Dank Solarzäunen zu zuverlässigeren Ernten und weniger Mensch-Elefant-Konflikten in Sambia
Dank Solarzäunen zu zuverlässigeren Ernten und weniger Mensch-Elefant-Konflikten in Sambia
Am östlichen Rand Sambias, wo Ackerland direkt an Lebensraum für Wildtiere grenzt, der sich bis in den Kasungu-Nationalpark in Malawi erstreckt, war die Erntezeit lange von Angst geprägt.
Für Familien, die im Bezirk Lumezi Landwirtschaft betreiben, stellten nächtliche Wanderungen von Elefanten ein wiederkehrendes Desaster dar: zertrampelte Maisfelder, zerstörte Lebensgrundlagen und in manchen Fällen sogar Gefahr für Menschenleben. Entlang der von Elefanten genutzten Wanderkorridore gehörte es für die Gemeinden zum Alltag, ihre Ernte nachts mit Pfeifen und Rufen zu schützen, oft jedoch ohne großen Erfolg.

In diesem Jahr hat sich jedoch etwas geändert.
In Teilen von Chikomeni, Mwasemphangwe und anderen Stammesgebieten, die an die Kasungu-Lukusuzi-Landschaft grenzen, berichten Personen aus der Landwirtschaft, dass ihre Ernten zum ersten Mal seit Jahren die Vorratsspeicher füllen. Sie führen dies auf den solarbetriebene Elektrozaun aus Poly-Draht zurück, eine Schutzmaßnahme, die vom IFAW in Zusammenarbeit mit der sambischen Nationalpark- und Wildtierbehörde (DNPW), Führungspersönlichkeiten und lokalen Gemeinden unterstützt wird.
Die Auswirkungen sind gewaltig. Rund 180 Kilometer solarbetriebene Poly-Drahtzäune schützen nun fast 20 Quadratkilometer Ackerland in den Gemeinden, die an den Kasungu-Nationalpark grenzen.
In der Erntesaison 2024-2025 verzeichneten die Behörden 502 Meldungen über Konflikte zwischen Menschen und Elefanten aus Kaleza, Mutu wa Njovu, Chindindindi und Kavikuyu. In der Saison 2025-2026, also ein Jahr später, wurden in denselben Gebieten nur noch zehn Fälle registriert, und laut Angaben von Mitarbeitenden der DNPW ereigneten sich diese Vorfälle außerhalb der eingezäunten Gebiete.
In der Gemeinde Wajingo im Chiefdom Chikomeni steht Raphael Nyirongo, eine Führungspersönlichkeit vor Ort, umgeben von hoch aufragenden Haufen geernteten Maises, von dem ein Teil bereits geschält und ein Teil noch in Säcken verpackt ist.
Er stellt fest: „Dank des Poly-Drahtzauns, den uns der IFAW zur Verfügung gestellt hat, habe ich im Vergleich zum letzten Jahr eine große Menge Mais geerntet. Diese hier sind geschält und jene sind ungeschält. Dank des uns zur Verfügung gestellten Poly-Drahtzauns muss ich diesmal also keinen Hunger leiden.“
Die Zäune stellen keine dauerhaften Barrieren quer durch die von zahlreichen Wildtieren bewohnten Landschaften dar. Sie werden nur bei Bedarf, in der Regel nachts, aktiviert, um Risiken zu minimieren und Energie zu sparen. Dementsprechend bilden die Zäune vielmehr strategische Schutzlinien um Ansammlungen landwirtschaftlich genutzter Areale insbesondere während der Erntezeit. Die solarbetriebenen Zäune senden elektrische Impulse aus, die Elefanten zwar abschrecken, jedoch nicht verletzen. Dadurch werden Wildtiere davon abgehalten, Anbauflächen zu betreten, ohne in ihrer Bewegungsfreiheit durch die gesamte grenzüberschreitende Landschaft wesentlich eingeschränkt zu werden.
