Illegaler Wildtierhandel: Klammeraffenbabys in Säcken gefunden, Mexiko
Illegaler Wildtierhandel: Klammeraffenbabys in Säcken gefunden, Mexiko
Am 28. März fand eine Routinepatrouille entlang eines abgelegenen Abschnitts der Gleise des Maya-Zugs (Tren Maya) im Süden Mexikos Klammeraffenbabys in Säcken. Die Klammeraffen sind Opfer des illegalen Wildtierhandels.
Ein grausamer Fund
Angehörige der Nationalgarde führten Kontrollgänge durch, als sie in der Ferne eine Gruppe von Menschen entdeckten. Als sich die Einsatzkräfte näherten, ergriffen die Personen die Flucht und ließen mehrere Säcke am Boden zurück. Angesichts der Umstände war die Sorge sofort groß. Erst recht, als die Säcke sich begannen zu bewegen.
In den Säcken befanden sich vier Klammeraffenbabys – gefesselt, reduziert auf eine „Fracht“ des illegalen Wildtierhandels.

Ein schmales Zeitfenster zum Überleben
Die Behörden informierten umgehend die mexikanische Bundesstaatsanwaltschaft für Umweltschutz (PROFEPA) sowie das Institut für Biodiversität und Naturschutzgebiete von Quintana Roo (IBANQROO). Beide griffen ein, um die Tiere zu sichern und den Rettungsprozess einzuleiten.
Die vier Klammeraffen, ein männliches Jungtier im Alter von schätzungsweise fünf bis sechs Monaten und drei weibliche Jungtiere im Alter von nur zwei bis drei Monaten, befanden sich in einem schlechten Zustand. Alle waren unterernährt und dehydriert; eines der jüngsten Weibchen hatte zudem einen Armbruch erlitten.
Mit Unterstützung des IFAW wurden die Klammeraffen zu einem auf Wildtiere spezialisiertem Veterinär gebracht. Dort erhielten sie dringend notwendige Versorgung, darunter die Stabilisierung des Flüssigkeitshaushalts und bildgebende Diagnostik. Anschließend wurden sie in den Zoo Payo Obispo in Chetumal verlegt, wo veterinärmedizinische Teams ihre Genesung weiterhin überwachen und sie fortlaufend betreuen.
Die drei weiblichen Jungtiere wogen bei ihrer Ankunft lediglich 475, 625 und 620 Gramm und werden auf ein Alter von zwei bis vier Monaten geschätzt. Das männliche Jungtier wog etwas über ein Kilogramm und ist mit etwa sechs bis acht Monaten etwas älter.
Obwohl sie nun in Sicherheit sind, bleibt ihre Zukunft ungewiss. Klammeraffen sind hochsoziale Tiere und als Jungtiere vollständig auf ihre Mütter und die Gruppe angewiesen. Da sie so früh getrennt wurden und nun Bindungen zu menschlichen Betreuungspersonen aufbauen, sind ihre Chancen auf eine erfolgreiche Wiederauswilderung deutlich verringert.

Die Gewalt hinter dem Handel
Um Klammeraffenbabys zu fangen, töten Wilderer in der Regel zunächst deren Mütter und häufig auch andere Gruppenmitglieder, die versuchen, sie zu schützen. Ganze Familienverbände werden dabei auseinandergerissen; die überlebenden Jungtiere bleiben traumatisiert und schutzlos zurück.
In diesem Fall flohen die Wilderer vom Tatort, vermutlich im Bewusstsein der schwerwiegenden rechtlichen Konsequenzen. In Mexiko dürfen einheimische Primaten wie Klammeraffen unter keinen Umständen gehandelt werden. Jedes der Natur entnommene und verkaufte Tier ist illegal. Auch auf globaler Ebene bestehen Schutzmaßnahmen: Zwei Unterarten sind in Anhang I des CITES-Abkommens gelistet, der den internationalen kommerziellen Handel verbietet; weitere Unterarten stehen in Anhang II, wo der Handel streng reguliert ist.
Und trotz dieser Schutzmaßnahmen geht der Handel weiter.

