfte zu stärken, die im Notfall mobilisiert werden können.
Zu sehen, wie Teilnehmende der Schulung sich auf den Weg machten, um die Erdbebenhilfe zu unterstützen, machte unmittelbar deutlich, dass Vorsorge keine abstrakte Übung ist. Lokale Einsatzkräfte leben und arbeiten in gefährdeten Gemeinden und ihre Fähigkeit, schnell zu handeln, kann im Katastrophenfall den entscheidenden Unterschied ausmachen.

Tiere schützen, bevor deren Rettung nötig wird
Katastropheneinsätze für Wildtiere werden oft mit der Rettung und Versorgung von verletzten Tieren in Verbindung gebracht. In Westkalimantan besteht die Möglichkeit, früher einzugreifen, indem man den Gemeinden dabei hilft, zu verhindern, dass Brände den Lebensraum zerstören, auf den Wildtiere angewiesen sind.
Für einen Orang-Utan, der in einem dieser Wälder lebt, bedeutet der Schutz seines Lebensraums, die Bäume zu erhalten, die ihm Nahrung, Schutz, Wege durch den Wald und Orte zur Aufzucht seiner Jungen bieten. Dieselben Wälder bieten Lebensraum für viele andere Arten und sichern den Lebensunterhalt der Gemeinden, die sich aktiv für deren Management und Schutz einsetzen.
Sie sind zudem wichtig für das Klima. Schätzungen zufolge speichern der Pematang-Gadung-Wald und die angrenzenden Wälder rund 40 Millionen Tonnen Kohlenstoff. Der Schutz kohlenstoffreicher Torfmoore vor Bränden kommt daher sowohl der Tierwelt als auch den Gemeinden zugute und trägt gleichzeitig dazu bei, zu verhindern, dass große Mengen an Kohlenstoff in die Atmosphäre freigesetzt werden.
Die Menschen, die sich für den Schutz dieser Wälder einsetzen, spielen dabei eine zentrale Rolle. Die Feuerwehrleute aus den Gemeinden bringen lokales Wissen und Erfahrung mit, die es ihnen ermöglichen, Gefahren zu erkennen und schnell zu reagieren, während Organisationen aus dem Natur- und Artenschutz die Koordination, das Fachwissen und die langfristigen Beziehungen bereitstellen, die zur Unterstützung ihrer Arbeit erforderlich sind.
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