Pssst! Stille Ozeane retten Leben
Um Meerestiere zu schützen, müssen wir Unterwasserlärm reduzierenUmfrage zeigt: Breite Unterstützung der EU-Bevölkerung für Meeresschutzmaßnahmen
Umfrage zeigt: Breite Unterstützung der EU-Bevölkerung für Meeresschutzmaßnahmen
Es ist überlebenswichtig für Meereslebewesen durch Schall zu kommunizieren. Wale, Delfine und unzählige andere Meeresarten brauchen ihn, um zu kommunizieren, sich zu orientieren, Nahrung zu finden und Gefahren auszuweichen. Doch heute wird diese harmonische und lebenswichtige Klanglandschaft zunehmend übertönt – größtenteils durch Lärm von menschlichen Aktivitäten.
Eine neue europaweite Umfrage zeigt sowohl eine Herausforderung als auch eine Chance: Obwohl Unterwasserlärm bislang kaum als großes Problem wahrgenommen wird, befürwortet die EU-Bevölkerung, sobald ihnen die Auswirkungen bewusst sind, in großer Mehrheit Maßnahmen gegen Unterwasserlärm.

Eine verborgene Bedrohung ins Bewusstsein rücken
Eine vom IFAW beauftragten und von KRESK 4 OCEANS unterstützten Umfrage durchgeführt im März 2026 von Ipsos geben 98 % der Befragten in fünf europäischen Ländern an, dass ihnen der Schutz des Meereslebens wichtig ist. Dennoch erkennen derzeit nur 14 % Unterwasserlärm als Bedrohung für die biologische Vielfalt im Ozean.
Diese Lücke ist relevant. Sie ist jedoch kein Zeichen von Gleichgültigkeit. Vielmehr zeigt sie, dass dieses Thema für die breite Öffentlichkeit bislang weitgehend unsichtbar ist.
Als die Befragten erfuhren, wie der Lärm von Schiffen die Fähigkeit von Meerestieren beeinträchtigt, zu kommunizieren, Nahrung zu finden und sich zu orientieren, stieg die Besorgnis deutlich. Fast neun von zehn Personen (89 %) gaben an, dass dieses Problem dringend angegangen werden sollte. Das zeigt eindrucksvoll: Wenn Menschen das Problem verstehen, ist es ihnen wichtig. Und sie wollen Lösungen.
Europa ist bereit für Veränderung
Die Umfrage zeigt außerdem, dass aus Sorge schnell Unterstützung für konkrete Maßnahmen wird. Eine deutliche Mehrheit, 84 %, befürwortet eine Reduzierung der Schiffsgeschwindigkeiten zum Schutz des Meereslebens. Besonders aussagekräftig: 78 % sind der Meinung, dass dies gesetzlich geregelt werden sollte und nicht auf freiwilliger Basis erfolgen darf.
Die Menschen sind auch bereit, selbst einen Beitrag zu leisten. Fast sieben von zehn Befragten (69 %) würden etwas längere Lieferzeiten für Waren und Pakete akzeptieren, wenn dadurch Unterwasserlärm reduziert wird. Das ist ein klares Signal: Die Öffentlichkeit ist bereit für wirksame, praktikable Lösungen.
Langsamere Schiffe retten Leben
Eine der wirksamsten Maßnahmen zur Reduzierung von Unterwasserlärm existiert bereits. Beim IFAW nennen wir sie „Blue Speeds“. Das steht für eine moderate Geschwindigkeitsreduzierung von rund 10 % in der globalen Schifffahrt.
Diese einfache Veränderung kann sofort messbare Vorteile bringen. Eine weltweite Umsetzung von Blue Speeds könnte den Unterwasserlärm um bis zu 40 % reduzieren und so die akustische Umwelt entlasten, auf die Meerestiere angewiesen sind. Gleichzeitig ließe sich das Risiko tödlicher Kollisionen mit großen Walen halbieren und die Treibhausgasemissionen der globalen Schifffahrt um schätzungsweise 13 % senken. Anders gesagt: Langsamere Schiffe sind nicht nur gut für Wale, sie sind eine praktikable Lösung für Biodiversität, Klimaschutz und sicherere Meere.

Ein entscheidender Moment für Europas Meere
Diese Ergebnisse kommen zu einem entscheidenden Zeitpunkt. Die Europäische Union überprüft derzeit ihre Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (Marine Strategy Framework Directive, MSFD), ein zentrales Gesetzeswerk mit dem Ziel, einen „guten Umweltzustand“ für Europas Meere zu erreichen. Dieses Ziel sollte ursprünglich bis 2020 erreicht werden, wurde jedoch verfehlt.
Zu den Bereichen mit den geringsten Fortschritten zählt die Reduzierung von Unterwasserlärm. Etwa die Hälfte davon wird durch den Schiffsverkehr verursacht. Ohne entschlossenere Maßnahmen wird diese unsichtbare Bedrohung weiter zunehmen.
Doch der Weg nach vorn ist klar. Die europäische Bevölkerung unterstützen ihn, die Wissenschaft bestätigt ihn und die Lösung liegt in greifbarer Nähe.
Öffentliche Unterstützung in Politik umsetzen
Der IFAW ruft die EU-Institutionen und die nationalen Regierungen dazu auf, diesen Moment zu nutzen. Durch die Verankerung verbindlicher Geschwindigkeitsreduzierungen für Schiffe in europäischen Gewässern in einer gestärkten MSFD kann Europa sofort einen entschlossenen Schritt hin zu einem leiseren, gesünderen Ozean gehen.
Dies ist eine Chance, politische Entscheidungen mit dem Willen der Bevölkerung in Einklang zu bringen und konkrete Verbesserungen für das Meeresleben zu erreichen.
Ein leiserer Ozean ist möglich
In ganz Europa zeigen die Menschen, wie sehr ihnen die Zukunft unseres Ozeans am Herzen liegt. Sie sind bereit zu lernen, sich anzupassen und Lösungen zu unterstützen, die das Meeresleben schützen.
Gemeinsam können wir die Lautstärke unter Wasser senken und Walen, Delfinen und anderen Arten den Raum geben, den sie brauchen. Ein leiserer Ozean ist kein fernes Ziel. Er ist eine Lösung, die wir erreichen können, wenn wir uns jetzt dafür entscheiden zu handeln.
Diese Arbeit wird großzügig von KRESK 4 OCEANS unterstützt.
Die Umfrage wurde von Ipsos BVA im Auftrag vom IFAW zwischen dem 11. und 26. Februar 2026 in Frankreich, Deutschland, den Niederlanden, Spanien und Schweden durchgeführt, mit repräsentativen Stichproben von jeweils 1.000 Befragten ab 18 Jahren pro Land.
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