Die Zäune sind Teil der IFAW-Initiative „Room to Roam“, die im Osten und Süden Afrikas daran arbeitet, Landschaften zu sichern, miteinander zu verbinden und zu schützen, damit Wildtiere frei und ungehindert umherziehen können.
In der grenzüberschreitenden Landschaft zwischen Malawi und Sambia unterstützt „Room to Roam“ praktische Lösungen, die das Zusammenleben von Menschen und Wildtieren fördern. Indem Konflikte rund um landwirtschaftlich genutzte Gebiete verringert und gleichzeitig die Wanderkorridore für Elefanten zwischen Schutzgebieten erhalten bleiben, können diese Maßnahmen dazu beitragen, sicherere und resilientere Gemeinden entlang wichtiger Wildtierkorridore aufzubauen.
Eine Ernte, die Erleichterung bringt
Für Esnart Banda stellt die diesjährige Ernte einen seltenen Moment der Erleichterung dar. Banda trägt die Verantwortung für den Unterhalt ihres Haushalts, da ihr Mann an Diabetes leidet und nicht mehr in der Lage ist, Landwirtschaft zu betreiben. Jahrelang überfielen Elefanten immer wieder ihre Felder und zerstörten die Ernte, von der die Familie sowohl ernährungstechnisch als auch finanziell abhängig ist. Die anhaltenden Ernteausfälle gehörten zu den Gründen, warum das Dorf Chimwando bei der Installation von Poly-Drahtzäunen Vorrang erhielt, obwohl es kleiner ist als viele der umliegenden Gemeinden.
„Ich komme aus dem Dorf Chimwando“, sagt Esnart Banda, während sie gemeinsam mit Familienmitgliedern im Chiefdom Mwasemphangwe Erdnüsse erntet. „In der letzten Saison haben Elefanten unsere Ernte zerstört. Doch in dieser Saison sind keine Elefanten mehr auf unsere Felder gekommen, seit der Poly-Drahtzaun aufgestellt wurde. In diesem Jahr hat Gott uns mit einer guten Ernte gesegnet und wir rechnen damit, mehr Säcke Mais, Erdnüsse, Sonnenblumen, Sojabohnen und andere Feldfrüchte zu ernten.“
„Ich möchte dem IFAW und der Regierung dafür danken, dass sie den Poly-Drahtzaun für uns errichtet haben, denn seit dessen Installation sind keine Elefanten mehr auf unsere Felder gekommen“, sagt Banda.

Konfliktprävention als Schlüssel
Die Ergebnisse sind von großer Bedeutung in einer Region, in der sich die Konflikte zwischen Menschen und Elefanten in den letzten Jahren verschärft haben, u.a. aufgrund klimatischer Belastungen, veränderter Wanderungsmuster und der Ausweitung der Landwirtschaft in der Nähe von Wanderkorridoren der Wildtiere. In Dürrejahren dringen Elefanten auf der Suche nach Nahrung und Wasser früher in landwirtschaftlich genutzte Gebiete vor, wodurch die Tiere in direkten Kontakt mit den Menschen vor Ort geraten.
Nach Aussage der Behörden vor Ort sind die Ergebnisse durch die Errichtung des Elektrozauns aus Poly-Draht nicht zu übersehen.
„Im Bezirk Lumezi ist ein deutlicher Rückgang der Fälle von Konflikten zwischen Menschen und Elefanten zu verzeichnen“, sagt Acting District Commissioner Malvin Malasha.
„Die Regierung ist erfreut, dass die Initiative mit unserem Partner IFAW positive Ergebnisse gebracht hat. Die Nahrungsversorgung der Farmer ist nun gesichert. Sie können ihre Ernte in vollem Umfang einbringen, ohne von Elefanten gestört zu werden.“
Malasha erklärt, dass in dieser Region seit Beginn der Errichtung der Zäune keine neuen Fälle von Konflikten zwischen Menschen und Wildtieren innerhalb der eingezäunten Gebiete verzeichnet wurden.
Er betont, dass es bei dem Projekt nicht nur um den Schutz der Ernte, sondern auch um den Schutz der Menschen gehe: „Elefanten können gefährlich werden. Sie können in den Feldern großen Schaden anrichten und auch Menschenleben kosten“, sagt er.