Die Nachfrage treibt einen gefährlichen Markt an
Die vier entlang der Strecke des Maya-Zugs geretteten Klammeraffen waren vermutlich für den Verkauf als Haustiere bestimmt, Teil eines illegalen Marktes, der grenzüberschreitend weiter floriert.
Wie aktuelle Fälle von Wildtierschmuggel zeigen, werden Klammeraffenbabys regelmäßig unter grausamen und gefährlichen Bedingungen geschmuggelt: versteckt in Taschen, Fahrzeugen und Behältern, ohne Rücksicht auf ihr Überleben. Ihr Wert steigt erheblich, sobald sie Käufer erreichen, insbesondere in Märkten, in denen der Besitz exotischer Haustiere noch erlaubt ist.
Diese Nachfrage ist heute eine der größten Bedrohungen für die Art. Zwar spielen auch Lebensraumfragmentierung, menschliche Infrastrukturentwicklung, die Klimakrise und invasive Arten eine Rolle, doch der Handel mit exotischen Haustieren schafft einen direkten und unmittelbaren Anreiz, Tiere aus der Natur zu entnehmen.
Warum dringend stärkere Schutzmaßnahmen erforderlich sind
Obwohl Mexiko über starke gesetzliche Schutzmaßnahmen verfügt, macht Wildtierkriminalität nicht an nationalen Grenzen halt. Die anhaltende Nachfrage nach Primaten als Haustiere, insbesondere in Ländern mit uneinheitlichen Besitzregelungen, untergräbt diese Bemühungen.
In den Vereinigten Staaten von Amerika ermöglicht z.B. ein Flickenteppich aus einzelstaatlichen Regelungen in manchen Regionen den legalen Besitz von Primaten. Es sind Schlupflöcher, die von Schmugglern gezielt ausgenutzt werden.
Deshalb setzt sich IFAW in den USA für den Captive Primate Safety Act ein, der den privaten Besitz von Primaten als Haustiere auf Bundesebene verbieten würde. Durch die Reduzierung der Nachfrage und das Schließen rechtlicher Lücken würde diese Gesetzgebung eine der Ursachen des Handels angehen und dazu beitragen, Fälle wie diesen zu verhindern, bevor sie entstehen.
Von der Rettung zur Genesung
Für diese vier jungen Klammeraffen ist das Überleben nur der erste Schritt.
Ihre Genesung erfordert eine fortlaufende tierärztliche Betreuung, sorgfältiges Verhaltensmanagement und, wenn möglich, die Unterbringung in einer Umgebung, in der sie sich gemeinsam mit anderen Affen entwickeln können. Jede Phase dieses Prozesses ist komplex, insbesondere aufgrund der frühen Trennung von ihren Müttern.
Diese Rettung wurde durch die Wachsamkeit der Nationalgarde und das schnelle Handeln der Umweltbehörden ermöglicht, unterstützt vom IFAW und Partnerorganisationen. Sie ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, was koordiniertes Handeln bewirken kann.
Gleichzeitig verdeutlicht sie eine unbequeme Wahrheit: Solange die Nachfrage, die diesen illegalen Handel antreibt, nicht angegangen wird, bleiben Rettungen reaktiv statt präventiv.
Was Sie tun können, um Primaten zu schützen
Einzelpersonen können einen wichtigen Beitrag leisten, insbesondere, wenn es darum geht, die Nachfrage zu verringern.
Ein wichtiger Schritt ist es, Inhalte nicht zu fördern oder zu teilen (z.B. in Sozialen Netzwerken), die Primaten als Haustiere darstellen. Ebenso entscheidend sind die Unterstützung stärkerer gesetzlicher Schutzmaßnahmen, das Melden von mutmaßlichem Wildtierschmuggel sowie die Förderung von Organisationen, die an vorderster Front in Rettung und Arten- und Naturschutz arbeiten.
Zusammengenommen tragen diese Maßnahmen zu einem Wandel der Wahrnehmung in der Öffentlichkeitbei, und letztlich zu einer Verringerung des Marktes, der diesen Handel antreibt.
Ein Leben in Freiheit für Primaten
Klammeraffen und andere Primaten spielen eine zentrale Rolle für gesunde Ökosysteme, z.B. durch die Verbreitung von Samen in tropischen Wäldern. Ihr Schutz dient nicht nur dem Wohlergehen einzelner Tiere, sondern auch dem Erhalt der Biodiversität und der Gemeinschaften, die von diesen Arten abhängen.
Diese jüngste Rettung erinnert sowohl an die Dringlichkeit des Problems als auch an die Möglichkeit von Veränderung. Mit stärkeren Schutzmaßnahmen, mehr Bewusstsein und nachhaltiger grenzüberschreitender Zusammenarbeit ist eine Zukunft möglich, in der Primaten nicht länger ihrer Heimat entnommen werden, sondern in Freiheit leben können.
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