Eine kürzlich von WildAfrica und IFAW durchgeführte Umfrage ergab, dass 94% der Befragten in ländlichen Gebieten die Elektrozäune aus Poly-Draht als ihre bevorzugte Lösung für Konflikte zwischen Menschen und Elefanten nannten. Dieses Ergebnis zeigt eine klare Präferenz der Bevölkerung für präventive Lösungen, die dauerhafte Vorteile bieten können.
Aufbauend auf diesem Erfolg haben die lokalen Behörden den „Constituency Development Fund“ Sambias genutzt, um das Projekt auszuweiten.
Die Investition unterstreicht das wachsende Bewusstsein dafür, dass Lösungen für eine friedliche Koexistenz auf Ebene der von Elefanten genutzten Landschaften ansetzen müssen. Das gilt insbesondere für die Regionen innerhalb des grenzüberschreitenden Schutzgebietes Malawi-Sambia, in denen Wildtiere immer wieder die Landesgrenze zwischen Sambia und Malawi überqueren.

Koexistenz sorgt für Ernährungssicherheit und Frieden
Für traditionelle Führungspersönlichkeiten der Region ist das Projekt mittlerweile mehr als nur Natur- und Artenschutz. Vielmehr wird es zunehmend mit Respekt, Ernährungssicherheit und Vertrauen zwischen den Gemeinden und ihren Partnern aus dem Natur- und Artenschutz verbunden.
So sagt Stammesführerin Mwasemphangwe, dass in ihrem Stammesgebiet seit Beginn der Maßnahme anhaltende Ruhe herrsche.
„Wir hatten keine Fälle von Konflikten zwischen Menschen und Elefanten. Auch wenn wir nicht wissen, was die Zukunft bringt, haben wir Frieden gehabt. Das letzte Mal, dass wir solche Vorfälle verzeichneten, war im November letzten Jahres, vor der Errichtung des Zauns. Seitdem läuft alles gut.“
Sie erklärt, der Zaun habe dazu beigetragen, den Schutz der Gemeinden zu verbessern.
„Der IFAW hat sich sehr bemüht, sicherzustellen, dass wir möglichst wenige Probleme haben“, sagt sie.
Ihr Stammesgebiet gehört zu den Gebieten, die von dem Projekt profitieren. Wie viele andere Führungspersönlichkeiten der Region ist auch Mwasemphangwe mittlerweile überzeugt: Natur- und Artenschutz und das Wohlergehen der Gemeinden sind eng miteinander verbunden.
Eine bessere Zukunft für Menschen und Elefanten
Während im Osten Sambias die Erntezeit in vollem Gange ist, trocknen Maisstapel auf den Feldern der Gemeinden, die einst nächtlichen Ernteplünderungen durch Elefanten schutzlos ausgeliefert waren.
Für viele Familien ist die diesjährige Ernte mehr als nur das Ergebnis einer erfolgreichen Anbausaison. Sie ist der Beweis dafür, dass praktische, von der Gemeinde getragene Lösungen ihre Lebensgrundlagen schützen und gleichzeitig Elefanten Bewegungsfreiheit in den Landschaften geben können, die diese Tiere seit Generationen nutzen.
Die Ergebnisse verdeutlichen zudem ein zentrales Prinzip von IFAWs „Room to Roam“-Initiative: Der Schutz wildlebender Tiere und die Unterstützung der mit ihnen lebenden Menschen sind keine konkurrierenden Ziele.
Verfügen Gemeinden über die nötigen Mittel, um Mensch-Wildtier-Konflikte zu vermeiden, profitieren Mensch und Tier gleichermaßen: gesicherte Ernten, mehr Sicherheit für Familien und offene Wanderkorridore für Elefanten durch zusammenhängende Landschaften.
Für lokale Behörden, Gemeinden und Partner aus dem Natur- und Artenschutz ist der nächste Schritt daher klar: Bewährte Lösungen müssen ausgeweitet werden.
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